Gentechnik in Nordamerika

Mehr als die Hälfte aller weltweit angebauten gentechnisch veränderten Pflanzen wächst in den USA und in Kanada. 1995 wurde in Kanada mit dem kommerziellen Anbau von Gentech-Raps begonnen, 1996 in den USA mit Gentech-Soja. 2009 wurde in den USA die größte Anzahl unterschiedlicher Arten genmanipulierter Pflanzen angebaut: Soja (28,1 Mio. ha), Mais (29,7 Mio. ha), Baumwolle (2,6 Mio. ha) und Zuckerrüben (0,48 Mio. ha) sowie in deutlich geringerem Umfang Raps, Zucchini, Papaya und Alfalfa (Luzerne). Kanada gilt als Gentech-Rapsland Nummer eins. Rund 6,2 Mio. Hektar wurden 2009 dort angebaut. Zudem wachsen auf kanadischen Äckern gentechnisch veränderter Mais, Soja und Zuckerrüben.

Maispflanze, Foto: K. Bouda, pixelio.de; Sojapflanze, Foto: F. Haindl, pixelio.de, Baumwolle, Foto: M. Rose, pixelio.de
Mais, Soja und Baumwolle sind die am häufigsten angebauten Gentech-Pflanzen in den USA.

Die Anbauflächen für Gentech-Pflanzen sind in den letzten Jahren stark gestiegen. Auf knapp 34 Prozent des nordamerikanischen Ackerlandes wachsen gentechnisch veränderte Pflanzen. In den USA wird auf 93 Prozent der Anbauflächen für Soja und Baumwolle eine genmanipulierte Sorte angebaut, Mais auf 86 Prozent.

In Nordamerika dient ein großer Teil der Gentechnik-Pflanzen der Futtermittelherstellung. Aufgrund der steigenden Nachfrage nach Agrokraftstoffen wird in den USA immer mehr Gentech-Mais zu Bioethanol verarbeitet. Aber auch für verarbeitete Lebensmittel werden Gentech-Pflanzen verwendet. Es gibt für sie keine Kennzeichnungspflicht.

Anteil gentechnisch veränderter Sorten an der Gesamtanbaufläche der jeweiligen Pflanzen in den USA zwischen 1996 und 2010. Datenquelle: US Department of Agriculture, www.ers.usda.gov
Anteil gentechnisch veränderter Sorten an der Gesamtanbaufläche der jeweiligen Pflanzen in den USA. Grafik: BUND 2010, Daten: US Department of Agriculture, www.ers.usda.gov

US-amerikanische Farmer klagen über Unkrautresistenzen

Die meisten in Nordamerika angebauten Gentech-Pflanzen sind herbizidtolerant, das heißt, sie überleben die Anwendung des Totalherbizids Roundup und dessen Wirkstoff Glyphosat. Nach nunmehr 14 Jahren der Nutzung haben sich bei zahlreichen Unkräutern Resistenzen gegen Glyphosat herausgebildet. Die von der Industrie finanzierte Website www.weedscience.org listet für die USA derzeit zehn Unkräuter, die resistent gegen Glyphosat sind.

Als Folge werden zusätzliche Unkrautvernichtungsmittel verwendet. Nach Daten des US-Landwirtschaftsministeriums (USDA) wurden 2008 auf Gentech-Ackerflächen in den USA im Durchschnitt 26 Prozent mehr Pflanzenschutzmittel pro Hektar eingesetzt als auf Flächen mit konventionellen Sorten – obwohl die Gentech-Pflanzen laut den Herstellern den Einsatz eigentlich senken sollten.

Unkontrollierte Verbreitung und Saatgutverunreinigungen

In Kanada breitet sich herbizidtoleranter Raps ungehindert aus. Die Rapspollen werden durch Insekten oder Wind über größere Entfernungen transportiert. Werden wie in Kanada Rapslinien mit Resistenzen gegen unterschiedliche Herbizide (insbesondere Roundup und Liberty) angebaut, können durch Auskreuzungen mehrfach-resistente Rapshybride entstehen. Ihre Bekämpfung bedeutet einen entsprechend höheren Einsatz von Herbiziden. Die Auskreuzungen von Gentech-Raps in Kulturpflanzen führt zudem auch zu Verunreinigungen von konventionell und ökologisch angebautem Raps.

In den USA wurde 2006 zufällig eine weitreichende Kontamination von Reissaatgut mit dem herbizidtoleranten Gentech-Reis LL601 der Firma Bayer Crop Science entdeckt. Der Reis war nirgendwo auf der Welt zugelassen. Das Gentech-Saatgut stammte aus Freisetzungsversuchen aus dem Jahr 2001. Wie die Kontaminationen zustande kamen, ist unklar.

Etwa 30 Prozent der US-Reisernte wurden kontaminiert. Binnen weniger Tage stoppte die EU alle US-Reis-Importe. Die Exportverluste werden auf 254 Mio. US-Dollar geschätzt. Der weltweite wirtschaftliche Schaden beträgt zwischen 741 Mio. und 1,3 Mrd. US-Dollar.

Viele der betroffenen US-Reisbauern haben den Konzern auf Schadensersatz verklagt. Im Juli 2010 verlor Bayer den fünften Prozess in Folge. Der Konzern habe fahrlässig gehandelt und sei damit für die Kontaminationen verantwortlich, so das Urteil des Gerichtes. Laut Bayer sind die Kontaminationen die Folge höherer Gewalt.

Insgesamt wurde der Konzern bisher zu Strafzahlungen im Umfang von 52 Mio. US-Dollar verurteilt. Doch das war vermutlich erst der Anfang: Etwa 500 Prozesse sind noch angesetzt. Sie sollen so lange fortgesetzt werden, bis Bayer sich zu fairen Entschädigungszahlungen bereit erklärt. Bisher hatte Bayer dies verweigert.

Aktiv gegen Gentechnik

Auch in Nordamerika arbeiten zahlreiche Organisationen und Aktive gegen die Agro-Gentechnik. Eine Auswahl:

  • GEAN – Genetic Engineering Action Network: ein Netzwerk von fast einhundert Organisationen aus den USA, die sich gegen Gentechnik in der Landwirtschaft einsetzen.
  • Organic Consumers Association: ein Interessenverband für Gesundheit, Gerechtigkeit und Nachhaltigkeit mit einer Kampagne gegen Gentechnik.
  • Family Farm Defenders (FFD): Die Non-Profit-Organisation setzt sich ein für eine durch die Farmer kontrollierte und verbraucherorientierte Landwirtschaft und unterstützt aktiv den Kampf gegen die Agro-Gentechnik.


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Forscher mit Reagenzglas, Foto: www.bilderbox.com

Die Studie belegt: Das Hauptinteresse an der Gentechnik kommt aus der agrochemischen Industrie. Die Heilsversprechen der Gentechnik-Konzerne sind unrealistisch.

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