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Die Erde brennt

03. August 2018 | Klimawandel, Kohle, Energiewende, Nachhaltigkeit, Landwirtschaft, Mobilität, Wälder

Gedanken zum Thema Hitzewelle und Klimakrise von BUND-Klimaexpertin Ann-Kathrin Schneider.

BUND-Klimaexpertin Ann-Kathrin Schneider  (Sebastian Hennigs)

Dieser Sommer ist ungewöhnlich. In Schweden brennen die Wälder, in Spanien und Portugal sollen die Temperaturen in den nächsten Tagen bis an die 50 Grad reichen. Am Polarkreis wurde diesen Sommer bereits über 30 Grad gemessen, in Lettland hat es seit April dieses Jahres gar nicht mehr geregnet, und in Brandenburg will die Landesregierung den von Dürre betroffenen landwirtschaftlichen Betrieben mit Millionen über die Ernteausfälle hinweghelfen.

In Hamburg werden Tonnen von totem Fisch aus den Flüssen geholt. Wegen der Hitze haben die Flüsse so wenig Sauerstoff, dass tote Brassen, Rotaugen und  Karpfen aus Elbe und Alster auf die nächstgelegene Müllverbrennungsanlage gebracht werden. 

In der Bundesgeschäftsstelle des BUND machen Augenzeugenberichte die Runde: Der Kollege mit griechischen Wurzeln erzählt von der Großmutter, die mit Hilfe von Familienmitgliedern rechtzeitig aus ihrer Wohnung in Rafina geführt werden konnte, bevor der eindringende Qualm der sich nähernden Brände ein Verlassen des Hauses unmöglich gemacht hätte (s. Bildergalerie). Gut, dass der Onkel zufällig da war – alleine hätte sie es nicht geschafft, sich in Sicherheit zu bringen.

Die Kollegin mit schwedischen Wurzeln berichtet von dem dortigen Krisensommer: Die Feuerwehr war außerstande, die 40 bis 50 Brände, die gleichzeitig herrschten, in den Griff zu bekommen. Die Bevölkerung musste einem unvorbereiteten Katastrophenschutz zusehen, der nur dank der Unterstützung aus Frankreich, Polen, Italien und Norwegen imstande war, einzelne Brände zu löschen. Die größten Waldbrände wüten noch immer – sie werden erst zu löschen sein, wenn der Regen kommt, doch der ist nicht in Sicht.

Im überfüllten Stadtbad traf die Autorin dieses Artikels eine Bekannte, die ihren Urlaub auf einem Zeltplatz in Brandenburg abbrechen musste, da die Trockenheit zu starken Atemwegsbelastungen geführt hatte. Generell steigen die Krankenhauseinlieferungen an Tagen mit über dreißig Grad Wärme in Deutschland an, genauso wie die Zahl der verfrühten Todesfälle. 

Und auch außerhalb Europas, besonders auf der Nordhalbkugel, wird ein bedenklicher Hitzerekord nach dem anderen gemeldet. Die Stadt Nawabshah im Zentrum von Pakistan hat schon im April dieses Jahres mit einer gemessenen Temperatur von über 50 Grad Schlagzeilen gemacht. So heiß war es noch nirgends auf der Welt an einem Tag im April.

Es ist nicht der erste ungewöhnlich heiße Sommer. 2003 sind mehr als 70.000 Menschen in Europa Opfer extremer und langanhaltender Hitze geworden. Die Temperaturen überstiegen in Paris am 14. August erstmals 39 Grad: 40 Menschen starben allein an diesem einen Tag in der Hauptstadt Frankreichs an den Folgen der Hitze. Insgesamt war es im Juni, Juli und August 2003 in Deutschland drei Grad wärmer als sonst im gleichen Zeitraum – so warm, wie noch nie seit Beginn der Aufzeichnungen.

Doch entfernen wir uns von den konkreten Fällen und schauen uns den globalen Zusammenhang an.

Zwölf harte Fakten zum Klimawandel

  • Mit Autos, Fabriken, Kraftwerken und Landwirtschaft pustet der Mensch Treibhausgase in die Luft.
  • Dadurch steigt die CO2-Konzentration in der Atmosphäre stetig an – auf den heutigen gefährlichen Wert von 400 Teilchen pro Million.
  • Bis vor der Industrialisierung waren es für mindestens 800.000 Jahre weniger als 280 Teilchen pro Million.
  • Der Mensch hat den CO2-Gehalt der Luft damit mittlerweile um mehr als 40 Prozent erhöht.
  • Die hohe Konzentration von CO2 in der Atmosphäre erhitzt das Klima.
  • Die globale Durchschnittstemperatur hat sich seit vor der industriellen Revolution um ein Grad erhöht.
  • Die drei heißesten Jahre seit Beginn der Temperaturmessung waren die drei letzten: 2015, 2016 und 2017.
  • Die Erderhitzung führt zu immer extremeren Temperaturen, stärkeren Stürmen, mehr Dürren und Hitzeperioden, dem Abschmelzen der Gletscher und der Arktis und der Versauerung der Meere.
  • Millionen von Menschen sind betroffen. Böden werden zerstört, Küstenstädte unbewohnbar, Ernten gehen verloren, Inseln unter und Wüsten breiten sich aus.
  • 2015 hat die Weltgemeinschaft in Paris einen Klimaschutzvertrag verabschiedet. Dort haben alle Regierungen versprochen, den Anstieg der globalen Temperatur auf möglichst 1,5 Grad zu begrenzen.
  • Momentan steuern wir auf einen Temperaturanstieg von drei Grad zu – alle Regierungen reduzieren ihren CO2-Austoß noch viel zu wenig. 
  • Deutschland hat seine Emissionen in den vergangenen zehn Jahren kaum reduziert und setzt keine Maßnahmen um, die eine starke Emissionsreduktion in den nächsten Jahren zur Folge hätten.

Wir leben im Klimawandel, jedes Zehntel Grad mehr an Erhitzung wird uns Millionen kosten und den Platz, den wir noch zum Leben zur Verfügung haben, verringern. Jede Tonne CO2, die in die Luft gepustet wird, wird die Wahrscheinlichkeit, dass wir zu heiße und zu trockene Sommer haben, weiter erhöhen. Die Hitze zerstört unsere Böden, unsere Fähigkeit, Nahrungsmittel herzustellen, unsere Flüsse, sie tötet die Fische, die darin leben und macht die Schifffahrt unmöglich. Bei Temperaturen um die 50 Grad, bei fehlender nächtlicher Abkühlung, ist kein gutes Leben mehr möglich.

Lasst uns gemeinsam für ein gutes Leben kämpfen. Noch ist es möglich, die drastische Erderhitzung einzudämmen. Wir dürfen jetzt keine Zeit mehr verlieren. Packen wir den Kohleausstieg an und kämpfen dafür, dass auch in Industrie, Landwirtschaft und im Verkehr Dreckschleudern durch klimaschonende Alternativen ersetzt werden.

BUND-Aktion "Kohle stoppen – Klimaschutz anpacken!"

Und nicht nur hier bei uns setzen wir uns für den Klimaschutz ein und kämpfen gegen die Klimakrise. Gemeinsam mit Partnerinnen aus unserem Netzwerk Friends of the Earth Europe setzen wir auf ein klimafreundliches Europa. Wir nennen es "Fossil Free Europe".

Denn es reicht nicht, wenn wir hier bei uns die Kohlekraftwerke abstellen und im Verkehr endlich weg kommen von den spritschluckenden Autos. Nein, überall auf der Welt – und zuallererst in ganz Europa – brauchen wir eine grüne Zukunft, in der die Menschen und das gute Leben im Mittelpunkt stehen. Daher: "Fossil Free Europe" in zehn Schritten!

Bildergalerie von den Bränden bei Rafina

(zum Vergrößern Bilder anklicken)

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