September 2008: Überwintern in der Brauerei – Fledermausschutz in Frankfurt (Oder)

Brauerei für Fledermäuse am Bahnhofsberg in Frankfurt/Oder
Die alte Ostquellbrauerei am Frankfurter Bahnhofsberg dient gut 2.000 Fledermäusen als Winterquartier.

Vor gut 20 Jahren machten Frankfurter Biologen eine aufregende Entdeckung: In den Ruinen der stillgelegten Ostquellbrauerei überwinterten Hunderte Fledermäuse. Braune Langohren, Wasserfledermäuse, Große Mausohren, Fransenfledermäuse – alles geschützte Arten. Die unterirdischen Gewölbe mit ihren unzähligen Rissen und Spalten hatten die Tiere angelockt. Mit viel Enthusiasmus schafften es die Frankfurter Naturschützer, den drohenden Abriss zu verhindern und die Brauerei unter gesetzlichen Schutz zu stellen. Die Fledermäuse konnten bleiben, doch sie blieben nicht lange ungestört.

Kinder entdeckten die Ruine als Abenteuerspielplatz, und Zigarettenschmuggler ließen dort ihre "heiße Ware" verschwinden. Wildernde Katzen lauerten den Fledermäusen vor ihren Ausfluglöchern auf und hatten so leichte Beute. Dank des engagierten und beständigen Einsatzes von Ehrenamtlichen des BUND Frankfurt (Oder) wie Norbert Bartel sowie der dortigen Arbeitsgruppe Artenschutz konnte die Ruine gesichert werden. Fenster wurden vergittert und Zäune gesetzt. Die Katzen wanderten ins Tierheim und die Schmuggler mussten sich andere Verstecke suchen. Ruhe zog ein. Und Ruhe ist sehr wichtig für einen guten Fledermaus-Winterplatz. So verbringen mittlerweile jedes Jahr um die 2.000 dieser faszinierenden Tiere hier unbehelligt ihren Winterschlaf.

Die Zwergfledermaus ist die meistverbreitete europäische Fledermausart. Foto: Wolfgang Willner
Die Zwergfledermaus ist die meistverbreitete europäische Fledermausart.
Kolonie Großer Mausohren; ein Drittel der in Frankfurt überwinternden Fledermäuse gehören zu dieser Art. Foto: de.wikipedia.org/Mnolf
Kolonie Großer Mausohren; ein Drittel der in Frankfurt überwinternden Fledermäuse gehören zu dieser Art.
Auch seltene Bechsteinfledermäuse überwintern in den Ruinen der alten Brauerei. Foto: Wolfgang Willner
Auch seltene Bechstein- fledermäuse überwintern in den Ruinen der alten Brauerei.

Was macht die alte Brauerei so attraktiv für Fledermäuse? Neben der Ungestörtheit bietet die Ruine ein günstiges Mikroklima. Unter dem Bahnhofsberg strömt Schichtenwasser zusammen und sorgt für ein feuchtes Klima, ein Umstand, der seinerzeit auch die Bierbrauer veranlasste, hierher zu ziehen. Die meisten Fledermausarten bevorzugen ebenfalls eine hohe Luftfeuchtigkeit, insbesondere während ihrer Winterruhe. Zudem sind die Temperaturen in den unterirdischen Gewölben stabil. Nur ausnahmsweise fällt das Thermometer unter den Gefrierpunkt.

Für die Großen Mausohren, einer sehr groß gewachsenen Fledermausart, ist die Ostquellbrauerei eines der wichtigsten Winterquartiere Mitteleuropas. Doch nicht nur die auch Riesenfledermäuse genannten Tiere kommen nach Frankfurt, die Zahl der übrigen Arten hat seit der Entdeckung des Quartiers ebenfalls ständig zugenommen. Gegenwärtig überwintern elf Fledermausarten in den Gewölben, darunter solche Raritäten wie Mopsfledermaus, Bechsteinfledermaus sowie Große und Kleine Bartfledermaus. In den Herbstmonaten bietet sich mit dem sogenannten "Schwärmen" ein beeindruckendes Naturschauspiel, wofür sich jedes Jahr mehr Frankfurter begeistern. Tausende Fledermäuse sind dann unterwegs, um das Gelände der alten Brauerei zu erkunden.

Jedes Jahr werden Fledermäuse in Netzen gefangen, um festzustellen, welche Schwärmaktivitäten in den Winterquartieren stattfinden. Die gefangenen Tiere werden bestimmt, gewogen und erhalten eine Armklammer mit Nummer drauf. Diese Aktivitäten finden jedes Jahr von August bis Ende Oktober im 14-tägigen Rhythmus in den unterirdischen Gewölberäumen statt. In den Winintermonaten werden die winterschlafenden Tiere gezählt, schwerzugängliche Quartierplätze werden teilweise ausgespiegelt.
Aufhängen der Netze, um die Tiere zu fangen und zu markieren. Mit Klick vergrößern.
Typisches Gewölbe der alten Brauerei. Mit Klick vergrößern.
Ausspiegeln eines schwerzugänglichen Winterquartiers. Mit Klick vergrößern.

Jedes Jahr fangen BUND-Aktive Fledermäuse in Netzen, um festzustellen, welche Schwärmaktivitäten in den Winterquartieren stattfinden. Die gefangenen Tiere werden bestimmt, gewogen und erhalten eine nummerierte Armklammer. Diese Aktivitäten finden jedes Jahr von August bis Ende Oktober im 14-tägigen Rhythmus in den unterirdischen Gewölberäumen statt. In den Wintermonaten zählen Ehrenamtlichen die winterschlafenden Tiere, schwerzugängliche Quartierplätze werden teilweise ausgespiegelt.

Die Ruine am Frankfurter Bahnhofsberg ist inzwischen eines der bedeutendsten Überwinterungsquartiere für Fledermäuse in ganz Deutschland. Mit dem Odertal als Leitlinie fliegen die Tiere von immer weiter heran, inzwischen sogar aus Polen und Tschechien. Anfang 2003 hat die Umweltstiftung Euronatur mit Unterstützung des Bundesamtes für Naturschutz das Gelände der Ostquellbrauerei in Frankfurt (Oder) erworben. Mittlerweile ist das Brauereigelände Naturschutzgebiet und als Teil des europäischen Netzwerkes Natura 2000 ein Schutzareal von europäischer Bedeutung.

Kontakt und Anmeldung zu Fledermaus-Exkursionen:

Norbert Bartel
Tel. 03 34 78 / 3 89 76,
info@uferloos.de



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