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Das EU-Parlament muss die vorgeschlagenen Kriterien für hormonelle Schadstoffe ablehnen

05. Juli 2017 | Chemie

Die EU-Kommission hat neue Kriterien definiert, die in Zukunft für die Identifizierung hormoneller Schadstoffe (EDC) in Europa verwendet werden sollen. Der Schutz vor diesen Stoffen würde dadurch erheblich geschwächt. Die Vertreter*innen der Mitgliedstaaten im EU-Pestizidausschuss haben die Kriterien dennoch am 4. Juli akzeptiert. Jetzt ist das EU-Parlament gefragt, die Vorschläge abzulehnen.

Moleküle. Foto: allispossible.org.uk / DNA Molecule display, Oxford University / CC BY 2.0 / flickr.com

Die Kriterien der EU-Kommission für hormo­nelle Schadstof­fe sind völlig unzureichend, denn sie senken das Schutzniveau für die menschliche Gesund­heit und die Um­welt.

Gemeinsam mit weiteren Um­weltorga­ni­sa­tionen in ganz Europa fordert der BUND das EU-Parlament deshalb auf, die neuen Regeln abzuleh­nen. Zudem muss die deutsche Bundesregierung endlich umdenken und umfangreiche nationale Maßnahmen zum Schutz von Bevölkerung und Umwelt ergreifen.

Mehr Krankheiten durch Hormongifte wahr­schein­lich

Mit den neuen Kriterien könnten viele Hormongifte einfach "wegdefiniert" werden und damit ungeregelt bleiben. Das "Stoppt-Hormongifte-Bündnis" von BUND, Umweltinstitut München, Coordination gegen Bayer Gefahren, Sum Of Us, Women Engage for a Common Future (WECF), PAN Germany und HEJSupport kritisiert im Einzelnen folgende Punkte:

  • Die Beweislast ist zu hoch und macht die Identifizierung von Stoffen als hormonell wirksam sehr schwierig oder gar unmöglich und zusätzlich unnötig langwierig.
  • Die Ausnahmeregelungen für bestimmte Pestizide und Biozide, die gezielt hormonell wirken sollen, ist nicht vereinbar mit den Zielen der EU-Pestizid- und Biozidgesetzgebung.
  • Die Kriterien widersprechen den EU-Verpflichtungen aus dem 7. Umweltaktionsprogramm, nach dem die Belastung von Mensch und Umwelt mit hormonellen Schadstoffen reduziert werden soll.

Treten die Kriterien der EU-Kommission tatsächlich in Kraft, wird es bei einem Anstieg der hormonbedingten Krankheiten wie z.B. Brustkrebs, Hodenkrebs, Diabetes oder Unfruchtbarkeit bleiben. Dies hat erhebliche Kosten für das öffentliche Gesundheitssystem und die Gesellschaft zur Folge: pro Jahr geschätzte 163 Milliarden Euro in der EU.

Wir brauchen eine Aktionsplan zum Schutz vor Hormongiften

Mittlerweile haben über 450.000 Menschen in ganz Europa (davon über 100.000 in Deutschland) eine Petition unterzeichnet, in der die Mitgliedstaaten aufgefordert werden, den Vorschlag der EU-Kommission abzulehnen. Das "Stoppt-Hormongifte-Bündnis" fordert die Bundesregierung deshalb auf, dem französischen Beispiel zu folgen und einen nationalen Aktionsplan zum Schutz vor Hormongiften zu verabschieden.

Er sollte umfangreiche Aufklärungsmaßnahmen für die Bevölkerung enthalten, vor allem für besonders betroffene Gruppen wie z.B. Schwangere. Hormongifte sollten in Produkten, wo immer möglich, auf nationaler Ebene verboten werden. Außerdem sollten Pestizide und Biozide, die EDCs enthalten, in Deutschland nicht erlaubt sein. Des Weiteren ist unabhängige Forschungsförderung zu EDCs dringend notwendig.

Petition "Hormongifte stoppen" unterzeichnen

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