Zugang zum "Lebensmittel Nummer 1" ist ein Grundrecht und kein Luxus. Internationale Weltwasserwoche in Stockholm

Zum Vergrößern bitte auf das Bild klicken. Fahrrad auf vertrocknetem Wüstenboden, Foto: P. Hatvalne; Gewinnerbild des FoEI-Fotowettbewerbs 2009

Frisches Wasser bedeutet Gesundheit und Heilung – Wissen, dass vor allem durch den bayerischen Priester Sebastian Kneipp im 19. Jahrhundert hierzulande populär wurde. Auf der anderen Seite bedeutet es Krankheiten und Armut, wenn kein frisches Wasser vorhanden ist. Der freie Zugang zu sauberem Wasser soll laut den Vereinten Nationen Grundrecht und kein Luxus sein. Doch die Realität sieht anders aus: Anlässlich der Internationalen Weltwasserwoche vom 5. bis 11. September in Stockholm warnen Umwelt- und Entwicklungsorganisationen vor den gravierenden Folgen einer zunehmenden Wasserverschmutzung und schlechten Wasserversorgung.

Nach Angaben von Unicef, dem Kinderhilfswerk der Vereinten Nationen, sterben jährlich rund 1,4 Millionen Kinder an Krankheiten, die auf verschmutztes Wasser und schlechte Hygienebedingungen zurückzuführen sind. Weltweit haben 884 Millionen Menschen kein sauberes Trinkwasser, darunter 125 Millionen Kinder unter fünf Jahren. 2,6 Milliarden Menschen leben ohne akzeptable Sanitäranlagen oder hygienische Abwasserentsorgungssysteme.

Der BUND-Gewässerexperte Sebastian Schönauer sieht als eine der Ursachen für den zunehmenden Wassermangel die häufigeren Wetterextreme als Folge des Klimawandels. So breiten sich in bestimmten Regionen die Wüsten aus, lange Trockenperioden lassen Brunnen versiegen und gefährden Ernten. Eine weitere Ursache für Wasserknappheit und -verschmutzung ist der verschwenderische Umgang mit Wasser aufgrund von fragwürdigen landwirtschaftlichen Methoden, die auch in ärmeren Regionen dieser Erde mehr und mehr Einzug halten.

Zum Vergrößern bitte auf das Bild klicken. Ausgetrockneter See in Bhopal, Foto: P. Hatvalne; 6. Platz des FoEI-Fotowettbewerbs 2009

Schönauer: "Für industrielle Monokulturen wird viel Grundwasser verbraucht. Häufig werden besonders durstige Nutzpflanzen wie Reis, Zuckerrohr oder Baumwolle in sehr trockenen und heißen Regionen angebaut. Durch ihren hohen Wasserbedarf werden die Grund- und Trinkwasservorräte übernutzt."

Die Bewässerungslandwirtschaft verbrauche in einzelnen Regionen bis zu 95 Prozent der Wasservorräte. In der Folge litten traditionell wirtschaftende kleinere Agrarbetriebe, die Landbevölkerung wandere in die Städte ab.

Durch den verstärkten Einsatz von Düngemitteln und Pestiziden, die in das Grundwasser sowie in Flüsse und andere Gewässer  gelangen, werden große Mengen des wertvollen Lebensmittels Nummer 1 unbrauchbar. Auch die Verschmutzung durch ungeklärte Abwässer aus Privathaushalten und Industrie verschärft die Situation weiter. Vor allem in Schwellenländern mit wachsender Industrie und Bevölkerung sei die Infrastruktur für die Trinkwasserversorgung und die Abwasserentsorgung stark vernachlässigt worden, sagt der BUND-Experte Schönauer.

Auf dem Millenniumsgipfel im Jahr 2000 hatten die Vereinten Nationen beschlossen, bis zum Jahr 2015 den Anteil jener Menschen, die keinen Zugang zu sauberem Trinkwasser haben, um die Hälfte zu reduzieren. Laut den Zwischenberichten der UN wurde dieses Ziel bisher lediglich zur Hälfte erreicht. Vor allem in den am stärksten betroffenen Regionen Asiens, Afrikas, Lateinamerikas und der Karibik müssen deshalb die Anstrengungen zum Gewässerschutz und zum Ausbau der Sanitäranlagen deutlich verstärkt werden.

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