Urwälder bedroht – Baumrodung im Sumava Nationalpark

Sumava Nationalpark, © Hvezdar71

Im Sumava Nationalpark, dem größten Tschechiens, herrscht nahezu echte Wildnis. Über mehr als 600 Quadratkilometer erstrecken sich Bergfichtenwälder, Torfmoore und andere Feuchtgebiete, Gletscherseen und blumenreiche Wiesen. Hier tummeln sich Luchse, Birkhühner, Habichtskauze und europäische Elche.

Rodung trotz Schutzgebietsstatus'

Doch diese Idylle ist bedroht. Obwohl der Park zu den Natura 2000-Gebieten, den UNESCO-Biosphärenreservaten und den Ramsarschutzgebieten zählt, will der neue Direktor des Nationalparks, Jan Strasky, Fichten in ganz großem Stil fällen lassen. Quer durch das Schutzgebiet wird es zu enormen Kahlschlägen kommen. Uralte Bergwälder sind bedroht. Sogar in Gebieten, in denen bis dato ein absolutes Eingriffsverbot galt, rückt nun die Säge an.

Tausende Bäume für den Einschlag markiert

Für die Rodung markierte Bäume im Sumava Nationalpark

Im Vogelbach, Teil der Modrava-Torfmoore, und in anderen Kerngebieten des Nationalparks sind tausende von Bäumen für den Einschlag markiert. Seit kurzem steht auch ein einzigartiger Gebirgsurwald bei Smrcina an der österreichischen Grenze auf der Liste. Zufällig plant die südböhmische Regionalregierung in dieser Region einen Skilift und Skipisten.

Offiziell will man mit dieser Maßnahme der Ausbreitung des Borkenkäfers entgegenwirken. In der Tat sind viele Bäume von diesem Schädling befallen. Doch der Holzbohrer ist wohl vor allem ein willkommener Vorwand, den Holzeinschlag im Schutzgebiet zuzulassen und die touristische Entwicklung zu ermöglichen.

Das schwere Gerät schlägt krasse Schneisen in die Wälder des Sumava Nationalparks.

Jan Strasky ist einer der führenden Politiker und ein Langzeitkritiker des modernen Naturschutzes. Von ihm stammt der Ausspruch: "Die Natur ist der Feind und deshalb muss sie bekämpft werden. Hätten meine Vorfahren nicht gegen diverse Tiere gekämpft, wäre ich heute nicht hier." Zu Straskys Plänen gehören der Bau eines Skilifts bei Hranicnik, die Erweiterung der Zufahrt zum Grenzübergang Zadni Zvonkova nach Österreich und der Zubau in Dörfern innerhalb oder an den Grenzen des Nationalparks.

Hnuti DUHA/Friends of Earth Czech Republic befürchtet, dass die Abholzung größeren Schaden anrichtet als der Borkenkäfer und hat daher eine Untersuchung durch die tschechische Umweltaufsicht und die Staatspolizei angeschoben. Die tschechischen UmweltschützerInnen sind überzeugt, dass die Abholzung illegal ist. Es bedürfe eines Gutachtens nach Leitlinien von Natura 2000 sowie eine Ausnahmegenehmigung für schweres Holzförderungsgerät.

Polizei löst Blockade gegen Rodung auf

UmweltschützerInnen protestieren mit einer Blockade gegen die Baumfällungen.

Bisher konnte der Holzeinschlag aber nicht gestoppt werden. Daher blockierten Mitglieder von Hnuti DUHA und anderen Organisationen sowie Unterstützer aller Couleur die Rodung. Zehn Tage später entschied das Gericht, dass die Blockade beendet werden müsse. Vor Gericht wurde nicht über die Rechtmäßigkeit des Holzeinschlags, sondern über die Rechtmäßigkeit der Blockaden befunden. Hnuti DUHA folgten der Gerichtsentscheidung, legten aber gleichzeitig Zeit Berufung ein. Andere Aktivisten setzen die Blockade fort und sehen sich nun der Polizeigewalt ausgesetzt.

Sie wollen nicht tatenlos zusehen? Teilen Sie Ihren Protest dem Leiter des Nationalparks Sumava mit. Friends of the Earth International hat dazu eine Protestmail vorbereitet. Jetzt mitmachen!


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