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Millionenprofite statt Klimaschutz: Industrie bunkert Klimazertifikate

Der Emissionshandel gilt als das zentrale Klimaschutz-Instrument der Europäischen Union. Die klimaschädlichen Emissionen der Stromerzeugung und der energieintensiven Industrie, die rund die Hälfte aller europäischen Emissionen ausmachen, werden durch dieses System EU-weit erfasst und gedeckelt. In Deutschland werden analog etwas mehr als 50 Prozent der Emissionen durch dieses europäische Klimaschutzinstrument erfasst.


Für den Klimaschutz in Deutschland und Europa ist es also entscheidend, dass der Emissionshandel funktioniert und seinen Teil zu den Klimazielen beiträgt. Doch dies steht in Frage. Anstatt für mehr Klimaschutz zu sorgen, mutiert der Handel mit Treibhausgasen mehr und mehr zu einem Subventionsmechanismus für die Industrie.

Neue Studie benennt Profiteure des Emissionshandelssystems in Deutschland

Studie "Der Kilmagoldesel" herunterladen

Die Studie "Der Klimagoldesel: Wer sind die Gewinner des EU-Emissionshandels?" der britischen Umwelt­schutz­organisation "Sandbag Climate Campaign", die der BUND mit veröffentlicht, benennt die hauptsäch­lichen Profiteure des Emissionshandelssystems in Deutschland. Absurderweise wehren sich genau die darin aufgeführten Branchen und Unternehmen mit Verweis auf eine mögliche Gefährdung ihrer interna­tionalen Wettbewerbsfähigkeit gegen Klimaschutz­maßnahmen. Dieses Missverhältnis stellt die Studie dar und setzt so der Blockade der energieintensiven Industrie gegen ernsthaften Klimaschutz entscheidende Argumente entgegen.

Die Studie zeigt, dass ThyssenKrupp, die Salzgitter-AG, der Zementhersteller Lhoist, BASF und andere große Unternehmen der Stahl-, Zement-, und Chemieindustrie in Deutschland ein Millionengeschäft mit dem Emissionshandel machen. Allein die zehn größten Profiteure des Emissionshandels verfügen über 60,2 Millionen überschüssige Emissionszertifikate. Das entspricht fast der Menge an Treibhausgasen, die Schweden jährlich ausstößt. Dieser Überschuss hat einen geschätzten Gesamtwert von 782 Millionen Euro – bei einem durchschnittlichen Zertifikatepreis von etwa 13 Euro. Die Liste der Top Ten wird angeführt von ThyssenKrupp mit überschüssigen Zertifikaten im Wert von über 250 Millionen Euro.

Wert des Überschusses an Emissionszertifikaten in Millionen Euro für die größten Profiteure des Emissionshandels in Deutschland von 2008–2010
Wert des Überschusses an Emissionszertifikaten in Millionen Euro für die größten Profiteure des Emissionshandels in Deutschland von 2008–2010
Die sieben Unternehmen des Sektors Eisen und Stahl mit den höchsten Emissionen halten bis 2010 zusammen ein Plus von 50,4 Millionen Zertifikaten, was einem geschätzen Wert von 654,6 Millionen Euro entspricht.
Die sieben Unternehmen des Sektors Eisen und Stahl mit den höchsten Emissionen halten bis 2010 zusammen ein Plus von 50,4 Millionen Zertifikaten, was einem geschätzen Wert von 654,6 Millionen Euro entspricht.

TV-Tipp heute 21 Uhr im ZDF: Frontal 21

In dem Beitrag "Verfehlter Klimaschutz: CO2-Geschenke an die Industrie" wird die neue Studie "Der Klimagoldesel" von Sandbag vorgestellt. Der BUND-Vorsitzende Hubert Weiger wird in dem Beitrag zu Wort kommen und die Kritik des BUND am EU-Emmissionshandel erläutern.

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