Doch die Idylle wurde seit 1992 im Rahmen des "Aufbaus Ost" durch das "Verkehrsprojekt Deutsche Einheit Nr. 17", kurz VDE 17 genannt, bedroht. Die Wasserstraßen sollten von Hannover bis Berlin für sogenannte große Rheinschiffe bis 110m und Großschubverbände bis 185m Länge ausgebaut werden. Dabei sollte die gesamte Strecke auf 4m Tiefe ausgebaggert, die Ufer auf 50m und in Kurven auf 75m abgegraben und teilweise mit lebensfeindlichen Spundwänden bebaut werden. Die Planungen stützten sich dabei bis ins Jahr 2009 auf Verkehrsprognosen von 1995, die sich inzwischen längst als überholt erwiesen haben.
Verheerende Folgen für Natur und Umwelt abgewendet
Die Folgen wären katastrophal gewesen: Der Wasserhaushalt wäre nachhaltig gestört, Feuchtgebiete wie die Tiefwerder Wiesen in Spandau endgültig ausgetrocknet, große Teile des Röhrichbestands zerstört und die Wasserqualität stark beeinträchtigt worden. Durch die Vernichtung von Lebensräumen am Ufer und im Gewässer wären seltene Tierarten wie Biber und Fischotter für immer verschwunden.
Die Kampagne "Stopp Havelausbau"
Der BUND hat sich von Anfang an gegen dieses umweltfeindliche und sinnlose Vorhaben engagiert. Im November 2007 schließlich startete der BUND die Kampagne "Stopp Havelausbau! Flussretter zeigen Flagge", an der sich neben dem BUND auch alle größeren Umweltschutzverbände in Berlin und Brandenburg beteiligten. Über 20.000 Menschen aus Berlin und Brandenburg schlossen sich als Flussretter der Kampagne an.
Mit Erfolg: Im September 2009 fiel dann die Entscheidung des Bundesverkehrsministeriums, Havel, und Spree nicht mehr für den Begegnungsverkehr von Großmotorgüterschiffen auszubauen. Damit können wertvolle Uferregionen erhalten bleiben und ökologisch aufgewertet werden. Auch die Planungen für den umstrittenen Ausbau der Berliner Spree wurden bereits im April 2008 eingestellt – mit einer neuen Planung soll jetzt eine stadt- und naturverträgliche Lösung gefunden werden. Mit einer Klage der Brandenburger Umweltverbände konnte schließlich auch die Verbreiterung und Vertiefung des Sacrow-Paretzer Kanals auf ein Minimum reduziert und damit Hunderte von Uferbäumen gerettet werden.
Das BUND-Flussbüro
Alle Informationen zur Kampagne sowie weitere wichtige Hintergrundinfos zum Ausbau von Havel, Spree und anderen Flüssen finden Sie auf den Internetseiten des BUND Flussbüros: www.flussbuero.de