Ein erschreckendes Bild der deutschen Waldwirtschaft

Im Spessart wurden wertvolle Höhlenbäume beseitigt, Foto: Bund Naturschutz
Wertvoller Höhlenbaum gefällt
Riesige Polter mit ökologisch wertvollem Alt- und Totholz mit Bruthöhlen des Körnerbocks (Rote Liste 1 Art) in der Kernzone des Biosphärenreservats Schorfheide-Chorin, Foto: Dr. Andreas Steiner
Riesige Polter mit Bruthöhlen des Körnerbocks (Rote Liste 1)

Die Fallstudien beinhalten etwa 50 Eingriffe, die gegen geltende Gesetze und Vorschriften verstoßen beziehungsweise aus naturschutzfachlicher Sicht massiv zu kritisieren sind. Die häufigsten Verstöße sind Kahlschläge, die in 11 der 15 Fallstudien vorkamen. Sechs dieser Kahlschläge wurden mit Verkehrssicherungspflichten begründet. In zwei Drittel der Fallstudien wurden Verstöße gegen die FFH- beziehungsweise SPA-Richtlinie festgestellt. In mehr als der Hälfte der Fälle wurden Biotopbäume verbotenerweise gefällt. In drei Fällen wurde dabei auch die Brut beziehungsweise Nachzucht von besonders geschützten Arten zerstört. Eine größere Bedeutung hatten außerdem überstarke Eingriffe in die Altbaumausstattung sowie Bodenschäden durch Holz-Erntemaschinen.

Im Naturschutzgebiet Klüdener Pax-Wanneweh wurden Wohn- und Brutstätten der elf im Gebiet nachgewiesenen Fledermausarten und verschiedener Vogelarten zerstört, Foto:Dr. Joachim Müller
Brutstätten zerstört
Sommertalwald bei Meersburg nach dem Kahlschlag, welcher mit Verkehrssicherung begründet wurde, Foto: Gerhard Maluck
Verkehrssicherungs-Kahlschlag
Komplett beseitigter Traufebereich eines Buchen-Eichenwaldstücks in ehemaligen Truppenübungsplatz Wentorfer Lohe, Foto: Klaus Tormählen
Traufebereich beseitigt

Die Studie zeichnet damit ein erschreckendes Bild der deutschen Waldwirtschaft in den öffentlichen Wäldern diverser Bundesländer. Eines der bemerkenswertesten Ergebnisse ist, dass die in der Fallstudie kritisierten Eingriffe von verantwortlicher Seite vielfach nicht als kritikwürdig beziehungsweise nicht als Verstoß gegen Vorschriften betrachtet werden. Weiterhin ist auffällig, wie oft die Verkehrssicherungspflicht als Deckmantel für massive Eingriffe missbraucht wird.

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