Antifouling-Substanzen: Wenn weiblichen Schnecken ein Penis wächst

Unter "Biofouling" versteht man die Besiedlung von Objektoberflächen durch Wasserorganismen. Jeder feste Untergrund ist den Larven von Seepocken, Muscheln, Korallen, Seescheiden, Schwämmen und Algen äußerst willkommen und wird schleunigst besiedelt. Gerade für Schiffe ist das ein großes Problem, da sich dadurch Reibung und Gewicht erhöhen.

Der Kraftstoffverbrauch steigt, die Korrosion nimmt zu und die Manövrierfähigkeit der Schiffe verschlechtert sich. Die Beseitigung dieser Organismen ist ein beträchtlicher Kostenfaktor für die Schifffahrtindustrie. Aber auch alle anderen ausgebrachten Oberflächen, wie zum Beispiel die Fundamente von Offshore-Windrädern oder Hafenanlagen, kämpfen mit diesem Problem.

Bis heute versucht man es zu lösen, indem man die im Wasser befindlichen Oberflächen mit hochgiftigen Farben bestreicht, die vor allem Organo-Zinn-, Kupfer- und Organo-Stickstoff-Verbindungen enthalten. Die hochgiftigen Substanzen lösen sich langsam aus der Farbe und vergiften die angesiedelten Organismen. Sie sterben und fallen bestenfalls ab oder stellen zumindest das Wachstum ein. Natürlich müssen die giftigen Farben regelmäßig erneuert werden, damit sie ihre Wirksamkeit behalten.

Da viele dieser Substanzen ziemlich stabil sind, reichern sie sich in den vielbefahrenen Meeresregionen an. Dadurch schädigen diese Stoffe auch die anderen am Biofouling unbeteiligten Meeresorganismen. Besonders in die Kritik geraten ist hierbei das inzwischen verbotene TBT (Triubutylzinnhydrid). Es wirkt bei vielen Meeresschnecken wie ein Geschlechtshormon und führt zu Imposex: Den weiblichen Schnecken wächst dann ein überflüssiger Penis, der die Vermehrungsfähigkeit stark einschränkt. Die Wellhornschnecke in der Nordsee hat das an den Rand des Aussterbens gebracht.

Von der Natur lernen: Neue Ideen für das Antifouling

Inzwischen geht die Antifouling-Forschung aber neuen Ansätzen nach. Die Idee ist, erst gar keine Organismen sich ansiedeln zu lassen. Schließlich gibt es Vorbilder in der Natur, die eine Besiedlung erfolgreich mit natürlichen Abwehrstoffen verhindern. Gesunder Kelp (Laminarien) wird zum Beispiel kaum bewachsen. Auch viele Korallen und Cyanobakterien (Blaualgen) scheiden Substanzen aus, die ein Ansiedeln anderer Organismen verhindern.

Die Oberflächenstruktur hat ebenfalls Einfluss auf die Entscheidung der Seepockenlarve besiedeln oder nicht. Eine gerade erprobte Methode ist von der Haihaut abgeschaut worden. Aufgrund ihrer rauen Struktur bietet sie offensichtlich den Biofoulingorganismen keinen guten halt.

Ein anderer Ansatz ist, Oberflächen vor den auf der Suche befindlichen Larven zu verstecken. Viel Larven orientieren sich nämlich an von Bakterien oder anderen Organismen ausgeschiedenen Botenstoffen, die ihnen signalisieren "hier ist es schön". Es werden nun Möglichkeiten gesucht diese Stoffe zu maskieren, bzw. Substanzen zu finden die ein "hier ist es blöd" vermitteln.



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