Haselnüsse sind lecker und gesund. Aber wer denkt schon beim Nüsse knacken daran, dass diese Frucht für das Überleben eines kleinen putzigen Nachtgeistes in unseren Wäldern wichtig ist? Die Hasel hat diesem Tier sogar seinen Namen gegeben – Haselmaus. Doch der zweite Teil des Namens ist eigentlich falsch – unsere Haselmaus ist keine Maus, sondern ein Schläfer (Bilch) und eng verwandt mit dem Siebenschläfer.
Die Haselmaus ist klein, scheu und hauptsächlich nachts in dichten Sträuchern unterwegs — also schwer zu beobachten. Deshalb wissen Biologen und Naturschützer sehr wenig darüber, wo sie in Deutschland zuhause ist. Es wird vermutet, dass der Haselmaus viel von ihrer Heimat verloren gegangen ist. Sie zählt daher zu den gefährdeten Tierarten und ist als europäisch geschützte Art im Anhang IV der FFH-Richtlinie aufgeführt.
Mit dem Projekt Nussjagd wollen Aktive des BUND Sachsen-Anhalt herausfinden, wo die Haselmaus überlebt hat und wie ihre Lebensbedingungen wieder verbessert werden können. Die Nussjagd-Projekte in Deutschland folgen der Großen Nussjagd in Sachsen 2004, die nach einer Anregung aus England für Deutschland entwickelt wurde. Später sind Nussjäger in anderen Bundesländern dazugekommen.
Wie funktioniert die Nussjagd?
Im Herbst, wenn sich die Haselmaus Winterspeck für den Winterschlaf anfressen muss, ist die Haselnuss ihre Lieblingsnahrung. Die Nüsse werden direkt auf dem Strauch gefressen. Dazu nagt die Haselmaus ein kleines Loch in die Haselnussschale. Wenn die aufgenagte, leere Nuss dann heruntergefallen ist, braucht man diese nur noch aufzusammeln. Das ist der Ansatz für die Nussjagd.
Kinder und Erwachsene gehen im möglichen Verbreitungsgebiet auf die Suche. In Wäldern, Feldgehölzen oder alten Hecken suchen Sie nach Haselnusssträuchern. Dort sammeln sie Haselnüsse. Anschließend sortieren sie die Nüsse nach den Nagespuren. Sind Nüsse dabei, von denen die Sammler denken, dass eine Haselmaus sie benagt hat, werden diese "Verdachtsfälle" gemeinsam mit einem "Jagdbericht" an den BUND eingeschickt. So können die BUND-Spezialisten die Nüsse kontrollieren und schrittweise die Verbreitungskarte der Haselmaus vervollständigen.
Bei einem vom BUND gemeinsam mit dem Biosphärenreservat Karstlandschaft Südharz organisierten Haselmaus-Wochenendcamp wurden nicht nur Nüsse gesucht, es wurden auch Bilchröhren kontrolliert. Zwar war keine Haselmaus zu beobachten, dafür hatte es sich der große Bruder, der Siebenschläfer, in einer der Röhren bequem gemacht. Dies motivierte alle, weitere Röhren zu bauen, 20 neue wurden ausgebracht. Auch bei vielen Projekttagen mit Kinder- und Jugendgruppen wurde gebastelt und der Wald mit den Bilchröhren für die Haselmaus "möbliert".
Jetzt im Winter schlafen die Haselmäuse tief und fest in einem kuscheligen Nest und werden erst im April wieder munter. Dann beginnt das nächste Haselmausjahr. Zunächst müssen sie bis zum Sommer mit Knospen, Blüten und Früchten vorlieb nehmen. Eine große Pflanzenvielfalt ist also ganz wichtig. In Wäldern, wo diese Vielfalt fehlt, kann sie nicht überleben.
Wenn die nächsten Haselnüsse reifen, werden wieder kleine und große Nussjäger auf die Suche nach den Spuren der kleinen Schlafmaus gehen. Nur wenn man weiß, wo die Haselmäuse leben, kann man ihnen helfen. Und was der Haselmaus hilft, ist auch gut für viele andere Tiere im Wald.