Das vielleicht beliebteste Tier unserer heimischen Meere ist die Robbe. "Robbe" ist jedoch eigentlich ein Sammelbegriff für mehrere Arten, landläufig gemeint ist meist der Seehund. Dieser ist aber nicht die einzige Robbenart an unseren Küsten. Gerade zur Winterzeit macht eine nah verwandte Art von sich Reden: die Kegelrobbe. Sie bringt in diesen ungemütlichen Monaten ihre Jungen zur Welt. Ihre Wurfplätze liegen zwischen Sylt und Amrum, zwischen Borkum und Juist, auf Helgoland und bei der niederländischen Insel Terschelling. In der Ostsee ist diese Art durch die hohe Gewässerbelastung bis auf 1 Prozent ihrer Ursprungszahl zusammengebrochen.

- Kegelrobben-Mutter mit Nachwuchs

- Kegelrobben-Junges beim Säugen
Kegelrobben haben kegelförmig verjüngte Schnauzen, im Englischen werden sie auch Horsehead (Pferdekopf) genannt. Die beiden Geschlechter lassen sich gut unterscheiden. Die männlichen Tiere sind nicht nur an ihrem massiven Körper von bis zu 230 Zentimetern Länge und 310 Kilo Gewicht zu erkennen, sondern auch an einzelnen hellen Flecken auf dunklem Körpergrund. Umgekehrt weist der helle Körpergrund der weiblichen Tiere dunkle Flecken auf.
Die Jungtiere kommen mit einem flauschig weichen Fell zur Welt. Da die Tiere auch in Bereichen mit Packeis leben, bildet es dort eine optimale Tarnung. Während der nur gut zweiwöchigen Säugezeit erhalten die Jungen eine Milch mit 50-prozentigem Fettgehalt. 1,8 Kilo pro Tag nehmen sie so zu. Die Zunahme erfolgt hauptsächlich in die Breite. Wie kleine „Tönnchen“ liegen die zwei Wochen alten Jungtiere mit ihrer wärmenden Fettschicht am Strand. Oft sind sie alleine am Strand, während das Muttertier zum Fischfang im Meer unterwegs ist. Immer wieder passiert es, dass sie dann fälschlicherweise von Strandbesuchern als verlassen betrachtet werden. Kegelrobben können bis in eine Tiefe von 140 Meter und bis zu 20 Minuten tauchen. Nur ein- bis zweimal täglich kehrt die Mutter zum Säugen des Jungen an den Strand zurück.

- Kämpfende Kegelrobben-Männchen

- Kegelrobben bei der Paarung
Während dieser Wochen beginnen die Männchen bereits ihre Kämpfe um die Strandabschnitte und buhlen um die Weibchen. Sobald das Junge abgestillt ist, paart das Weibchen sich erneut. Danach folgt eine elfmonatige Tragezeit, bis der Zyklus erneut beginnt.
Die alleingelassene Jungrobbe zehrt nach der Entwöhnung noch ein paar Wochen von ihrem Fettpolster, wechselt ihr Fell und begibt sich erst dann zum ersten Fischfang in die Fluten. Bis zu diesem Zeitpunkt ist es notwendig, dass die Tiere ungestört an ihrem Geburtsstrand liegen können. Daher werden an stark besuchten Strandabschnitten, wo junge Kegelrobben liegen, die Besucher durch betreuende Naturschutzverbände umgelenkt und über den Robbenschutz informiert.
Mit verständnisvoller Akzeptanz können auch zukünftige Generationen Kegelrobben an unseren Stränden beobachten. Das BUND-Projektbüro Meeresschutz setzt sich daher unter anderem mit Öffentlichkeitsarbeit für den Schutz unserer heimischen Robbenpopulationen ein.
Stefan Menzel, Sprecher des BUND-Arbeitskreises Meer und Küste (Ansprechspartner für die Nordsee)