"Weißt du was ein Wald ist? Ist ein Wald etwa nur zehntausend Klafter Holz? Oder ist er eine grüne Menschenfreude? Bertold Brecht
Wald ist nicht nur eine grüne Menschenfreude, wie Bertold Brecht es nennt. Wald ist existentielle Daseinsgrundlage und Daseinsvorsorge. Für unser tägliches Trinkwasser. Für den Schutz unseres Lebensraumes. Für ein lebenswertes Land. Und für die Tiere, Pilze und Pflanzen, die in ihm leben. "Gemeinwohlleistungen" lautet der Begriff, der die vielfältigen Leistungen der Wälder zusammengefasst.
Wald liefert auch einen wertvollen Rohstoff: Holz. Es wächst Jahr für Jahr in den Wäldern Deutschlands. Umweltfreundlich. Ohne Abgasbelastung. Ohne menschliches Zutun. Nur mit Solarantrieb. Ohne Verbrauch von Energie aus Atom- oder Kohlekraftwerken.
Wald kann aber auch ein letztes Stück Wildnis sein, unberührte Natur. Wald lebt, ohne dass sich der Mensch in seine inneren Angelegenheiten einmischen müsste. Wald organisiert sich selbst. Allenfalls der Rahmen muss stimmen. Oder besser gesagt, er sollte vom Menschen nicht verändert werden. Ob Anbau von Monokulturen, waldfeindliche Trophäenjagd oder Klimaveränderung – meist ist es der Mensch, der das gut organisierte Ökosystem Wald durcheinander bringt.
Doch auch Wälder, in denen Holz geerntet wird, können wertvolle Naturräume sein, wenn dies auf ökologisch verträgliche und nachhaltige Weise geschieht. Hier ist die Gesellschaft gefragt, ihre Prioritäten zu überdenken und sich für zukunftsfähige Lösungen stark zu machen.
Dann wird es Aufgabe der Forstleute sein, gemeinsam mit den Naturschutzverbänden Wege zu suchen, um die früheren Fehlentwicklungen wieder zu korrigieren und neue drohende Fehlentwicklungen wie den Einzug industrieller Produktionsmethoden in den Wald zu verhindern. Es werden intelligente und einfühlsame Lösungen nötig sein, um den Ausgleich zwischen den Gemeinwohlleistungen und der Holzernte zu finden. Die bisherigen Konzepte der naturnahen oder naturgemäßen Waldbewirtschaftung müssen dafür weiter entwickelt werden.
Klar ist, dass der öffentliche Waldbesitz zu aller erst gefordert ist, wenn es um die Erfüllung der Gemeinwohlleistungen geht. Hier gilt der Grundsatz, dass öffentliche Wälder vorbildhaft im Sinne der Gemeinwohlfunktion bewirtschaftet werden müssen. Welche Rolle der Privatwald bei der Bereitstellung von Gemeinwohlleistungen in der Zukunft spielen kann, muss in der Gesellschaft ausgehandelt werden. Bei einem Anteil des Privatwaldes von rund 44 Prozent wird auch dieser für Aufgaben der Daseinsvorsorge gebraucht werden.