So sollen wir mit den Direktzahlungen einen Teil des Einkommens der Bauern finanzieren und somit anteilig die Lohnkosten der Lieferanten der Ernährungsindustrie übernehmen. Das gegenwärtige System der Agrarförderung ist so eingerichtet, dass wir Investitionen in Massentierhaltungen und neue Fabriken wie Molkereien und Schlachthöfe mit Zuschüssen in Millionenhöhe finanzieren.
Ergänzend trägt der Steuerzahler die Folgekosten der intensiven Landwirtschaft: die Kosten für mit Nitrat, Phosphat und Chemie belastetes Wasser, die Gesundheitskosten infolge resistenter Keime aus der Massentierhaltung, die Kosten für den Verlust der biologischen Vielfalt und die sinkenden Leistungen unseres Ökosystems. Und wir zahlen nicht zuletzt Ausstellungen, Messeauftritte und Agrardiplomaten, die in anderen Ländern für deutsche Wurst und deutsches Milchpulver werben.
Die Bundesregierung unterstützt die Agrarindustrie nach Kräften. So wurden Umwelt- und Tierschutzstandards in Deutschland seit 2006 bereits vielfach gesenkt, die Genehmigung von Tierfabriken stark erleichtert und die Exportförderung im Haushalt des Agrarministeriums 2010 auf 10 Millionen Euro ausgeweitet.
Gentechnik und Massentierhaltung eindeutig kennzeichnen
Steuerzahler und Verbraucher sollen unterdessen unwissend bleiben: Obwohl der BUND gemeinsam mit anderen Umwelt-, Verbraucher- und Tierschutzverbänden seit langem fordert, dass Fleisch aus Massentierhaltung genauso leicht erkennbar wird wie das Ei mit der 3 aus Käfighaltung, sind transparente Kennzeichnungsregeln nicht in Sicht. Obwohl VerbraucherInnen mehrheitlich Agro-Gentechnik ablehnen, fehlt die Gentechnik-Kennzeichnung auf Milch, Fleisch und Eiern, die mit Hilfe von Gentech-Futter erzeugt wurden. Auch bei der Ampel-Kennzeichung, mit der VerbraucherInnen leichter Dickmacher bei Lebensmitteln hätten erkennen können, blieb die Politik bisher gegen den Willen der Verbraucher untätig. Brüssel und Berlin folgen vor allem den Interessen der exportorientierten Ernährungsindustrie. Das wollen wir ändern.