Mehr Artenschutz in der Landwirtschaft

Kiebitz, Foto: © templermeister / PIXELIO
Der Kiebitz wird immer seltener. Schuld ist vor allem die intensive Landwirtschaft. © templermeister / PIXELIO

Die EU und Deutschland haben sich zum Ziel gesetzt, den Artenverlust bis 2010 zu bremsen. Erreicht wurde das Ziel allerdings nicht. Kein Wunder, denn Berlin und Brüssel setzen bisher auf die Steigerung der Überproduktion und eine Intensivierung der Landwirtschaft, die über 50 Prozent der Oberfläche Europas ausmacht.

Die Intensivlandwirtschaft aber lässt der Arten- und Biotopvielfalt keinen Raum. Um dem eigenen Ziel gerecht zu werden, müssen die Bundesregierung und die EU die Agrarpolitik und die Agrarsubventionen neu gestalten. Dazu besteht 2013 die Chance. Der BUND fordert, dass 10 Prozent der Fläche jedes Agrarbetriebes für den Artenschutz bereitgestellt werden müssen. Dies kann mit Hecken und Söllen, Blühstreifen oder kleinen Feuchtwiesen umgesetzt werden. Nur so kommen wir der flächendeckenden Vernetzung von Lebensräumen für bedrohte Arten und dem Erhalt der biologischen Vielfalt einen Schritt näher.

Die konventionelle Landwirtschaft ist eine der Hauptursachen für den Rückgang der Artenvielfalt. Die intensive Bodennutzung, der massive Einsatz von Pestiziden und Dünger, der sofortige Umbruch abgeernteter Felder, die Bodenverdichtung durch schwere Maschinen, immer weniger Hecken, Ackerrandstreifen und kleine Gewässer – all das macht vielen Arten schwer zu schaffen, z.B. dem Feldhamster, der inzwischen in ganz Europa vom Aussterben bedroht ist.

Dazu kommt, dass es in der landwirtschaftlichen Produktion selbst nur noch eine begrenzte Anzahl an Pflanzensorten und Tierrassen gibt, 1.000 der 6.400 Nutztierrassen sind bereits ausgestorben. Besonders deutsche Zuchtunternehmen bieten stattdessen "moderne" Hochleistungsrassen an, die eigens für die industrielle Massentierhaltung gezüchtet wurden.

Artenschutz rechnet sich

Foto: Riedenburger Brauerei
Im 20. Jahrhundert nahezu ausgestorben, wurde Einkorn erfolgreich aus den letzten verbliebenen Samen angebaut. Inzwischen gibt es Nudeln, Brot und Bier aus Einkorn.

Oft wird Artenschutz in der Landwirtschaft als Hemmschuh für eine gute wirtschaftliche Entwicklung angesehen. Die Praxis zeigt jedoch, dass das nicht stimmt. Zwei Beispiele: Brauereien in Deutschland setzen erfolgreich Dinkel, Emmer und Einkorn zum Brauen ein – und zahlen den Bauern dafür gute Preise. Und das Schwäbisch-Hällische Schwein, bis vor wenigen Jahren fast ausgestorben, wird inzwischen erfolgreich verkauft, während herkömmliche Schweinemäster kaum Gewinne erwirtschaften.

Manches bedeutet für die Landwirte tatsächlich Mehrarbeit und rechnet sich nicht unmittelbar. Dazu gehören Hecken und Windschutzpflanzungen. Sie sorgen für Abwechslung in der Landschaft und sind daher entscheidende "Artenschutzinseln" in der Agrarwüste. Dennoch gibt es sie nur noch selten, weil sie z. B. beim Einsatz großer Maschinen stören. Der BUND fordert deshalb, dass Betriebe, die durch ihre Wirtschaftsweise oder durch Landschaftspflege Arten erhalten, für ihre Leistungen entlohnt werden. Und dafür müssen Agrar-Umweltprogramme wieder finanziell aufgestockt werden.



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