Industrielle Landwirtschaft: Wachstum statt Wohlfahrt

Vom Feld bis zum Teller sind mehrere Wirtschaftssektoren in der Lebensmittelkette aktiv. Vor den landwirtschaftlichen Betrieben stehen die Dünge- und Chemieindustrie, die möglichst viel an die Bauern verkaufen wollen. Nur Ökobauern sind für sie keine Kunden. Die Ernährungsindustrie nimmt den Bauern oder ihren Erzeugergemeinschaften die landwirtschaftlichen Rohstoffe ab. Der Handel, also Supermärkte und Discounter, kaufen frische und verarbeitete Lebensmittel von Großhändlern oder der Ernährungsindustrie ein und verkaufen sie weiter an uns KonsumentInnen.

In Deutschland beherrschen nur sechs Supermarktkonzerne rund 90 Prozent des Marktes für Lebensmittel. Sie können daher die Preise weitgehend diktieren und drücken den Lieferanten gegenüber oft die Preise in den Keller. Die zuliefernde Industrie gibt den Preisdruck an die Bauern weiter. Und die machen reihenweise die Hoftore zu, weil billig-billig mit bäuerlicher Landwirtschaft nicht machbar ist.

Bei uns sind Markt und Menschen satt – ein Drittel der Lebensmittel landet im Müll

Bäcker wirft Backwaren in den Müll, Foto: www.istockphoto.com

Eine besondere Rolle spielt die Ernährungsindustrie mit ihren Schlachthöfen und Molkereien. Diese sehen in Deutschland und Europa keine Wachstumschancen mehr: Die Menschen sind überwiegend satt, teils überernährt, und rund ein Drittel der Lebensmittel landen bei uns bereits im Müll. Wachsende Umsätze und Gewinne will die Industrie daher mit dem Export in Länder außerhalb der EU erzielen. Wenn mehr und intensiver produziert wird, profitieren auch die Industrien für Saatgut, Tierzucht, Futter- und Düngemittel sowie Pestizide. Angeblich wollen sie mit Gentechnik, mehr Massentierhaltung, mehr Dünger, mehr Pestiziden und wachsenden Exporten den Welthunger bekämpfen.

Mit billigem Fleisch und Milchpulver den Weltmarkt erobern

Auf dem Weltmarkt wartet aber niemand auf Schweinebraten aus Deutschland. Der Großteil der Menschen isst noch immer, was in ihren Regionen wächst. Dennoch wollen deutsche Ernährungskonzerne mit billigem Fleisch und Milchpulver den Weltmarkt erobern. Bereits jeden 5. Euro setzt die deutsche Ernährungsindustrie im Export außerhalb der EU um. Doch dabei gibt es ein Problem: Umweltgerechte Landwirtschaft mit hohen Tierschutzstandards ist zu Weltmarktpreisen nicht zu haben. Der EU-Rechnungshof sagt, dass schon Boden und Arbeit hier teurer sind als in anderen Exportnationen und der Weltmarkt daher keine Perspektive für die Landwirtschaft in Europa bietet. Qualitativ besondere Lebensmittel wie französische Käsespezialitäten können dagegen ohne Exportbeihilfen auf dem Weltmarkt bestehen, wenn auch nur in geringen Mengen.

Die EU unterläuft mit ihrer Agrar-Politik die eigenen Umweltziele

Klimawandel und Verlust der Artenvielfalt gehören heute zu den wichtigsten politischen Herausforderungen. Die Europäische Union hat sich zum Schutz des Klimas und zum Erhalt der biologischen Vielfalt hohe Ziele gesetzt: Bis 2020 soll die Landwirtschaft 10 Prozent ihrer Klimamissionen senken. Bis 2010 sollte der Verlust der Artenvielfalt gebremst werden.

Bisher steht die EU-Agrarpolitik jedoch nicht im Einklang mit den Umweltzielen, sondern sie fördert genau das Gegenteil. Mit der anstehenden Reform will die EU-Kommission jetzt Verbesserungen schaffen. Doch die Bundesregierung blockiert die Reform der Agrarpolitik nach 2013. Was steckt dahinter?

Der BUND informiert und macht mobil

Der BUND deckt auf, wie viel Millionen an Steuergeldern die Ernährungsindustrie für ihre Pläne einstreicht. Gemeinsam mit unseren BUNDgruppen und Bürgerinitiativen wehren wir uns gegen immer neue Megamastställe und Schlachthöfe. Mit unserem internationalen Netzwerk Friends of the Earth zeigen wir in Studien die verheerenden Auswirkungen von Sojaplantagen in Entwicklungsländern, die für die europäische Massentierhaltung ausgeweitet werden. Als politischer Umweltverband fordern wir von Brüssel und Berlin den Boom der Fleischproduktion zu stoppen statt zu subventionieren. Denn jedes Tier, für das ein neuer Stallplatz gebaut wird, geht rechnerisch in den Export außerhalb der EU. Die Gülle und die Umweltschäden der Überproduktion aber bleiben hier.



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