Buntes Treiben am Rieseberg: BUND-eigene Schafherde als Landschaftspfleger

Schwarze, weiße und braun gefleckte Schafe bahnen sich mit lautem Geblöke ihren Weg. Darunter mischen sich aufgeregte Kinderstimmen. Es ist "Almauftrieb". Die bunte Schafherde des BUND Helmstedt wird nach ihrer langen Winterpause wieder zu den Weiden getrieben. Auf ihren Weg von Rotenkamp zum Rieseberg werden die Mutterschafe und ihre Lämmer von vielen BUND-Freunden, großen wie kleinen, begleitet.

Almauftrieb der BUND-Schafe am Rieseberg 2010, Foto: Karl-Friedrich Weber u.a./BUND Helmstedt
Almauftrieb der BUND-Schafe am Rieseberg 2010

Im Stadtgebiet Königslutter am Elm, einem bewaldeten Höhenzug, liegt der 150 Meter hohe Rieseberg. Er ist bedeckt von einem etwa 150 Hektar großen Orchideenwald mit einem hohem Eichen-Buchen-Altholzanteil und naturnahen Waldstrukturen. Das Muschelkalkgestein des Berges war seit dem Mittelalter ein begehrter Rohstoff. So fand auch am Nordhang des Rieseberges ab jener Zeit intensiver Gesteinsabbau statt. Auf den trockenen, kalkhaltigen Erden der Steinbrüche haben sich wertvolle Kalkmagerrasen entwickeln können, die seit 30 Jahren vom BUND gepflegt werden. Das Gebiet ist Naturschutz- und FFH-Gebiet sowie Bestandteil des Naturparks Elm-Lappwald.

Schafe statt Maschinen

Der Wald war ursprünglich direkt von Äckern umgeben. Es gab eine scharfe Wald-Feld-Grenze. Die BUND-Kreisgruppe Helmstedt kaufte in den vergangenen zwei Jahrzehnten 15 Hektar Ackerflächen auf, die direkt an den Wald grenzen, und entwickelte sie ohne Initialbepflanzung oder Einsaat zu Grünland. Seit über zehn Jahren übernimmt die kleine Schafherde der BUND-Gruppe einen Teil der Biotoppflege. Die Herde besteht zur Zeit aus etwa 30 Muttertieren. Die  BUND-"Rasenmäher" beweiden besonders die Flächen, die maschinell nicht oder nur mit großem Verschleiß gepflegt werden könnten, wie die ehemaligen Steinbrüche. Die Schafe halten Büsche und Bäume in Schach, die sonst immer wieder mit zeitintensiven Arbeitseinsätzen zurückgeschnitten werden müssten. Aber auch die ehemaligen Ackerflächen des Riesebergs werden beweidet. Hier erfolgt in der Regel eine Mahd und anschließende extensive Nachbeweidung.

Die Schafherde stärkt sich, Foto: Karl-Friedrich Weber u.a./BUND Helmstedt
Die Schafherde stärkt sich

Orchideen ziehen Hummeln an, Foto: Karl-Friedrich Weber u.a./BUND Helmstedt
Orchideen ziehen Hummeln an

Landschaftspfleger machen Pause, Foto: Karl-Friedrich Weber u.a./BUND Helmstedt
Landschaftspfleger

Die Schafherde besteht zum Teil aus ostpreußischen Skudden, der kleinsten deutschen Schafrasse – eine vom Aussterben bedrohte Haustierrasse, die schon die Wikinger hielten. Sie können sommers wie winters im Freien gehalten werden. Der Hauptanteil der Herde besteht jedoch aus Mischlingen aus verschiedenen Schafrassen, wie Texel, Heidschnucke, Moorschnucke, und Merino – es ist eben eine bunt gemischte BUND-Herde. Die Tiere werden von Familie Weber im nahegelegenen Dorf Rotenkamp betreut. Da keine geeignete Winterweide vorhanden ist, sind die Schafe im Winter auf deren Hof anzutreffen. Überzählige Jungtiere werden jedes Jahr im November vermarktet. Geschlachtet wird auf Vorbestellung in einer Familienschlachterei vor Ort. So leisten die Käufer auch einen Beitrag zur Landschaftspflege und zur Erhaltung der Herde.

Immer mehr Arten bevölkern die Gegend

Der Einsatz der vierbeinigen "Rasenmäher" zeigt gute Erfolge. Bereits nach wenigen Jahren zeigte sich auf den ehemaligen flachgründigen Ackerflächen eine artenreiche Flora der Wiesen und Säume. Fünf Orchideenarten, wie Händelwurz, Purpurorchis, Bergkuckucksblume, Pyramidenhundswurz und Mannsknabenkraut, haben sich aus den benachbarten Wald- und Steinbruchflächen ausgebreitet. Die Besiedlung geht weiter – jährlich werden neue Arten entdeckt. Der Blütenreichtum dieser Kalkmagerrasen bietet vielen Insekten, wie Schmetterlingen und Heuschrecken einen Lebensraum.

Die Schafe im Winterquartier auf dem Hof in Rotenkamp, Foto: Karl-Friedrich Weber u.a./BUND Helmstedt
Wenn es kalt wird, leben alle zusammen auf dem Hof

Der "Almauftrieb" am letzten Aprilwochenende ist schon zu einer Tradition geworden. Jedes Jahr nehmen etwa zweihundert Besucher teil. Nach der Begleitung der Tiere auf ihre Weiden gibt es ein Picknick für Jung und Alt. Auch die regionale und die überörtliche Presse berichtet über den bunten Zug. So entsteht ein wirkungsvoller Werbeeffekt für die Naturschutzarbeit des BUND vor Ort.

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Kontakt

BUND-Kreisgruppe Helmstedt
Geschäftsstelle
An der Stadtkirche 2
38154 Königslutter
Tel.: 0 53 53 / 76 61
info@bund-helmstedt.de

Ansprechpartner vor Ort

Karl-Friedrich Weber
Tel.: 0 53 53 / 34 09
weber@bund-helmstedt.de



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