Schwimmende Kinderstube – Bruthilfe für Wasservögel auf dem Dondorfer See

Flussseeschwalben und andere Wasservögel, zum Brüten auf Sandbänke und Kiesflächen angewiesen, sind in Deutschland selten geworden. Seit Jahrzehnten sind sie mit deutlich abnehmenden Lebensräumen konfrontiert. Flussbegradigungen, Entwässerungen und die verstärkte Nutzung von Badeseen führen zu einem erheblichen Rückgang ihrer Brutplätze und somit ihrer Vorkommen.

Flussseeschwalben im Landeanflug, Foto: Horst Fest


Um das Fehlen geeigneter Brutstellen für Flussseeschwalben und andere Vögel zu kompensieren, installieren BUND-Aktive in vielen Gewässern künstliche Brutinseln und Brutflöße. Diese Bruthilfen sind auf dem freien Wasser verankert und werden von den Vögeln gerne angenommen. Ehrenamtliche der BUND-Gruppe Rhein-Sieg bauten so ein Brutfloß am Dondorfer See, nahe der Stadt Hennef.

Der Dondorfer See liegt inmitten des gleichnamigen Naturschutzgebietes, in dem über 50 Brutvogelarten, 21 Libellenarten und 6 Amphibienarten vorkommen. Viele von ihnen stehen auf der Roten Liste der gefährdeten Arten. Um für die rastenden Flussseeschwalben eine Möglichkeit zum Brüten zu schaffen, beschloss die BUND-Gruppe Rhein-Sieg ein Brutfloß zu bauen.

Nach umfangreicher Recherche entsprechender Expertise aus Österreich, Deutschland und der Schweiz konnte die konkrete Planung beginnen. Die Freiwilligen der BUND-Kreisgruppe setzten sich mit zahlreichen Fragen zu Physik und Werkstoffkunde auseinander und schlüpften kurzerhand in die Rolle gestandener Bauingenieure: Sie fertigten Auftriebskörper, Anker und Bojen an, fanden einen Montageplatz am See und planten den Transport über den See.

Fotoserie: Verbringung des Brutfloßes zum Ankerplatz, Verteilen des Kieses, Rohrhälften als Schattenspender, das fertige Floß. Fotos: BUND-Kreisgruppe Rhein-Sieg


Im August 2008 war es dann soweit: Die BUND-Aktiven montierten das 24 Quadratmeter große Floß am Ufer, ließen es zu Wasser, brachten es mit Unterstützung der DLRG-Gruppe aus Waldbröl an ein ruhiges Plätzchen mitten im Dondorfer See und befestigten es dort mit Hilfe einer Tauchergruppe aus Sankt Augustin.

Insgesamt 72 Auftriebkörper aus 60-Liter-Kunststoffkanistern wurden verbaut. Als Bruthilfe selbst dient eine fünf Zentimeter dicke Kiesschicht, die auf dem Boden des Floßes ausgebreitet ist. Eine Reling soll verhindern, dass die kleinen Jungvögel über Bord gehen und ertrinken. Gleichzeitig müssen Nestflüchter wie junge Entenküken das Floß durch geeignete Schlupflöcher verlassen können. Kleinere Aufbauten auf der Kiesschicht, beispielsweise halbierte Rohre, sorgen für Schatten und Regenschutz und dienen außerdem zur Strukturierung der Fläche. Letzteres ist wichtig für die Abgrenzung der Reviere und hilft darüber hinaus den Vögeln, auf der monotonen Kiesfläche ihre Nester wiederzufinden.

Fertiges Flussseeschwalbenbrutfloß auf dem Dondorfer See, Foto: Horst Fest


Nachdem die Aktiven die Montage des Floßes am Seeufer beendet hatten, mussten sie die 1,6 Meter Höhenunterschied  zwischen Montageplatz und Wasseroberfläche überwinden. Dazu konstruierten sie eine schräge Rampe aus Holz, auf der das Floß befestigt und zu Wasser gelassen wurde. Die DLRG half mit ihrem kräftigen Boot beim Transport zum Liegeplatz, wo Taucher den Anker befestigten.

Die BUND-Gruppe geht davon aus, dass bis zur Besiedlung durch Flussseeschwalben und andere Wasservögel, beispielsweise Lachmöwen, einige Zeit vergehen wird. Die Insel muss von den Tieren erst einmal entdeckt und als geeignete Brutstelle identifiziert werden.

Flussseeschwalbenjunges, Foto: Lukasz Lukasik / Wikipedia

Im ersten Sommer haben die ansässigen Kormorane und ein Grünfüßiges Teichhuhnpaar das Floß für sich entdeckt. Im zweiten Sommer rasteten sieben Flussuferläufer auf dem Floß. So bleibt zu hoffen, dass auch die Zielart, die Flussseeschwalbe, die Insel während des Vogelzuges bemerkt und für sich als Brutstelle entdecken wird. Dann könnte die Flussseeschwalbe auch jenseits der Küste wieder in größeren Zahlen als Brutvogel heimisch werden.

Kontakt

BUND-Kreisgruppe Rhein-Sieg
Horst Fest
Im Burghof 5
53773 Hennef-Weldergoven
Tel. 0 22 42 / 40 88
bund.hennef@bund-rsk.de
www.bund-rsk.de



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