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Drei Jahre UN-Nachhaltigkeitsziele – was tut sich vor Ort?

30. Januar 2019 | Nachhaltigkeit, Suffizienz

Eine Welt ohne Hunger und Armut? Gesundheit und Bildung, sauberes Wasser und bezahlbare Energie für alle Menschen auf der Erde? Seit Herbst 2015 sind dies erklärte Ziele der Vereinten Nationen. Gerade in Städten und Gemeinden können diese Ziele mit Leben gefüllt werden. Der BUND hat sich nach guten Beispielen in den deutschen Kommunen umgesehen.

Wie sieht die nachhaltige Stadt von morgen aus? Deutsche Kommunen erproben erste Konzepte.  (LittleBee80 / iStock.com)

Vor gut drei Jahren hat die Staatengemeinschaft die globalen Nachhaltigkeitsziele – "Sustainable Development Goals" (SDGs) verabschiedet, sie reichen bis 2030. Ein Drittel der 17 Ziele betreffen den Umwelt- und Naturschutz: Sie zielen darauf, erneuerbare und moderne Energien für alle zugänglich zu machen, die Klimakrise zu bekämpfen und den Artenverlust zu stoppen.

Zugleich verbinden die SDGs verschiedene Aspekte der Nachhaltigkeit miteinander – soziale, wirtschaftliche, ökologische, kulturelle. Und sie orientieren sich an den planetaren Grenzen: Es gilt, unsere natürlichen Lebensgrundlagen zu bewahren. Entscheidend ist schließlich: Die Ziele haben universelle Gültigkeit! Alle Staaten verpflichten sich, die neue Agenda umzusetzen. Damit ist auch Deutschland gefragt: von der Bundes- über die Landespolitik bis zur lokalen Ebene.

Dabei hat es die kommunale Politik in besonderem Maß in der Hand, die SDGs zu verwirklichen und mit Leben zu füllen. "Hier kommen Menschen seit jeher zusammen und regeln ihre Angelegenheiten gemeinsam", so der Oberbürgermeister der Stadt Augsburg, Kurt Gribl.

Auf kommunaler Ebene lassen sich neue Wege einschlagen und ausprobieren – oft lange, bevor dies auf Landes- oder Bundesebene möglich ist. Und das, obwohl Städte große Herausforderungen zu meistern haben – sei es in der Verkehrs-, Wohnungs- oder Flächenpolitik, sei es im sozialen Bereich – und oft knapp bei Kasse sind. Nachhaltige Politik ist vor Ort gestaltbar, beeinflussbar, für die Menschen erlebbar.

Immer mehr Kommunen engagieren sich

Eine gute Grundlage liefert der Deutsche Städtetag: Er stellt Städten und Gemeinden ein Muster für eine Resolution zu den SDGs zur Verfügung. In über 90 Städten und Regionen – übersichtlich dargestellt auf einer Online-Landkarte –  haben die Gemeinderäte die Resolution bereits unterzeichnet. Sie signalisieren damit ihre Bereitschaft, die globalen Ziele vor Ort aktiv anzugehen.

Und aus dieser Bereitschaft wird mehr, wenn die Kommunen zugleich konkrete Schritte beschließen; etwa, indem sie eine lokale Nachhaltigkeitsstrategie entwickeln. Die Servicestelle "Kommunen in der Einen Welt" bietet dafür auf vielfältige Weise Unterstützung an.

Der umfassende Ansatz der SDGs schafft eine neue Qualität: Es gilt, kommunale Einzelstrategien – etwa zu Energie, Ressourcen und Bildung oder Umwelt und Gesundheit – unter einem Dach zu verknüpfen und weiterzuentwickeln. Das Miteinander von Politik, Verwaltung und Zivilgesellschaft bildet dann das Fundament für einen erfolgreichen Prozess. 

Bielefeld holt alle ins Boot

Ein gutes Beispiel für eine gelungene Vernetzung bietet die Stadt Bielefeld, die als eine der ersten Kommunen die Resolution des Städtetags unterzeichnete. Im April 2018 verabschiedete der Stadtrat ein "Handlungsprogramm Klimaschutz" bis 2050. Darin werden Bereiche wie die erneuerbaren Energien, Klimaschutz, Mobilität, Gebäude, Konsum, Ernährung und Gesundheit behandelt.

Erarbeitet wurde das Programm in einem mehrstufigen Prozess: Zuerst konnten die Bürger*innen, Vereine und Verbände – wie auch der BUND – auf einem Zukunftskongress und in Workshops ihre Ideen und Wünsche einbringen. In einem zweiten Schritt ergänzten Stadtverwaltung und Stadtwerke die Ergebnisse. Schließlich diskutierte und verabschiedete die Politik das Programm fast einstimmig.

So kam es zum größtmöglichen Konsens. Im Dezember 2018 begann die Umsetzung des Programms mit den Bürger*innen von Bielefeld. So arbeitet etwa eine vielfältige Arbeitsgruppe von Landwirt*innen bis zu Transition-Town-Initiativen an einem regionalen, nachhaltigen Einkaufsführer für Bielefeld und Umgebung. Der BUND ist natürlich auch dabei, ebenso der Ende November gegründete Ernährungsrat.

Von Nachhaltigkeit bis Wildkräuterwiesen

Aktuell erarbeitet die Stadt Bielefeld nun eine Nachhaltigkeitsstrategie – diesmal zunächst verwaltungsintern. "Über die SDGs wollen wir einen deutlich besseren Gesamtüberblick erreichen, auch für die Mitarbeiter*innen der Stadtverwaltung: Wo stehen wir überhaupt? Auch dafür sind die SDGs nützlich. Inzwischen haben wir 33 strategische Ziele erarbeitet, die nun der Politik vorgelegt und mit der Stadtgesellschaft weiter entwickelt werden", so Birgit Reher von der Stadt Bielefeld.

Auch das Projekt "Grünzug Schlosshofbach" ist ganz im Sinne der UN-Ziele: Hier wird erprobt, wie die biologische Vielfalt auf innerstädtischen Grünflächen erhöht werden kann. Zum Beispiel durch Wildkräuterwiesen mit regionalem und standortgerechtem Saatgut. Solche geeigneten Maßnahmen sollen dann als neue Standards für städtische Grünflächen dienen. Neben dem Umweltamt und dem Umweltbetrieb sind Naturschutzverbände und lokale Akteure einbezogen. Der BUND Bielefeld beteiligte sich 2017/18 mit einem Projekt zur Renaturierung am Gellershagener Bach.

Eine vielfältige Stadtnatur wird immer wichtiger – im Hinblick auf den Schutz der Artenvielfalt, die Anpassung an den Klimawandel oder für viele Stadtkinder, die hier prägende Naturerfahrungen sammeln. Die Universität Bielefeld hat in ihrem Forschungszyklus "Bielefeld 2000plus" u.a. erforscht, welch hohe Wertschätzung die Bielefelder Grünzüge in der Anwohnerschaft genießen.

Ökostation Freiburg schafft neue Netzwerke

Umfassend geht auch die Ökostation Freiburg die SDGs an. 17 lokale Events zu den 17 Zielen haben die Mitarbeiter*innen des Umweltbildungszentrums bereits durchgeführt – und sind noch lange nicht am Ende.

"Die Quintessenz aus diesen Veranstaltungen bringt das 17. SGD auf den Punkt: 'Bilde Partnerschaften, um deine Ziele zu erreichen'", so Ralf Hufnagel von der Ökostation. "Wir haben zum Beispiel recherchiert, welche Lastenfahrradhersteller es in der Region gibt, und gemeinsam ein Event auf die Beine gestellt. Sogleich ergaben sich neue Kontakte, und wir konnten ein breiteres Publikum ansprechen."

So kamen dank der Zusammenarbeit mit einer Initiative von Studierenden hundert Teilnehmer*innen zu einer Kleidertauschparty zusammen. Alle brachten aussortierte Kleidung mit, dann wurde fröhlich getauscht. Ganz ohne Geld auszugeben oder Ressourcen zu verschwenden gab es für Jede*n ein neues Outfit – und neue Bekanntschaften gratis dazu.

Fairer Handel auch auf der "Hanse Sail"

Konsequent geht Rostock das Thema "Fair Trade" auf Basis der SDGs an. Mittlerweile gibt es in 80 Geschäften und 40 gastronomischen Einrichtungen Produkte aus fairem Handel. Alle Rostocker Verwaltungseinrichtungen und kommunalen Unternehmen bieten Kaffee und mindestens ein weiteres Produkt aus fairem Handel an. Schulen, die Universität und die Kirche bringen sich dabei aktiv ein. Zusätzlich beschäftigt die Stadt eine Fair-Trade-Koordinatorin.

Weiter betreibt Rostock auf der "Hanse Sail", einer der weltweit größten Veranstaltungen von Traditionsseglern, einen Fair-Trade-Bereich, der den Gästen fairen Handel auf unterhaltsame Weise näher bringt. Mit über 190 Mitgliedern in über 16 Ländern hat der Städtebund "Die Hanse" die Arbeitsgruppe "Faire Hanse" gegründet, bei der Rostock derzeit den Vorsitz innehat. Ihre Erfahrungen hat die Stadt nun in einem Handbuch für nachhaltige Veranstaltungen zusammengefasst.

Jede*r kann mitmachen!

Wer die SDGs selbst in seinen Alltag bringen will – sei es als Privatperson, mit der BUND-Gruppe, dem Sportverein oder der Kommune –, kann dafür z.B. die Deutschen Aktionstage Nachhaltigkeit nutzen (in den sozialen Netzwerken unter #tatenfuermorgen). Die Aktionstage finden vom 30. Mai bis 5. Juni 2019 statt. Ab Februar ist es möglich, sich mit einer Aktion anzumelden.

Egal ob Podiumsdiskussion, nachhaltiges Kochseminar, Streuobstwiese, Blogprojekt oder Kleidertauschparty: Alle können mitmachen! Die zentrale Frage ist immer: Wie kann ich verschiedene Bereiche verbinden, Umweltaktivitäten mit sozialen Gesichtspunkten oder kulturellen Fragen?

Bei einem "Schokoladen-Projekt" beispielsweise lernen wir nicht nur, wie Schokolade hergestellt wird, sondern auch, wo die Zutaten herkommen und was ein*e Bäuer*in im Fair-Trade-Handel oder auf herkömmlichen Handelswegen verdient.

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