Ruhm von Kirchwerder und Co – Streuobstwiesen in Hamburg

Noch vor wenigen Jahrzehnten waren in Norddeutschland rund 700 Apfelsorten verbreitet und bekannt. Diese Vielfalt wurde jedoch ab den 50er Jahren des letzten Jahrhunderts durch Rodungen der alten hochstämmigen Obstsorten massiv reduziert. In Hamburg verschwanden daraufhin fast 90 Prozent der bis dahin traditionellen Obstwiesen – auch als eine Folge der damaligen Rodungsprämien.

Sortenvielfalt. Viele Körbe mit verschiedenen Apfelsorten. Foto: J. Mumme


Aktive des BUND Hamburg möchten diese Vielfalt wieder fördern, denn Streuobstwiesen sind besonders wertvolle Lebensräume für zahlreiche Pflanzen- und Tierarten. Bis zu 5.000 Arten finden dort ihr Zuhause, darunter seltene Orchideen, Fledermäuse, Siebenschläfer oder der Steinkauz. Daher legen die Aktiven Streuobstwiesen an, pflegen sie und unterstützen so die Wiederverbreitung der alten Obstsorten.

Rote, reife Äpfel am Baum, Foto: J. Mumme
Welche Apfelsorte ist das? Antworten können die Pomologen.

Für den Sortenerhalt ist es besonders wichtig, Wissen zu sichern. Aus diesem Grund veranstaltet der BUND Hamburg die Norddeutschen Apfeltage, gemeinsam mit dem Umwelthaus am Schüberg und dem Ammersbeker Bürgerverein von 1991. Die jährliche Veranstaltung wurde 2003 erstmals ausgerichtet und ist mittlerweile eine feste Institution, zu der jedes Mal mehrere tausend Besucher strömen.

In diesem Jahr starteten die Norddeutschen Apfeltage mit einer internationalen Fachtagung, auf der Pomologen, Experten für Obstarten, die verschiedensten Obstsorten – nicht nur Äpfel – bestimmten. Die Besucher konnten ihnen mitgebrachte eigene Sorten vorlegen, um zu erfahren, welche Sorten sie in ihrem Garten haben. Des Weiteren gab es eine Diskussion mit Fachleuten aus der Gentechnikgruppe des BUND über die Gefahren durch den Einsatz von Gentechnik im Obstbau.

Das diesjährige Apfelfest auf dem alten Gutshof in Ammersbek eröffnete Loki Schmidt, die Frau des Altbundeskanzlers, mit einem Grußwort. An beiden Tagen wurden rund 350 Apfel- und 70 Birnensorten präsentiert. Begleitet wurde das Fest von einem bunten Programm mit Musik und Märchenerzählern für die kleinen Gäste.

Äpfel vorhäckseln, Foto: J. Mumme
Äpfel vorhäckseln...
Ein kleines Mädchen hilft beim Saft pressen, Foto: J. Mumme
auspressen...
BUND-Aktive schenken frisch gepressten Apfelsaft aus, Foto: J. Mumme
und frischen Saft ausschenken.

Die Aktiven des BUND Hamburg boten den Besuchern an ihrem Stand frischen Apfelsaft von einer der Streuobstwiesen an. Sie pressten den leckeren Saft mit begeisterter Beteiligung von Kindern direkt vor Ort mit einer historischen Presse. Die Besucher konnten so die Vielfalt auch in geschmacklicher Hinsicht erfahren.

Mit einem Glas frisch gepressten Saft wurde belohnt, wer beim Apfelquiz den vorgelegten fünf Apfelsorten ihren Namen korrekt zuzuordnen wusste. Eine knifflige Aufgabe, wie sich zeigte. Denn den früher bekannten "Dithmarscher Paradiesapfel" oder den "Ruhm von Kirchwerder" kennen heute längst nicht mehr alle. Doch die Neugier war geweckt: Mehrere Interessierte entschlossen sich spontan, künftig bei der Hamburger BUND-Gruppe mitzumachen, die sich um die Pflege und den Erhalt der Streuobstwiesen kümmert.

Kontakt:

BUND-Landesverband Hamburg
Jürgen Mumme, Freiwilligenkoordinator
Tel.: 040 / 6 00 3 87 15
Mail: juergen.mumme@bund.net

www.bund-hamburg.bund.net
www.apfeltage.info



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