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Der Bericht des Weltklimarats und seine Folgen

09. Oktober 2018 | Klimawandel, Kohle, Lebensräume, Ressourcen & Technik, Naturschutz, Energiewende, Meere, Wälder, Nachhaltigkeit, Suffizienz

Am gestrigen 8. Oktober wurde der neue Sonderbericht des Weltklimarats IPCC veröffentlicht. Der nächste Warnschuss für die Weltgemeinschaft. Zwar haben wir in den vergangenen Jahren immer wieder von der Wissenschaft gehört, dass wir ganz schnell handeln müssen, um die Klimakatastrophe abzuwenden. Doch dieser Bericht hat eine neue Qualität. Ann-Kathrin Schneider, BUND-Expertin für internationale Klimapolitik, erklärt, warum.

Jetzt ist wissenschaftlicher Konsenz: Die unverrückbare Grenze für die globale Erwärmung liegt bei 1,5 Grad.  (pixel2013 / pixabay.com)

Neu an dem IPCC-Bericht ist zunächst, dass alle Wissenschaftler*innen sich einige sind, dass die absolute, nicht verrückbare Grenze für die globale Erwärmung bei 1,5 Grad liegt.

Bisher galt auch in der Wissenschaft eine Erwärmung um zwei Grad als rote Linie, die man nicht überschreiten dürfe, weil dann viel verloren sei. Vor drei Jahren, auf der Klimakonferenz in Paris, wehrten sich die kleinen Inselstaaten gegen diese Sichtweise. Für sie war damals schon klar: Wir verlieren alles, wenn der Meeresspiegel ansteigt, die Überschwemmungen häufiger werden und Salzwasser in unsere Flüsse und auf unsere Felder eindringt.

Die Inselstaaten haben deshalb darauf gedrängt, dass anerkannt wird, dass die globale Erwärmung bereits bei 1,5 Grad gebremst werden muss – und sie haben in Paris Recht bekommen. Die 1,5 Grad sind eine zentrale Säule des Pariser Klimaschutzabkommens geworden. Damals haben Wissenschaftler*innen den Auftrag bekommen, die Auswirkungen von 1,5 Grad Erwärmung genauer zu untersuchen und aufzuschreiben. Das Ergebnis ist der neue IPCC-Bericht. Hier die wichtigsten Ergebnisse – und die Schlussfolgerungen daraus.

Was bisher in puncto Klimawandel geschehen ist  – und was noch passieren wird

Die Erde hat sich durch menschliche Aktivitäten im Vergleich zu der Zeit vor der Industrialisierung um ein Grad erwärmt. Die Natur und wir Menschen sind davon betroffen. Ökosysteme haben sich bereits wegen dieser Erhitzung verändert.

Eines der wichtigsten Ergebnisse des Berichts ist jedoch, dass die Folgen der Erwärmung bei zwei Grad viel schwerwiegender sein werden als bei 1,5 Grad. Bei zwei Grad Erwärmung ist es deutlich wahrscheinlicher, dass es zu diesen Konsequenzen kommt:

  • Dürren und extrem geringe Niederschlagsmengen,
  • Starkniederschläge auf der Nordhalbkugel,
  • Überschwemmungen,
  • Waldbrände,
  • Ausbreitung von invasiven Arten,
  • Rückgang der Ernten von Mais, Weizen und Reis.

Auch der Meeresspiegel würde bei einer Erwärmung um 1,5 Grad in diesem Jahrhundert zehn Zentimeter geringer ansteigen als bei zwei Grad. Das klingt erstmal wenig, bedeutet jedoch, dass zehn Millionen Menschen weniger den Gefahren des steigenden Meeresspiegels ausgesetzt wären. Die 1,5-Grad-Grenze wird also Leben retten. Ein langsamerer Anstieg erlaubt es den Gesellschaften und Ökosystemen, sich besser an die Veränderungen anzupassen.

Was können – und müssen – wir jetzt tun?

Das Wichtigste zuerst: Es ist noch nicht zu spät! Wir können die Erhitzung um mehr als 1,5 Grad noch verhindern. Dafür müssen wir unsere Emissionen, die momentan bei ungefähr 40 Gigatonnen pro Jahr liegen, in den nächsten Jahrzehnten drastisch zurückfahren – bis auf null bis zur Mitte des Jahrhunderts.

Da ein paar Emissionen auch in den besten Welten übrigbleiben werden, müssen diese in Böden, unter der Erde oder in Pflanzen gespeichert werden. Der IPCC-Klimabericht sagt, dass wir auf jeden Fall Aufforstung betreiben müssen, um überschüssiges CO2 zu speichern. Der BUND ist überzeugt, dass der Schutz von Ökosystemen wie Wäldern, Mooren und Auen an erster Stelle stehen muss. Neben dem Ausstieg aus fossilen Energiequellen natürlich.

Auch muss es darum gehen, Flächen zu renaturieren. Wobei das Anpflanzen von Monokulturen keine angemessene Antwort auf die Klimakrise sein kann! Vielmehr sollten wir unseren Energie-, Ressourcen- und Flächenverbrauch absolut reduzieren. Das Thema Wachstum darf nicht länger ein blinder Fleck der Klimawissenschaft und -politik sein. Denn je mehr unsere Volkswirtschaften und Verbräuche wachsen, desto stärker steigen auch die CO2-Emissionen an. Suffizienz ist hier die passende Antwort.

Nach dem Erfolg gegen die Abholzung des Hambacher Walds und der starken gesellschaftlichen Unterstützung für Klimaschutz wird der BUND die Bundesregierung weiter unter Druck setzen, Klimaschutz in allen Bereichen zu verankern und die 1,5-Grad-Grenze zur verbindlichen Leitschnur aller Politikbereiche zu machen. Denn nur so ist ein gutes Leben für alle in Zeiten der globalen Erhitzung denkbar.

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