Die Landwirtschaft beeinträchtigt das Ökosystem der Meere – auch wenn sie weit entfernt betrieben wird – auf direkte und indirekte Weise nachhaltig. Direkt wird das Meer durch Pestizide, die beim Pflanzenschutz zum Einsatz kommen und die über Flüsse oder Wind ins Meer eingetragen werden, geschädigt. Einmal im Meer, reichern sie sich in der Nahrungskette an und können gerade bei den größeren Räubern wie Meeressäugern oder Eisbären zu schwerwiegenden Gesundheitsproblemen führen.
Zum größten Problem ist inzwischen jedoch der indirekte Einfluss, die Überdüngung (Eutrophierung), geworden. Die auf Hochleistung getrimmte Landwirtschaft kommt ohne einen massiven Einsatz von Kunst- und Naturdünger, meist Gülle, nicht mehr aus. Sie enthalten die Nährstoffe Stickstoff (N), Phosphor (P) und Spurenelemente, die das Pflanzenwachstum fördern und an sich ungiftig sind. Problematisch wird ihr Einsatz erst, wenn diese Nährstoffe vom Regen in die Flüsse und von dort weiter ins Meer gespült werden.

- Algenblüte durch Eutrophierung, Foto: Stefan Menzel
Denn auch im Wasser fördern die Nährstoffe das Pflanzenwachstum. Im Unterschied zum Land gibt es hier jedoch viele Algen, die sehr schnell wachsen und sich explosionsartig vermehren können. Das kann sowohl in Seen und Flüssen als auch im Meer dazu führen, dass andere Wasserpflanzen überwuchert oder beschattet werden. Sie stellen aufgrund des Lichtmangels ihr Wachstum ein und sterben irgendwann ab.
Gerade im Meer, wo einzellige Algen den größten Teil der Pflanzenmasse stellen, ist dieser Effekt besonders deutlich. So hat die Zunahme der Eutrophierung zu einem deutlichen Rückgang der Seegrasbestände geführt. Früher erstreckten sich die Seegraswiesen bis in eine Tiefe von 30 Metern, heute sind es gerade einmal 10 Meter. Die Kelpwälder leiden ebenfalls unter der Beschattung. Aber auch für Tiere und Menschen können die Algenblüten schwerwiegende Folgen haben. Einige Algen und Flagellaten (tierische Einzeller) bilden giftige Neurotoxine, die sich in Fischen und Muscheln anreichern können und bei Verzehr schlimmstenfalls zu schweren Lähmungserscheinungen und zum Tod führen.
Für den Menschen harmlos dagegen sind Blüten der Alge Phaeocystis. Sie führen allerdings dazu, dass sich riesige, optisch wenig ansprechende Schaumberge an den Stränden auftürmen.
Das Hauptproblem entsteht jedoch erst später. Die abgestorbenen Algen sinken zum Grund und werden von Mikroorganismen abgebaut. Dieser Prozess verbraucht viel Sauerstoff, der anders als an Land hier schnell verbraucht ist. Fische können im Meer in der Regel – nicht immer – das Gebiet noch rechtzeitig verlassen. Allen anderen weniger mobilen Organismen bleibt dann jedoch schlicht die Luft weg. Große, dunkle, übel riechende Flächen ohne Leben bleiben zurück, die sogenannten anoxischen (sauerstofffreien) Zonen. Warme Wassertemperaturen und eine stabile Wasserschichtung begünstigen die Entstehung dieser Zonen. Seit den sechziger Jahren wird eine deutliche Zunahme dieses Phänomens in Nord- und Ostsee beobachtet. Inzwischen zählt ein Sechstel des Ostseegrunds zeitweise zu dieser Todeszone.
Gleichzeitig nimmt auch die Belastung mit Keimen im Wasser zu. Gerade für durch andere Schadstoffe schon geschwächte Tiere kann dies das Ende bedeuten.