Die Bundesregierung scheint das Problem zu ignorieren. Im Biomasseaktionsplan will sie die stoffliche Verwertung gewaltig ausweiten, die Energiegewinnung aus nachwachsenden Rohstoffen ebenso. Das Landwirtschaftsministerium setzt gleichzeitig auf den Ausbau der Fleisch- und Milchproduktion für den Export. Mit jährlich 10 Millionen Euro und erst kürzlich neu entsandten Agrardiplomaten will Agrarministerin Ilse Aigner in Ländern außerhalb der EU die Grenzen öffnen für Tiefkühl-Fleisch und Milchpulver aus deutschen Landen.
Der BUND sieht darin eine unverantwortliche Mehrfachverplanung der deutschen Agrarfläche und der Anbaufläche in den Ländern des Südens. Schon heute liegt die Futterfläche für unsere Intensivtierhaltung zu einem Fünftel am Amazonas und in anderen Weltteilen und verdrängt dort Lebensmittelanbau und Artenvielfalt. Daher steht die Wachstumsideologie der Agrarindustrie und der Bundesregierung im glatten Widerspruch zu den Nachhaltigkeitszielen der Bundesregierung wie etwa dem Schutz der Biodiversität.
Fazit: Nicht Biogas ist der Feind der Vielfalt im Feld, sondern fehlende Umweltschutzregeln für die landwirtschaftliche Praxis.
Die Biogaserzeugung kann im Vergleich zu den anderen konventionell üblichen Investitionsvorhaben kurzfristig von Mais auf andere Rohstoffe umgestellt werden. Im Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) und in der Guten Fachlichen Praxis müssen verbindliche Fruchtfolgeabstände vorgegeben werden, so dass Mais höchstens alle drei Jahre auf einer Fläche wächst. Der Nawaro-Bonus muss abgesenkt werden und sollte nur bei einer Fruchtfolge von mindestens vier verschiedenen Feldfrüchten gewährt werden, um die Vorzüglichkeit von Reststoffen zu erhöhen. Gleichzeitig muss Biogas-Großprojekten, die auf Anbaubiomasse statt auf Reststoffen basieren, ein Riegel vorgeschoben werden.
Zudem brauchen wir eine Proteinstrategie mit dem Ziel, Import-Soja durch heimische Eiweißpflanzen zu ersetzen, wie das Europäische Parlament sie derzeit unter Beratung von FoEE und BUND diskutiert. Der BUND fordert dazu einen Anteil von 20 Prozent Eiweißpflanzen in der Fruchtfolge. Proteinpflanzen wie Ackerbohnen und Erbsen würden dann automatisch ein Mehr an Vielfalt auf die Äcker bringen – und dazu beitragen, den Regenwald zu schonen. Der Landschaftspflege-Bonus im EEG wird derzeit auch in Einzelfällen für den Maisanbau auf Naturschutzflächen gezahlt. Diese Praxis muss unverzüglich gestoppt werden.