Feste Fehmarnbeltquerung verletzt Naturschutzrecht

Animation der geplanten Festen Fehmarnbeltquerung. Quelle: Fehmarnbelt Development Joint Venture.
Animation der geplanten Festen Fehmarnbeltquerung. Quelle: Fehmarnbelt Development Joint Venture.

Bereits seit Jahrzehnten wurde der Bau einer festen Querung des Fehmarnbelts entlang der sogenannten Vogelfluglinie zwischen Puttgarden auf der Insel Fehmarn und dem dänischen Roedby diskutiert. Verkehrsplaner halten diese Stelle für einen Engpass im transeuropäischen Verkehrsnetz.

Die rund 19 Kilometer lange Brücke soll ausgestattet werden mit einer vierspurigen Autobahn und einer zweispurigen Eisenbahnstrecke. Rund fünf Milliarden Euro wird der Bau kosten. Dazu kommen Kosten für den Ausbau der sogenannten Vorlaufstrecken auf deutscher und dänischer Seite.

Im September 2008 unterzeichneten Deutschland und Dänemark den Staatsvertrag über den Bau der festen Fehmarnbeltquerung. Dänemark verpflichtet sich darin zur Errichtung, zum Bau und zur Finanzierung des Querungsbauwerkes. Beide Staaten sind zuständig für den Ausbau der Hinterlandanbindungen. Das bedeutet für Deutschland vor allem: Ausbau der Bundesstraße 207 zwischen Heiligenhafen und Puttgarden.

BUND klagt bei der Europäischen Kommission

Ende 2009 wurde der Staatsvertrag ratifiziert und damit rechtskräftig. 2012 sollen die Bauarbeiten beginnen und 2018 die ersten Autos rollen. Der BUND hat bei der Europäischen Kommission Beschwerde gegen den Bau eingereicht. Der Staatsvertrag verletzt europäisches Naturschutzrecht:

  • Es hat keine strategische Umweltprüfung stattgefunden. Dabei wurde dieses Instrument extra geschaffen, um auch Grundsatzentscheidungen unter Beteiligung der Öffentlichkeit auf ihre Umweltverträglichkeit hin zu untersuchen.
  • Es wird gegen drei wichtige Umweltrichtlinien verstoßen (Vogelschutz, Habitatschutz, Meeresschutz).

Kritik des BUND:

  • Unrealistische Verkehrsprognosen: Basis für die Planungen ist die Annahme, dass sich der Pkw-Verkehr zwischen 1998 und 2010 verdreifacht – vor allem durch den Tourismus. Dies ist allerdings mehr als unwahrscheinlich.
  • Negative Umweltauswirkungen: Ein Brückenbauwerk über die gesamte Länge einer Meeresenge stellt für Vögel ein erhebliches Hindernis dar. Vogelschlag und Zerschneidung von Nahrungs- und Rastgebieten wurden beispielsweise bereits bei der benachbarten Fehmarnsundbrücke und der Öresundbrücke nachgewiesen.
  • Finanzierung unsicher: Die Brücke soll eigentlich privat finanziert werden. Allerdings reichen die Einnahmen aus der Maut und dem Eisenbahnbetrieb dafür nicht aus. Ohne erhebliche öffentliche Gelder ist das Projekt nicht finanzierbar.
  • Geringe Arbeitsplatzeffekte: Die Brücke soll ökonomische Impulse in der Region setzen und vor allem Arbeitsplätze schaffen. Aber selbst in der Machbarkeitsstudie werden nur geringe Effekte erwartet. Eine Ansiedlung von Unternehmen entlang der Route ist kaum zu erwarten. In den nahen Ballungsräumen Kopenhagen und Hamburg finden sie bessere Standortbedingungen.

Alternative: Ausbau statt Neubau

Der BUND schlägt alternativ den Ausbau bestehender Verkehrswege, die Instandsetzung der Bahnverbindungen und ein optimiertes Fährkonzept vor. Durch eine Optimierung und stärkere Vernetzung vorhandener Verkehrsträger wäre es möglich, mit deutlich geringeren Kosten die künftigen Verkehrsströme im südlichen Ostseeraum zu bewältigen.



Der BUND stellt besonders kritische Straßenbau- projekte vor.

Rotstift streciht unsinige Fernstraßenprojekte.

BUND-Streichliste unsinniger und teurer Fernstraßenprojekte.

So soll die feste Fehmarnbeltquerung aussehen. Quelle: Fehmarnbelt Development Joint Venture, zum Vergößern auf das Bild klicken

Der BUND hat bei der Europäischen Union Beschwerde gegen den Bau der festen Fehmarnbeltquerung eingereicht: das Bauwerk verletzt das Naturschutzrecht.

Schwarzbuch Fernstraßenbau

Titel des BUND-Schwarzbuches, zum Vergrößern auf das Bild klicken

Der BUND hat 2004 eine umfassende Analyse der deutschen Straßenbau- planung vorgelegt. Konkrete Beispiele zeigen die Sinnlosigkeit vieler Bauvorhaben und mögliche Alternativen.

BUND-Schwarzbuch herunterladen

Studie Jobmaschine Straßenbau

Titel der Studie "Jobmaschine Straßenbau", zum Vergrößern auf das Bild klicken

Mehr Jobs durch Straßenbau in Ostdeutschland? Die Studie kommt zu einem anderen Ergebnis: Die bessere Erreich- barkeit hat negative Folgen für die regionalwirtschaftliche Entwicklung.

Studie unter www.gruener-aufbau-ost.de

Suche