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Ein Luchs erobert die Lausitz

16. April 2018 | Wildkatze, Lebensräume, Wälder, Naturschutz

Die Luchse kehren langsam zurück. Nach Nachweisen im Hainich und im Thüringer Wald gelang vergangene Woche ein neuer Sensationsfund: Zum ersten Mal wurde ein Luchs in der Lausitz, im äußersten Osten Deutschlands, fotografiert. Für Luchsforscher*innen ist er ein alter Bekannter: Als Jungtier lebte er im Harz.

Eine kleine Sensation: der Luchs in der Lausitz.  (Uwe Dittmann)

Der Naturfotograf Uwe Dittmann hat im Tagebau Welzow bei Spremberg einen Luchs vor die Linse bekommen – dort, wo ihn niemand erwartet hätte. Die Lausitz ist zwar bekannt für ihre zahlreichen Wölfe, aber Luchse gab es bisher weit und breit nicht. Die nächsten Luchs-Vorkommen sind viele Kilometer entfernt: im Harz, Böhmerwald und im östlichen Polen. Eigentlich sind Luchse auch keine typischen Langstreckenwanderer wie z.B. Wölfe.

Eine weitere Besonderheit: Der jetzt gesichtete Luchs wurde vor zwei Jahren im Harz an einem Rehriss von Luchsforscher*innen gefangen und mit einer Ohrmarke versehen. Er war da noch ein halbwüchsiger, zweijähriger Jungkater, der nur 14 Kilogramm wog. Danach wurde er nicht mehr nachgewiesen – umso erfreulicher, dass der Luchs nun wieder aufgetaucht ist, wohlbehalten und gesund. Und sehr weit weg.

Lebensräume für Luchse vernetzen

Solche einzelnen, weit wandernden Tiere sind für die Wiederbesiedlung von neuen Lebensräumen von immenser Bedeutung. Allerdings stehen die Chancen für den Luchskater, in der Lausitz ein Weibchen zu finden, nicht gut. Trotz der ruhigen Wälder und weitläufigen Truppenübungsplätze mit viel Wild wird er in der Lausitz wohl einsam bleiben – und vielleicht sogar wieder abwandern. Die Luchse, die in den nächsten Jahren im nordwestlichen Polen wieder ausgewildert werden sollen, kommen für ihn wahrscheinlich zu spät.

Wenn die Luchse in Deutschland und Mitteleuropa langfristig eine Chance haben sollen, reicht es nicht, wenn sich ein Tier alle paar Jahre erfolgreich durch die vom Menschen geprägte Landschaft kämpft. Statt Zerschneidung brauchen wir eine Wiedervernetzung von Lebensräumen. Mehr Luchse müssen unbeschadet durchs Land ziehen können, die Luchspopulationen müssen sich vernetzen. Wir brauchen in Deutschland endlich ein funktionierendes Biotopverbundsystem mit vernetzten Wäldern und entschärften Verkehrswegen.

Bei nur 77 nachgewiesenen Luchsen in Deutschland zählt jedes einzelne Tier. Solange abwandernde Luchse auf Straßen überfahren oder illegal getötet werden, wird es keine stabilen Vorkommen außerhalb der jetzigen Hauptverbreitungsgebiete geben.

Dem Lausitzer Luchs wünscht der BUND viel Glück – hoffentlich werden wir noch öfter von ihm hören!

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