Kurzumtriebsplantagen: Chancen und Risiken

Titelbild der Publikation "Kurzumtriebsplantagen für die Energieholzgewinnung – Chancen und Risiken –"

Zunehmend werden schnell wachsende Gehölze wie Weiden und Pappeln genutzt, um Hackschnitzel oder Holzpellets für Heizungen zu gewinnen. Der Anbau geschieht in "Kurzumtriebsplantagen". Ihr Status war lange strittig: Sind sie Acker oder Wald? Der BUND hat dazu nun Position bezogen.

Kurzumtriebsplantagen im Wald – etwa nach Windwurf – werden abgelehnt, auch das neue Bundeswaldgesetz stuft diese eindeutig nicht mehr als Wald ein.

Den landwirtschaftlichen Anbau sieht der BUND differenziert. Vor allem im Vergleich zum Energiemais weist der Kurzumtrieb mit längerer Bodenruhe und Bodenbedeckung auch Vorteile auf. In Streifen gepflanzt könnten die Gehölze sogar zur Anreicherung ausgeräumter Agrarlandschaften beitragen. Neben Ausschlussflächen nennt der BUND erstmals fachliche Anforderungen für solche Plantagen.

Hintergrund

Im Zuge der Biomasseproduktion zur Energiegewinnung sind vermehrt Kurzumtriebsplantagen, kurz KUP, im Gespräch. Dabei handelt es sich um das Anpflanzen schnell wachsender Bäume und Sträucher. Aus ihnen sollen innerhalb kürzester Zeiträume große Mengen an Holzbiomasse gewonnen werden. Besonders geeignet hierfür sind Pappeln, Weiden und Robinien, da sie vor allem im Jugendstadium zu hoher Wachstumsleistung neigen. Die Energiegewinnung durch nachwachsende Rohstoffe wie Gehölze, Raps und Mais gilt als CO2- bzw. klimaneutral. Gegenüber anderen Energiepflanzen benötigen Kurzumtriebsplantagen relativ geringen Energieinput. Bisher sind solche Plantagen in Deutschland außer zu Versuchszwecken noch nicht weit verbreitet. Allerdings planen einige Energieunternehmen den großflächigen Anbau.

Ernte einer Kurzumtriebsplantagen bei Finsterwalde in Brandenburg. Foto: BUND. Zum Vergrößern auf das Bild klicken.
Ernte einer Kurzumtriebsplantagen bei Finsterwalde in Brandenburg. Foto: BUND

Wie aber ist dieses Verfahren aus dem Blickwinkel des Naturschutzes zu bewerten und wo birgt der Anbau von Kurztriebspflanzen Gefahren für unsere Natur?

Gegenüber den anderen Energiepflanzen und der Landwirtschaft verfügen die KUP über einige Vorteile. Der Boden wird weniger beansprucht, Düngemittel werden in geringerem Maße eingesetzt und der Artenreichtum ist gegenüber intensiv genutzten Flächen erhöht. Dennoch bringen sie zum Teil schwerwiegende Risiken mit sich. Der Wasserverbrauch ist immens, was vor allem in niederschlagsarmen Regionen zu einem erheblichen Absinken des Grundwasserspiegels führen kann. Für umliegende Feuchtgebiete und das Artenspektrum können damit schwerwiegende Folgen verbunden sein. Deswegen sind Pufferzonen zu angrenzenden Habitaten und ordentliche Randstrukturen wie breite Hecken von großer Bedeutung. Durch das Anlegen großflächiger Monokulturen werden grundsätzlich das Landschaftsbild und die Artenvielfalt negativ beeinflusst. Kurzumtriebsplantagen werden eher von Allerweltsarten besiedelt, die keinen besonderen Schutzstatus genießen. Wertgebende Arten sind kaum vertreten.

Wenn es nun künftig vermehrt zum Anbau solcher Plantagen kommt, sind demnach dringend einige Anforderungen einzuhalten. Prinzipiell sollte auf den Umbruch von hochwertigem Grünland, Feucht- und Waldwiesen unbedingt verzichtet werden. Um dem nachzukommen wäre das Festlegen von Vorrangs- und Tabuflächen ein wichtiger Schritt. Weiterhin sind kleine und strukturreiche Flächen mit unterschiedlicher Artenzusammensetzung und Altersstruktur der angepflanzten Bäume für den Erhalt der Artenvielfalt unerlässlich. Grundsätzlich sollte auf den Einsatz von Dünge- und Pflanzenschutzmittel verzichtet oder dieser weitestgehend reduziert werden. Bei der Auswahl der Bepflanzung muss außerdem einheimischen Arten der Vorrang gegeben werden.

Mehr Informationen

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