Artgerecht? Noch ein weiter Weg...

Obwohl Tierschutz in Deutschland seit 2002 im Grundgesetz verankert ist, wird die Realität zunehmend von Tierfabriken bestimmt. Knapp 30 Millionen Schweine und über 50 Millionen Hühner und Puten, außerdem Millionen Rinder vegetieren in Anlagen vor sich hin, in denen sie aus Kostengründen auf engstem Raum gehalten werden. Eingesperrt in Käfige oder Kastenstände haben sie kaum Möglichkeit zur Bewegung. Kannibalismus und Federpicken führen eindringlich vor Augen, welchem Stress die Tiere ausgesetzt sind. Es werden alarmierend viele Medikamente – besonders Antibiotika – eingesetzt.

Seit 2006 sind Antibiotika als Leistungsförderer zwar verboten. Die Menge der eingesetzten Antibiotika ist in Regionen mit hoher Tierdichte wie Niedersachsen dennoch erheblich gestiegen. Kein Wunder: Zucht und Haltungsbedingungen setzen den Tieren derart zu, dass einzig Medikamente verhindern können, dass viele schon vor dem Schlachthof zu Grunde gehen.

Tierschutz-TÜV für Viehställe

Der BUND hat gemeinsam mit anderen Organisationen einen "Tierschutz-TÜV" auf den Weg gebracht, der vom Bundestag zumindest für Legehennen akzeptiert wurde. Der TÜV würde dafür sorgen, dass in Deutschland nur solche Ställe verkauft werden dürfen, die ein Mindestmaß an Tierschutz gewährleisten. Bauern hätten keine Nachteile, weil der TÜV bei den Stallbauunternehmen ansetzt. Doch die Bundesregierung tut nichts, um den Beschluss des Bundestages umzusetzen und fügt sich damit dem Willen der Geflügelindustrie, die den Tierschutz-TÜV ablehnt.

Verbraucher wollen Eier aus Freiland- und Bodenhaltung – und Fleisch von artgerecht gehaltenen Tieren

Seit im Jahr 2004 europaweit der Kennzeichnungs-Code auf jedem Ei eingeführt wurde, kaufen VerbraucherInnen in Deutschland zu 80 Prozent Eier aus alternativen Haltungen. Das Ei aus Käfighaltung ist zum Ladenhüter geworden.

Hühner in industrieller Käfighaltung, Quelle: de.wikipedia.org
Auch die seit 2007 in Deutschland vorgeschriebene Kleingruppenhal­tung bietet den Hennen nicht viel mehr Platz als die Käfighaltung.

Dennoch sitzen in Deutschland die meisten Legehennen noch immer im Käfig. Im Frühjahr 2007 wurde die von Rot-Grün beschlossene Abschaffung der tierquälerischen Käfighaltung von Verbraucherminister Seehofer rückgängig gemacht. Ein neues Etikett, die "Kleingruppenhaltung", soll den Verbrauchern artgerechte Haltung vorgaukeln. Tatsächlich ändert sich wenig. Zum bisherigen Platzangebot von der Größe eines DIN-A4-Blattes kommt ein postkartengroßes Stück hinzu. 90 Prozent der Bodenfläche bestehen nach wie vor aus Gitter, nur 10 Prozent müssen mit einer Scharrfläche ausgestattet sein.

Kleingruppenhaltung ist nicht besser als Käfighaltung

Aber auch mit ein paar Quadratzentimetern mehr werden Käfige nicht tiergerecht – sie bleiben Käfige und tragen den Eier-Code 3. Absatz finden die Käfigeier in verarbeiteten Lebensmitteln wie Backwaren, Nudeln und Eierlikör. Dort können sie versteckt werden, weil die Haltungsform der Tiere auf verarbeiteten Produkten nicht gekennzeichnet werden muss.

Der BUND fordert, dass Fleisch aus Massentierhaltung und Fertig-Produkte mit Käfigeiern ebenso leicht erkennbar sein müssen wie das Frühstücks-Ei mit der 3 aus Käfighaltung. Nur dann haben Bauernhöfe, die ihre Tiere besonderes artgerecht halten eine faire Chance am Markt und im Supermarktregal. Bilder von Tieren auf der Wiese dürfen nur auf Produkten abgebracht werden, die tatsächlich aus Weidehaltung stammen. Die bisherigen Kennzeichnungsregeln für tierische Lebensmittel führen Verbraucherinnen in die Irre, weil sie Idyll-Bilder auch auf Fleisch- und Eierwaren aus Massentierhaltung erlauben.

Tierfabriken boomen

Über 90 Prozent der Schweine in Deutschland verbringen ihr kurzes Leben in engen, dunklen Ställen fast ohne Bewegungs- und Beschäftigungsmöglichkeit. Harte Spaltenböden führen zu Klauenverletzungen. Der Boom von Massentieranlagen für Schweine, Masthühner und Puten stößt jedoch immer mehr auf den Widerstand der Landbevölkerung. Neben der tierquälerischen Haltung sind auch die Gülle und der Ammoniak-Gestank ein Problem. Es kommt unweigerlich zu Umweltproblemen und häufig zu starker Geruchsbelästigung. 95 Prozent aller Ammoniakemissionen in Deutschland stammen aus intensiver Tierhaltung. Die Bundesregierung hat sich im Rahmen des Klimaschutzes gegenüber der EU verpflichtet, die Ammoniakemissionen bis 2010 deutlich zu senken. Die Zielmarke wird jedoch massiv verfehlt, weil das Agrarministerium keine wirksamen Maßnahmen zur Eindämmung der Massentierhaltung getroffen hat. Vielmehr will sie die Intensivtierhaltung noch für den Export ausweiten.

Das tut der BUND

Der BUND bestärkt Bürger, gegen Massentierhaltungsanlagen Widerstand zu leisten. Dazu haben wir das Netzwerk "Bauernhöfe statt Agrarfabriken" gegründet, in dem sich Bürgerinitiativen austauschen und vernetzen und den Widerstand bündeln können.

Natürlich empfiehlt der BUND darüber hinaus, auf Fleisch aus Massentierhaltung zu verzichten und lieber weniger, aber dafür Öko- oder Neuland-Fleisch zu genießen. Der BUND ist Trägerverband von Neuland, einem Programm für besonders artgerechte Tierhaltung. Der BUND fordert die Förderung der artgerechten Tierhaltung, wie sie im Ökolandbau und bei Neuland praktiziert wird.

Der BUND engagiert sich in der Allianz für Tiere, die sich für die Verbesserung der Bedingungen in der Nutztierhaltung einsetzt. Die Allianz vergibt den Tierschutzförderpreis an besonders tierfreundliche Betriebe und setzt sich für die Einführung eines Stall-TÜVs ein.



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Broschüre: Agrarreform statt Massentierhaltung

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