Wir sind tief betroffen, weil in Japan 25 Jahre nach der bisher schlimmsten Atomkraftkatastrophe von Tschernobyl das sogenannte Restrisiko der AKW wieder zur realen Katastrophe wurde und Gesundheit, Leib und Leben hunderter Menschen davon betroffen sind oder betroffen sein werden. Deshalb verbindet uns auch die Schweigeminute mit der Bevölkerung Japans, die unter den Folgen von Erdbeben, Tsunami-Flutwellen und der Atomkraft-Katastrophe von Fukushima leidet. Wir sind erschüttert über die Bilder, die wir sehen, und können den Schmerz, das Leid und die Trauer der betroffenen Menschen erahnen.
Diese Katastrophe mahnt uns aber auch selbst, endlich die Hybris abzulegen von der Beherrschbarkeit der Atomenergie und endlich Schluss zu machen auch mit der sogenannten friedlichen Nutzung der Atomenergie. Denn das Restrisiko ist ein reales Risiko und ein Risiko, welches nicht nur theoretisch ist, wie das Bundesverwaltungsgericht bisher in seinen Urteilen unterstellt hat. Und damit übertrifft das reale alle zivilisatorischen Risiken. Denn die Folgen eines Gaus in Deutschland mit nach der Reaktorsicherheitsstudie gerechneten 14.000 Soforttoten und 100.000 späteren Todesfällen trägt nicht nur die jetzige Generation, sondern hunderter künftiger Generationen.
Deshalb braucht es keine Ethikkommission, um die Vertretbarkeit des Weiterbetriebs der AKW zu diskutieren. Denn diese Technologie ist ethisch nicht vertretbar, weil sie einhundert Prozent absolute Sicherheit geben müsste und dies von keiner Technik gegeben werden kann. Sie ist damit ein permanenter Verstoß gegen das Grundrecht auf körperliche Unversehrtheit und dies erst recht, nachdem bis heute kein einziges Gramm hochradioaktiver Abfall entsorgt ist. Und allein die Laufzeitverlängerungsbeschlüsse der Bundesregierung, den hochradioaktiven Atommüll in Deutschland noch einmal verdoppeln werden.
Wir müssen deshalb den Sofortausstieg durchsetzen, Vorrang der Sicherheit der Bevölkerung heißt Stilllegung aller AKW. Vorrang müssen endlich die Lebens- und Überlebensinteressen der Bürger vor den Gewinn und Machtinteressen der vier Atomkonzerne haben.
Wir haben keine Angst vor einer Stromlücke, weil es die nicht gibt, wenn wir
- keinen Strom mehr exportieren.
- Strom intelligent sparen. Allein dadurch lässt sich nach einer Studie des Wuppertaler Instituts 20 Prozent des Stromverbrauchs verringern. Es hat ja nichts mit Intelligenz zu tun, wenn wir allein für den Standby-Betrieb elektrischer Geräte in Deutschland die Strommenge von zwei bis drei AKW benötigen.
- die Kraft-Wärme-Kopplung endlich ausbaue.
- dezentrale Gaskraftwerke mit Kraft-Wärme-Kopplung realisieren.
- ein Sofortprogramme für den beschleunigten Ausbau erneuerbarer Energien starten, statt deren Ausbau durch drastische Kürzung der Förderung und durch Verweigerung von Qualitätsplanung, oder wie es beim Netzausbau derzeit inzwischen geschieht, durch Verweigerung der strategischen Umweltprüfung oder der Verpflichtung zur Verkabelung in sensiblen Landschaften zu blockieren.
Wie glaubwürdig ist eine Bundesregierung, welche noch vor einem halben Jahr acht AKW für die nächsten acht Jahre als unverzichtbar erklärt hat, wenn diese jetzt ohne Gefährdung der Versorgungssicherheit gleichzeitig vom Netz genommen werden können.
Nicht wir Umweltverbände sind die Blockierer einer Energiewende, sondern diejenigen
- welche durch Laufzeitverlängerung oder durch Kohlekraftwerkszubau die Leitungen für die erneuerbare Energie verstopfen.
- welche trotz der Genehmigung von mehr als 20 Windparks in der Nordsee dies nicht bauen.
- welche seit Jahren ein Energieeffizienzgesetz blockieren.
- welche statt dezentraler Strukturen zentrale Strukturen mit allen Mitteln durchzusetzen versuchen.
- welche die Laufzeitverlängerung der AKW beschließen und damit die Wirtschaftlichkeit des Ausbaus der erneuerbaren Energieträger gefährden.
Wir haben keine Angst vor einer nicht vorhandenen Stromlücke, weil es die nicht gibt. In einem Jahr werden wir Deutschen mehr Strom aus erneuerbaren Energien erzeugen als alle AKW zusammen. Und gleichzeitig dadurch 300.000 Arbeitsplätze und damit zehnmal so viel Arbeitskräfte wie in AKW sichern.
Aber wir haben Angst vor der Stromversorgungslüge und der Hybris und der Geldgier der Konzerne, die in den Hinterzimmern des Bundeskanzleramtes ihren Stromdeal mit Laufzeitverlängerung ausgehandelt haben, der ihnen über 100 Milliarden Euro Zusatzgewinn bringen sollte.
Denn wir oder kommende Generationen sollen dafür zahlen – und deshalb stehen wir hier und wir werden auch nicht lockerlassen, weil wir dieses Spiel durchschaut haben und wissen, Atomstrom rettet nicht das Klima, sondern gefährdet uns alle existentiell.
Und deshalb müssen wir aus der Atomtechnik aussteigen, bevor wir durch sie zum Ausstieg aus unserem Lebensraum gezwungen werden.
Endgültig abschalten statt aussetzen und aussitzen ist unsere Forderung.