Vorgestellt – Thorben Becker

Porträtaufnahme Thorben Becker
Thorben Becker, BUND-Energiereferent

Thorben Becker ist Energiereferent und Leiter des Klimaschutzteams in der Bundesgeschäftsstelle des BUND in Berlin. Der studierte Jurist koordinierte vor zehn Jahren seine erste Klimakampagne, damals für die BUNDjugend. Thorben Becker war jahrelang in der Anti-Atom-Bewegung aktiv. Zuletzt arbeitete er in Wien als Umweltjurist und Atomexperte für die österreichische Umweltschutzorganisation GLOBAL 2000, den Partner des BUND im Netzwerk von "Friends of the Earth".

Muss, wer sich mit der mächtigen Energiewirtschaft und ihren vielen Freunden auf politischer Ebene anlegt, besonders energisch sein?

Man muss schon feste Prinzipien haben und überzeugt sein von dem, was man macht, und auch andere überzeugen können. Und es ist wichtig, sich von der scheinbaren Übermacht der Verbindung von Politik und Konzernen nicht entmutigen zu lassen.

Ob die Sicherheit der AKW, die CO2-Abscheidung in Kohlekraftwerken oder die Potenziale erneuerbarer Energien: Über die Zukunft unserer Energieversorgung streitet ein Heer von Experten – mit einem Wust von technischen Details und nicht selten widersprüchlichen Daten. Wie finden Sie sich da zurecht?

Mit der Zeit lernt man zu unterscheiden, wer beispielsweise welche Studien in Auftrag gegeben hat und welche Studien seriös sind. Dabei hilft einem im BUND auch der Facharbeitskreis. Er vereinigt viel Kompetenz und steht mir beratend zur Seite, was die Arbeit enorm erleichtert. Meine juristischen Vorkenntnisse sind mir bei vielen gesetzgeberischen Fragen hilfreich, und technisches Wissen habe ich mir im Laufe der Jahre angeeignet. Mitunter ist es von Vorteil, kein "Fachidiot" zu sein: Viele Prozesse laufen leider nicht so, wie sich das Physiker erträumen, gerade in der Energiewirtschaft nicht. Da spielen Macht und Durchsetzungsfähigkeit eine sehr große Rolle.

Die Diskussion über der Ausbau bestimmter Energiequellen reicht tief hinein in die Umwelt­verbände. Wie hat der BUND zu einer einheitlichen Linie etwa bei Wind- und Wasserkraft gefunden?

Indem er lange darüber diskutiert hat und die verschiedenen Sichtweisen sinnvoll zusammengeführt hat. Das ist eine spannende Abwägung für einen Umweltverband: auf der einen Seite der Umbau des Energiesystems, das Gebot des Klimaschutzes, die erneuerbaren Energien massiv auszubauen; und dann der Umwelt- und Naturschutz, der bestimmte Grenzen setzt. Es ist wichtig zu zeigen, dass der Ausbau der erneuerbaren Energien funktioniert, wenn wir bestimmte ökologische Kriterien beachten. Gerade in diesem Schnittfeld hat der BUND eine sehr wichtige Funktion.

Als BUND-Experte rufen Sie dazu auf, Energie zu sparen und möglichst effizient einzusetzen, den richtigen Stromversorger auszusuchen usw. Was hat das mit Energiepolitik zu tun?

Der Einfluss jedes einzelnen ist nicht zu unterschätzen. Wenn sich Leute wirklich massenhaft von bestimmten Energiekonzernen trennen, hat das sehr wohl einen Einfluss auf deren Unternehmenspolitik. Und jeder einzelne kann dazu beitragen, die Energieverschwendung zu stoppen und nebenbei seinen Geldbeutel zu entlasten. Ganz ohne privates Engagement wird uns die Energiewende nicht gelingen.

Wie weit wirkt Ihr berufliches Engagement in private Entscheidungen hinein? Entsorgen Sie alle paar Monate Ihren alten Kühlschrank, um das jeweils sparsamste Modell zu besitzen?

Nein, das wäre wenig sinnvoll, da würde sich die kurze Lebensdauer des Kühlschrankes zu negativ auf die Ökobilanz auswirken. Aber tatsächlich achte ich genau auf meinen Stromverbrauch. Und natürlich beziehe ich Ökostrom, da sollten Reden und Handeln schon zusammenpassen. Ich muss aber zugeben, dass in einer Schreibtischlampe daheim noch keine Energiesparlampe steckt; die wird aber möglichst wenig benutzt.

Das Interview führte BUND-Mitarbeiterin Friederike Otto im März 2010.



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