Schiffsemissionen: Schwefel & Co – an Land wäre es Sondermüll

Seitdem Ende des 18. Jahrhunderts die Umstellung von Segel- auf Dampfschifffahrt begann, blasen Schiffe große Mengen Schwefel, Stickoxide und Ruß in die Luft. Die heutigen Schiffsdieselmotoren werden meist mit Schweröl angetrieben. Dieses Öl ist ein Rückstand aus der Erdölverarbeitung und enthält großen Mengen von Schwefel.

Bei der Verbrennung entstehen Luftschadstoffe, Treibhausgase und Substanzen, die zum Abbau der Ozonschicht beitragen. Neben dem Treibhausgas CO<sub>2</sub> gelangen auch gesundheitsschädliche Stickoxide (NOx), Schwefeldioxid (SO2) und große Mengen Ruß in die Luft. Diese Stoffe, die an Land für sauren Regen verantwortlich sind, tragen im Meer, ebenso wie die Landwirtschaft, zur Eutrophierung bei. Gerade weit entfernt vom Festland und in den tropischen Gewässern mangelt es den Algen meist an Stickstoff. Man spricht auch von einer N-limitierung. Der zusätzliche Stickstoffeintrag führt hier zu einem unüblichen Algenwachstum. Das beeinträchtigt die auf klares Wasser angewiesenen Organismen wie Korallen.

Schiffsschornstein mit schwarzem Qualm, Foto: Romy1971 / www.pixelio.de

Die Luftschadstoffe schlagen sich auch im Küstenbereich und in den Häfen an Land nieder und können dort Umweltprobleme verursachen, die sich auf die menschliche Gesundheit und die natürliche Umwelt auswirken. Eine alarmierende Studie über die Luftschadstoffbelastung durch den Bau des Kreuzfahrtterminals in der Hafenstadt Hamburg prognostiziert massive Feinstaub-Grenzwertüberschreitungen während der Liegezeit der Ozeanriesen im Hamburger Hafenbereich. Verschiedene Ergebnisse internationaler Studien bestätigen die Dimension der Auswirkungen von Schiffsemissionen. Der öffentliche und politische Handlungsdruck hat sich verstärkt.

Doch sind regionale Lösungen nicht einfach umsetzbar, da die Seeschifffahrt ausschließlich internationalen Regularien der IMO (Internationale Maritime Organisation) unterworfen ist. Das trifft allerdings nur auf den Fahrzustand zu, nicht auf die Liegezeit. Die EU hat diese kleine Lücke entdeckt und eine EU-Richtlinie für die Liegezeit erlassen. Auf Grund dieser EU-Richtlinie dürfen seit dem 1.1.2010 Schiffe während der Liegezeit nur Schiffstreibstoffe mit 0,1 Prozent Schwefelgehalt verwenden. Oder alternativ landseitigen Strom aus der Steckdose beziehen.

Also – alles geregelt? Leider nein! Die Emissionen der Schiffe übersteigen immer noch die Grenzen der Standards an Land. In den Tankstellen an Land werden in Deutschland Dieselkraftstoffe mit einem Schwefelgehalt von maximal 10 ppm (höchstens 0,001 Prozent Schwefel) angeboten. Auf Schiffen wird ein 1.000-fach höherer Schwefelgehalt verwendet, der in vielbefahrenen Küstenregionen inzwischen zu sehr hohen Belastungen führt. In den Häfen liegt er zum Teil bei über 95 Prozent der Gesamtemissionen. Ab 2015 werden die Schiffstreibstoffe auf 0,1 Prozent Schwefelanteil auch während der Fahrzeit in der Nord- und Ostsee begrenzt sein. Das ist immer noch das 100-fache des für Landfahrzeuge Erlaubten. Der Schiffstreibstoff müsste an Land weiterhin in einer Sondermüllverbrennungsanlage entsorgt werden.

Untersuchungen der Weltgesundheitsorganisation (WHO) zeigen, dass Herz-Kreislauf-Erkrankungen sowie Schäden des Atemsystems in engem Zusammenhang mit Feinstäuben stehen. Die EU-Kommision machte die Feinstaubbelastung für 310.000 Todesfälle pro Jahr und die Verkürzung der allgemeinen Lebenserwartung um ein bis zwei Jahre verantwortlich. Nach einer Untersuchung der Europäischen Kommission erzeugen Schiffsemissionen etwa 20 bis 30 Prozent dieser so genannten sekundären anorganischen Partikel in den Küstengebieten und stellen damit neben den außerdem anfallenden Rußpartikeln eine enorme Belastung der Gesundheit der BewohnerInnen dar.

Der Schlüssel zur Reduzierung des Schwefelausstoßes ist die Senkung des Schwefelgehaltes im Treibstoff, denn der Feinstaub- und Schwefeloxid-Gehalt der Abgase ist abhängig vom Schwefelgehalt im Treibstoff.

Aber leider hat das keine Wirkung auf die emittierten Stickoxide. Auch der Ausstoß von flüchtigen Gasen und Ozon bleibt bei reduziertem Schwefelgehalt gleich hoch. Sie können nur mit Abgasreinigungssystemen herausgefiltert werden.

Stickoxide (NOx) können zu Reizungen der Augen und Atemwege sowie zu asthmatischen Reaktionen führen, Zellveränderungen hervorrufen und krebsfördernd wirken. Schiffe emittieren doppelt so viel NOx pro Tonnenkilometer wie ein Lkw. Der Stickoxidausstoß von Dieselmotoren ist unabhängig von der Reinheit des Treibstoffs und hängt mit dem Verbrennungsprozess im Motor zusammen. Die Reduzierung des NOx-Ausstoßes kann nur durch Filtertechniken oder durch Beeinflussung des Verbrennungsprozesses erfolgen.

Der BUND fordert:

  • weitere Reduktion der Schiffsemissionen
  • Abgasreinigungssysteme für Schiffe
  • Ausweisung von Nord- und Ostsee als ECA-Gebiet (Schwefel- und Stickoxid-Kontrollgebiet)
  • strikte Umsetzung der IMO-Richtlinie
  • weltweite Abschaffung von Schweröl als Schiffstreibstoff

 

 



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