Viele Ortschaften in Deutschland leiden unter zu hohem Pkw- und Lkw-Verkehr und damit verbunden unter Lärm und Abgasen in ihren Zentren. Bürgermeister und Anwohner von Ortschaften und Kleinstädten an Bundesstraßen verlangen deshalb von ihren Bundestagsabgeordeten und dem Bundesverkehrsminister, eine Ortsumfahrung zu bauen.
Ortsumfahrungen entpuppen sich als Scheinlösung mit Vorteilen für Wenige
Die Argumente für Ortsumfahrungen lauten meistens: Durch Umfahrungen werden die Ortsdurchfahrten maßgeblich vom hohen Verkehrsaufkommen entlastet, die Anwohner vor Lärm und Schadstoffen geschützt und die Lebensqualität im Ort erhöht, da die trennende Wirkung von Ortsdurchfahrten entfällt. Zusätzlich sollen sie die Verkehrssicherheit verbessern.
Sinnvoll sind Ortsumfahrungen erst ab einer Verkehrsbelastung von über 5.000 Autos pro 24 Stunden und, wenn der Verkehr in der alten Ortsdurchfahrt durch planerische Maßnahmen um die Hälfte verringert werden kann. Das gelingt nur, wenn der Durchgangsverkehrsanteil sehr hoch ist. Von den 635 Ortsumfahrungsprojekten mit vordringlichen Bedarf von 2003 haben aber nur 159 laut Bundesverkehrsministerium eine hohe Entlastungswirkung. Das entspricht 25 Prozent dieser Projekte. Über 300 Umfahrungen wurden aber seither gebaut oder sind im Bau.
Oft zerschneiden diese Neubaumaßnahmen Naherholungsgebiete und wertvolle Naturräume. Zudem wird die Verkehrssicherheit nicht wirklich verbessert: Weniger Unfällen in der alten Ortsdurchfahrt stehen schwerere Unfälle auf der Ortsumfahrung gegenüber. Dazu kommt: Meist wird die alte Ortsdurchfahrt nicht umgebaut, um etwa mehr Platz für Fußgänger und Radfahrer zu schaffen. Was sollte also getan werden?
Lösungsvorschläge des BUND
- Der Durchgangsverkehr einschließlich Lkw-Anteil sowie die Lärm- und Schadstoffbelastung muss jeweils mit Zahlen und Fakten belegt werden. Ein kommunales Verkehrskonzept mit Lösungen für den Binnenverkehr muss vorliegen.
- Investitionsmittel sollten auf die wirksamen Fälle konzentriert werden. Ortsumfahrung sollten also nur umgesetzt werden, wenn die Maßnahmen das Verkehrsaufkommen in der Ortsdurchfahrt um die Hälfte reduzieren können.
- Ortsumgehungen sollten durch umwelt- und stadtverträgliche Lösungen ersetzt werden. Diese könnten nach dem Wittstocker Modell aus den Fernstraßenmitteln des Bundes finanziert werden.
Übersichtkarte mit geplanten Ortsumfahrungen