Die Hannoversche Moorgeest – ungewisse Zukunft eines Naturschatzes

"Wir wollen Moor"

Der Schutz der Moore ist dem BUND seit Jahrzehnten ein besonderes Anliegen. Nach der Kampagne "Sei kein Torfkopp" Mitte 2010 brachten wir eine Kleine Anfrage zum Thema Moorschutz in den Bundestag ein. Umweltminister Röttgen hat seine Verantwortung für die Nationale Biodiversitätsstragie auf die Länder abgeschoben.

Im Zentrum der Aktion "Wir wollen Moor!" stand die Hannoversche Moorgest: Wollgras, so weit das Auge reicht, der Ruf der Sumpfohreule – Moore prägten einst weite Teile Norddeutschlands. Das ist lange vorbei, Moore wurden und werden entwässert um sie für Landwirtschaft und Torfabbau zu nutzen. Von ursprünglich rund 250.000 Hektar Moorfläche in Niedersachsen ist heute nur noch ein Zehntel übrig.

Mehr als 1.000 an Bundesumweltminister Röttgen versandte E-Mails und prominente UnterstützerInnen blieben nicht ungehört. Im März 2011 wurde der Pflege- und Entwicklungsplan für die Hannoversche Moorgeest vom Bundesumweltministerium und vom Bundesamt für Naturschutz für gut befunden. Es wurden lediglich moderate Nachforderungen gestellt. Zu diesen gehörte auch ein Teil von Flächen am Rande der Moore, die gar nicht mehr gekauft werden mussten. Dies war und ist fachlich auch geboten – die intensive landwirtschaftliche Nutzung bis zum Rand der Moore führt zum Nährstoffeintrag. Und entwertet damit sofort wieder alle Schutzmaßnahmen im Moor.

Naturschutz auf die lange Bank geschoben

Jetzt treibt der niedersächsische Landesumweltminister Sander quer und ist aus dem Bundesförderprogramm ausgestiegen. Damit entgeht dem Land Niedersachsen eine sichere Möglichkeit zur Naturschutzförderung und zur CO2 -Minderung. Zehn Jahre Zusammenarbeit zwischen Ehrenamtlichen und behördlichem Naturschutz werden entwertet. Nun will sich Minister Sander um eine EU-Förderung für ein Renaturierungsprojekt ohne Schutzzonen ums Moor bewerben. Mit dem Ausstieg aus dem Bundesförderprogramm tritt er in den riskanten Wettbewerb um knappe EU-Fördergelder ein. Der Ausgang dieser Bewerbung ist offen und die Bewilligung kann Jahre dauern. Niedersachsens Umweltminister Sander wechselt den Spatz in der Hand gegen den Spatz auf dem Dach.

Der BUND verfolgt das Thema weiter: Obwohl das Projektgebiet etwas kleiner ist als geplant, ist die Hannoversche Moorgeest weiterhin ein Gebiet von allererstem Rang für den Naturschutz und erfüllt weiterhin die Kriterien der Bundesförderung – Land und Region können dieses einzigartige Großprojekt nicht alleine tragen.

Spenden Sie jetzt online für mehr Moorschutz!

Bleiben Sie dran, unterstützen Sie uns weiter!

Von A wie Azurjungfer bis Z wie Ziegenmelker – die Hannoversche Moorgeest

Nur 15 Kilometer von Hannover entfernt liegt eines der letzten großen Moorgebiete Norddeutschlands: die Hannoversche Moorgeest. Sie bietet mit ihren vier Hochmooren Bissendorfer-, Otternhagener-, Schwarzes- und Helstorfermoor wertvollen Lebensraum für viele bedrohte Arten wie Kornweihe, Sumpfohreule oder den Moosbeeren-Bläuling. Libellen, z.B. Azurjungfern, sind hier genauso anzutreffen wie der seltene Ziegenmelker, eine gefährdete Nachtschwalbe.

Eine weitere Besonderheit: Das Moor besteht aus vier Teilmooren. Deshalb gibt es eine besonders hohe Lebensraumvielfalt und gute Voraussetzungen zur Wiederherstellung eines Biotopverbundes. Bereits seit den 70er Jahren engagiert sich hier die BUND-Gruppe "Faunistische Arbeitsgemeinschaft Moore" mit Pflegeeinsätzen und Aufklärungsarbeit.

Sumpfohreule, Foto: Heinz Tuschl/Naturfotoarchiv Willner, Bissendorfer Moor, Foto: R. Löhmer
In Deutschland gibt es nur noch einige wenige Brutpaare der Sumpfohreulen. Die Vögel benötigen offene, weitgehend baumlose Landschaften, sie brüten vor allem in Heiden und Mooren – wie der bedrohten Hannoverschen Moorgeest.

Das Zauberwort heißt "Wiedervernässung"

Die größte Gefahr für die Moore ist die Entwässerung, folglich ist die Wiedervernässung und die Stabilisierung eines höheren Wasserstandes der wichtigste Schritt. Nur so kann der Verbund zwischen den vier Teilmooren wiederhergestellt und das Moor langfristig gesichert werden.



Jetzt online BUND-Mitglied werden!, © www.photocase.com / mr nico
Jetzt online spenden, © istock.com/johnnorth

Jetzt Fan werden auf www.facebook.com/bund.bundesverband   Folgen Sie uns auch auf www.youtube.com/bundgermany   Folgen Sie uns auch auf www.twitter.com/BUND_net   Abonnieren Sie unseren RSS-Feed

Newsletter "Biodiversität"

Ihre Spende hilft.

Suche