Der BUND-Nationalpark-Check

Seit seiner Gründung versteht sich der BUND als Anwalt der Natur. Und seit der Gründung des ersten deutschen Nationalparks im Bayerischen Wald – der Bund Naturschutz (BUND in Bayern) war damals maßgeblich beteiligt – schlägt das Herz des BUND für die Nationalparks. Von 2008 bis 2011 porträtierte das BUNDmagazin in einer Serie alle 14 heimischen Nationalparks. Neben den wichtigsten Charakteristika und Schutzzielen galt das Augenmerk vor allem dem Verhältnis von Anspruch und Wirklichkeit: Halten die Nationalparks, was ihr Name verspricht? Von der Eifel bis ins Untere Odertal und vom Jasmund bis nach Berchtesgaden präsentierten sich unsere Premiumgebiete für die biologische Vielfalt in ganz unterschiedlicher Verfassung.

Nationalpark Jasmund, Blick auf den Königsstuhl, Foto: Michael Weigelt, NP-Verwaltung

Wo darf Natur wieder Natur sein?

Alle deutschen Nationalparks gelten bislang nach internationalem Maßstab als "Entwicklungsnationalparks". Sie befinden sich in einem Prozess der Renaturierung. Indem man Natur Natur sein lässt, sollen auf mindestens 75 Prozent ihrer Fläche ehemals genutzte Lebensräume (vor allem: Wälder) mittelfristig in einen wieder naturnahen Zustand übergehen, ungestört vom Menschen. Die Mitarbeiter der Parkverwaltungen begleiten und unterstützen diesen Prozess ganz überwiegend fachgerecht; doch vor politischer Einflussnahme durch wechselnde Landesregierungen sind sie nicht gefeit. Zuweilen weckt auch die Verwaltung selbst Zweifel, ob sie die herausragenden Schutzziele eines Nationalparks verinnerlicht hat – etwa wenn touristische Infrastruktur die Schutzgüter in den Hintergrund drängt. Einige Nationalparks werden von Besuchern schier erdrückt und können ihre Funktion als natürliche Rettungsinseln schon deshalb nur ansatzweise erfüllen. Einige der jüngeren Parks verfehlen zudem die international empfohlene Mindestgröße von 10.000 Hektar. Schließlich sind in den allermeisten Nationalparks bislang weit weniger als 75 Prozent der Fläche nutzungsfrei; oft fehlt sogar ein konkreter Zeitplan, um dieses international gültige Qualitätskriterium zu erfüllen.

In der Gesamtbilanz besonders negativ fielen das Untere Odertal und der Jasmund auf, positive Ausreißer waren Kellerwald und Hainich, das Hamburgische Wattenmeer oder der Bayerische Wald (ohne Erweiterungsgebiet).

Aktiv für die Nationalparks

In vielen deutschen Nationalparks hat der BUND die Gründungsphase eng begleitet, haben lokale BUND-Aktive für die Nationalparkidee geworben und ihre Gebietskenntnis beigesteuert. Ist ein Nationalpark erst einmal etabliert, wacht der BUND darüber, dass er im Einklang mit seinen Schutzzielen betreut und weiterentwickelt wird. Vor Ort engagieren sich die BUND-Aktiven vor allem in der Umweltbildung: Sie bringen Besuchern die Schätze der Nationalparks näher, informieren über die Entfaltung der Wildnisgebiete und begeistern für den Schutz ihrer vielfältigen Bewohner.

Dieses Anliegen teilen auch die vom BUND geführten Nationalpark-Häuser am Wattenmeer und im Harz, die Nationalpark-Läden des Bund Naturschutz im Bayerischen Wald, das interaktive Infomobil "Fagabundus" im Nationalpark Eifel oder – in naher Zukunft – das Wildkatzendorf am Rande des Nationalparks Hainich.

Die Nationalparks im BUNDmagazin

Vorab: Die folgenden Berichte sind zwischen 2008 und 2011 entstanden. Sie spiegeln die Situation in den Nationalparks zum Zeitpunkt der Recherche wider. Die meisten hier zitierten Daten sind dauerhaft gültig, und auch die genannten Konflikte bestehen – überwiegend – weiter. Das Daumen-Logo bezieht sich auf das Management der Parks, nicht auf die Parks selbst! (In Klammern der Erscheinungstermin im BUNDmagazin.)

Quelle: Pixman

Nationalpark Eifel (Februar 2008)

Quelle: Pixman

Nationalpark Harz (August 2009)

Quelle: Pixman

Nationalpark Jasmund (Februar 2010)

Quelle: Pixman

Nationalpark Müritz (August 2010)

Neue Nationalparks ausweisen

Deutschlands Nationalparks bedecken derzeit lediglich 0,54 Prozent der Landfläche. Vor allem große naturnahe Buchenwälder sind hierbei noch unterrepräsentiert. Für ihren Schutz trägt Deutschland eine besondere Verantwortung. Der BUND fordert folgende großräumig naturnahe Waldflächen als Nationalparks dauerhaft unter Schutz zu stellen und so für die Nachwelt zu erhalten:

• den Steigerwald in Franken

• einen Nationalpark in Ostwestfalen (Senne/Egge/Teutoburgerwald)

• einen Nationalpark in Baden-Württemberg

• einen Nationalpark in Rheinland-Pfalz (Zu den zentralen Forderungen des BUND RLP an die neue Landesregierung gehört es, die Ausweisung eines Nationalparks in Angriff zu nehmen.)

• einen Nationalpark im Thüringer Wald

Steigerwald, Junge Aktive des BUND in Bayern informieren sich über die Schätze des fränkischen Waldgebietes, Foto: Helge Bendl

Fahrtziel Natur

Die meisten deutschen Nationalparks sind sehr gut mit der Bahn zu erreichen. Tipps zur Anreise und zur Fortbewegung in den Schutzgebieten sowie Infos zu den Höhepunkten der Nationalparks bietet Ihnen Fahrtziel Natur. Diese Kooperation von BUND, NABU und VCD mit der Deutschen Bahn will unser Naturerbe durch die Förderung eines nachhaltigen Tourismus langfristig sichern.



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