Wollen Sie verordnen, bis 2012 müssen alle Heizungspumpen ausgetauscht werden?
Die aus unserer Sicht kritikwürdige Abwrackprämie für Autos hatte ein Gutes: Man konnte sehen, was in relativ kurzer Zeit geht. Zunächst muss stärker über die Energiespartechniken informiert werden. Wenn es gleichzeitig Förderprogramme gäbe für Heizungspumpen oder Abwrackprämien für Strom fressende Haushaltsgeräte wie Kühlschränke, dann ginge es schneller. Das größte Sparpotenzial gibt es aber in der Industrie. Die Hälfte des Stroms wird dort für Elektromotoren benötigt. Da gibt es weder in Deutschland noch in der Europäischen Union Effizienzanforderungen. In den USA gibt es sie. Wir exportieren also hocheffiziente Pumpen in die USA, sind aber nicht in der Lage, sie hier bei uns zur Pflicht zu machen?
Union, FDP und SPD halten Kohle für die neue Brückentechnologie. Umweltbundesamt oder Sachverständigenrat für Umweltfragen sehen eine Rolle für Gas. Und Sie?
Unsere Vorstellungen liegen nahe an denen des Sachverständigenrats, der eine Stromversorgung bis 2050 zu 100 Prozent aus erneuerbaren Energien für möglich hält. Oder auch noch früher. Vor allem deshalb lehnen wir den Neubau von Kohlekraftwerken ab. Dezentrale Gaskraftwerke wird es übergangsweise wohl noch brauchen. Die sollten aber ökologisch optimiert werden, also auch die Wärme nutzen. Auch für Biogasanlagen ohne Kraft-Wärme-Kopplung darf es in Zukunft keine Genehmigungen mehr geben. Die Windkraft wird natürlich eine zentrale Rolle spielen. Jetzt gibt es endlich Chancen, Defizite in Süddeutschland zu überwinden. Baden-Württemberg hat eine neue Regierung und die CSU ist gerade dabei, ihre Blockade der erneuerbaren Energien aufzugeben. Wir fordern, ein bis zwei Prozent der Fläche als Vorranggebiete für erneuerbare Energien auszuweisen. Das ist weniger, als für den Abbau von Bodenschätzen vorgehalten wird. Das heißt nicht, dass dann überall Windmühlen stehen müssen. Unserer Erfahrung nach lassen sich zudem mögliche Konflikte leichter lösen, wenn die Bevölkerung von Anfang an in die Planung einbezogen und nicht von Investoren vor vollendete Tatsachen gestellt wird. Am besten läuft es, wenn sich die Bürger auch finanziell beteiligen können und die Erträge dann auch bei ihnen bleiben.
Bei der Debatte über Agrartreibstoffe sehen wir, dass es auch Schlechtes im Guten geben kann. Wo sehen Sie Zielkonflikte?
Solche Konflikte gibt es immer dann, wenn es nicht gelingt, in Zusammenhängen zu denken. Ein Beispiel dafür ist die Produktion von Agrartreibstoffen. Da gibt es Nutzungskonflikte zwischen der Lebens- und Futtermittelproduktion und dem Anbau von Energiepflanzen. Das wäre weniger problematisch, wenn kaltgepresste Öle produziert würden, die ohne weitere Verarbeitung für die Motoren von landwirtschaftlichen Maschinen geeignet sind. Möglich ist das über Mischfruchtanbausysteme. Da kann auf der gleichen Ackerfläche eine Nahrungsmittelpflanze, eine Ölpflanze und womöglich noch eine Leguminose als natürlicher Dünger anbaut werden. Die Produkte werden gemeinsam geerntet und dann getrennt weiterverarbeitet. Das erhöht die Biodiversität auf den Äckern und hilft der Energiewende. Das hat es in Deutschland auch schon mal gegeben, bis die Bundesregierung die Steuerbefreiung auf diese Pflanzenöle abgeschafft und die Beimischungsquoten für Agrartreibstoffe eingeführt hat. Auch beim Biogas gibt es Zielkonflikte. Dort ist vor allem die Fördergesetzgebung dafür verantwortlich, dass der Anbau nachwachsender Rohstoffe wie Mais stärker gefördert wird als der Einsatz von Reststoffen wie Gülle. Immerhin haben wir erreicht, dass der Einsatz von Reststoffen bessergestellt wurde. Daran sieht man, wenn die Fördervorgaben richtig ausgestaltet werden, sind ökologische Optimierungen möglich. So lassen sich auch Maiswüsten verhindern.
Inzwischen versucht der bayerische Umweltminister Markus Söder, die Umweltverbände links und rechts gleichzeitig zu überholen. Sind Sie überrascht?
Wir halten den von Umweltminister Markus Söder eingeleiteten Neuorientierungprozess in der CSU für eine gute Sache. Es ist nicht oft der Fall, dass es in der Politik zu einer derartigen Kehrtwende kommt. Wir unterstützen das.