Ob in Lebensmitteln, Verpackungen, Textilien, Düngemitteln, Autozubehör oder Kosmetika – Nanomaterialien werden bereits in zahlreichen Produkten des alltäglichen Gebrauchs eingesetzt. Dabei sind die Risiken noch nicht hinreichend erforscht. Bisher existieren noch keine verpflichtenden nanospezifischen Testverfahren, um die Sicherheit eines Produkts vor seiner Markteinführung zu überprüfen.
Während die Industrie Tatsachen schafft, hinkt die politische Regulierung hinterher. Nur die neue europäische Kosmetikverordnung macht bisher gesetzliche Vorgaben zum Umgang mit den besonderen Eigenschaften von Nanomaterialien. Diese tritt jedoch erst 2013 in Kraft. Andererseits wird die kommerzielle Nutzung der Nanotechnologie mit großen Summen öffentlicher Fördergelder vorangetrieben. Nur fünf Prozent der Gelder investiert Deutschland dabei in die Risikoforschung.
Langsam scheint jedoch das Bewusstsein für die Bedeutung des Themas zu wachsen:
Deutschland: Von der Bundesregierung wurde Ende 2006 mit der Nano-Kommission ein Dialog über die Nutzen und Risiken der Nanotechnologien angestoßen. Bis Anfang 2011 diskutierten dort VertreterInnen aus Wirtschaft, Forschung, Umwelt- und Verbraucherverbänden, Gewerkschaften, Behörden und Ministerien und erarbeiteten grundlegende Prinzipien eines verantwortungsvollen Umgangs mit Nanomatrialien. Auch der BUND war am Nano-Dialog beteiligt.
Europäische Union: Auf EU-Ebene finden im Rahmen von Gesetzgebungsprozessen derzeit intensive Auseinandersetzungen über einen sicheren Einsatz von Nanomaterialien statt. So werden Nanomaterialien ab 2013 im Rahmen der neuen europäischen Kosmetik-Verordnung strenger reguliert werden. Im Rahmen einer neuen Novel-Food-Verordnung sollte der Einsatz von Nanomaterialien in Lebensmitteln reguliert werden. Vorgesehen waren eine Zulassungs- und Kennzeichnungspflicht für Nanomaterialien. Die Verordnung scheiterte jedoch nach drei Jahren intensiver Verhandlungen am Widerstand einzelner EU-Mitlgiedstaaten im Ministerrat. Leider gehörte dabei auch das deutsche Wirtschaftsministerium zu den Blockierern.
International: Auf internationaler Ebene beschäftigt sich die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) innerhalb der 2006 gegründeten "Working Party on Manufactured Nanomaterials" mit Nanotechnologien. Zu ihren Tätigkeiten gehören u.a. die Beobachtung aktueller Entwicklungen, die Identifizierung des Forschungsstands und der Forschungslücken, die Prüfung bestehender Test-Guidelines für Nanomaterialien und der internationale Austausch über den aktuellen Stand der Risikoforschung.
Innerhalb eines unter dem Vorsitz der EU und der USA durchgeführten Projekts werden stellvertretend 14 Nanomaterialien getestet, bei denen man davon ausgeht, dass sie in Zukunft von kommerzieller Bedeutung sein werden. 2007 wurde mit der "Working Party on Nanotechnologies" eine zweite Gruppe aufgebaut, die sich mehr auf die Bereitstellung von Informationen für politische Debatten konzentriert.