Kreisgruppe WolfsburgExkursionsbericht „Geologische Exkursionen um Neuhaus“ am 05.07.2008Am Treffpunkt gab es eine kurze Einführung in die Gliederung der Erdzeitalter, der Erdgeschichte. Mit Blick auf das sich nördlich, Richtung Vorsfelde, erstreckende Aller-Urstromtal wurde die Formung der Landschaft während der Eiszeit besprochen. Eine Zeitreise in die ältere Vereisungs-Phase der Saale-Eiszeit, wo am Rand des Vorsfelder Werders eine etwa 300 m hohe Eiswand lang, veranschaulichte diese Spanne der Erdgeschichte. Die Teilnehmer spürten in ihrer Fantasie den eisigen Wind, dessen mitgeführte Sandpartikel wie ein Sandstrahlgebläse die Gesteine zu so genannten „Windkantern“ abschliffen.Am nächsten Haltepunkt an der Burg Neuhaus wurden die dort zum Bau verwendeten Gesteine betrachtet. Unschwer konnte man am Fuß der Mauer die hier anstehenden Sandsteine erkennen, die als gebrochene Steine in den Mauern verbaut wurden. Am so genannten Thingplatz in Neuhaus liegen 13 große Findlinge um einen zentralen Koloss im Kreis. Hier stellte sich die spannende Frage nach ihrer genauen Herkunft: „Hat sie das Eis aus Finnland, Schweden oder Norwegen oder vom Ostseeboden mitgebracht? Oder wurden sie nur ein vergleichsweise kürzeres Stück durch die norddeutsche Tiefebene geschleppt?“ Dr. Seibertz hatte zur Vorbereitung mit wissenschaftlicher Akribie die Gesteinsart eines jeden Findlings bestimmt. Da gab es vor allem unterschiedliche Ausprägungen des Granits, z.B. verschiedene Smaland-Granite, Revsund-Granite und Filipstad-Granite, dazu zwei unterschiedliche Gneise und einen uralten Sandstein. Für viele dieser Gesteine, so genannte Leitgeschiebe, kennt man das Ursprungsgebiet. Das Eintragen dieser Herkunftsgebiete in eine Karte führt dann zur Rekonstruktion der Gletscherströme, die diese Findlinge hergetragen haben. Ergebnis: Die am Thingplatz von Neuhaus aufgestellten Felsbrocken stammen überwiegend aus Mittel- und Südschweden. Von diesem Exkursionspunkt ging es zum Waldrand des Hehlinger Holzes und von dort zu den beeindruckenden Felstürmen des „Hohen Steins“. Dieser erhebt sich an der steilen Ostflanke des Hehlinger Bachtales. Keines der Täler in und um Wolfsburg ist so tief eingeschnitten und weist so steile Talhänge auf. Die hier, am VW-Bad und im Oststeil Hohenstein zutage tretenden Sandsteine wurden vor 177 Millionen Jahren in der mittleren Jurazeit gebildet. Am Rande eines Meeresbeckens lagerten von einer nördlich gelegenen Landmasse kommende Flüsse Sande ab, die später durch darüber abgelagerte Schichten zusammengepresst wurden und zu Sandstein verhärteten. Die wechselnde Richtung der Schrägschichtung in dem Sandstein spiegelt die durch Ebbe und Flut sowie durch unterschiedliche, klimatisch bedingte Wasser- und Sedimentführung der Flüsse sich verändernden Ablagerungsbedingungen wider. Hier endete die Exkursion mit einer Zeitreise in die Jurazeit: In die Zeit, in der am Rande eines Flachmeeres die Sande abgelagert wurden, während riesige Plesiosaurier auf Sandbänken dösten. Dr. Ekbert Seibertz hatte den interessierten Teilnehmern fachlich kompetent und doch auf anschauliche Art und Weise einen Einblick in die Landschaftsgeschichte eröffnet. Dafür wurde ihm herzlich gedankt. Der interessante Exkursionsführer mit Abbildungen, Karten und Texten ist noch in einigen Exemplaren im Naturschutzzentrum erhältlich. Dies ist ein für am Wolfsburger Raum geologisch Interessierte ein “Muss“ (Öffnungszeiten: Mo-Mi 9.00-11.00; Do 15.00-18.30 Uhr). |
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