Stromkonzerne behaupten: „Wir können nicht gleichzeitig aus der Atomkraft und der Kohleverstromung aussteigen.“
BUND: Der Atomausstieg und die deutschen Klimaschutzziele passen zusammen.
Das haben auch Studien im Auftrag der Bundesregierung ergeben, die im Vorfeld des letzten Energiegipfels erstellt wurden. Die erneuerbaren Energien haben bisher in jedem Jahr die in sie gesetzten Erwartungen übertroffen. Im Jahr 2020 wird bereits über ein Drittel des Stromverbrauchs von den Erneuerbaren übernommen werden. Damit können wir auf alle laufenden AKW verzichten. Ob die anderen zwei Drittel der Stromversorgung klimafreundlich erfolgen können, hängt ganz wesentlich von zwei Faktoren ab:
- Steigerung der Energieeffizienz: Der Stromverbrauch muss in Deutschland in den nächsten Jahren deutlich sinken. Und die Stromerzeugung muss deutlich effizienter werden. Technisch ist das ohne weiteres möglich.
Doch es sind die Stromkonzerne, die sich widersetzen. Aktuellstes Beispiel: die Forderung der Bundesregierung, die Energieproduktivität jährlich um drei Prozent zu steigern. Im Vorfeld des letzten Energiegipfels versuchten Stromwirtschaft und Industrie dies zu verhindern, indem sie von einer drohenden Deindustriealisierung Deutschlands sprachen. Es ist schon auffällig: Alle Klimaschutzszenarien gehen von einem sinkenden Stromverbrauch aus, die Business-Szenarien der neuen Kohlekraftwerke setzen dagegen auf einen deutlich steigenden Stromverbrauch. Zudem versuchen die Konzerne seit Jahren, einen Ausbau der klimafreundlichen Kraft-Wärme-Kopplung zu verhindern. Obwohl es in Deutschland das Potential gibt, über 50 Prozent des Stromverbrauchs über Kraft-Wärme-Kopplung zu decken, geht der Ausbau dieser klimafreundlichen Technik nicht voran.
Keine neuen Kohlekraftwerke:
Wir können nicht nur auf neue Kohlekraftwerke verzichten, wir müssen die Neubaupläne stoppen, um beim Klimaschutz erfolgreich zu sein. Denn die neuen Kraftwerke werden kurzfristig – entgegen aller Versprechungen von Stromkonzernen und Politik – zu einem Anstieg der CO2-Emissionen führen, weil nicht in der gleichen Größenordnung alte Kohlekraftwerke vom Netz genommen werden. Vor allem aber sollen die neuen Kraftwerke mindestens 40 Jahre lang laufen. Damit legen sie einen Sockel klimaschädlicher Emissionen fest, den wir uns nicht leisten können, denn der gesamte Energiesektor darf im Jahr 2050 „nur“ noch 85 Mio. Tonnen CO2 emittieren. Allein die geplanten neuen Kohlekraftwerke würden aber mindestens 145 Millionen Tonnen CO2 ausstoßen!