Kommerzieller Anbau gentechnisch veränderter Pflanzen weltweit

Der Anbau von Gentech-Pflanzen konzentriert sich auf sechs Länder: USA, Argentinien, Brasilien, Kanada, Indien, China. Quelle: ISAAA 2011

Der Anbau von Gentech-Pflanzen konzentriert sich auf sechs Länder: USA, Brasilien, Argentinien, Kanada, Indien, China. Quelle: ISAAA 2011

Gentechnisch veränderte Pflanzen werden seit 1996 kommerziell angebaut. Im Jahr 2010 wuchsen sie nach Industrieangaben auf 148 Millionen Hektar. Bezogen auf die weltweite Ackerfläche von circa 1,4 Milliarden Hektar sind das ungefähr 10,6 Prozent. Das entspricht etwa 3 Prozent der fünf Milliarden Hektar an landwirtschaftlich genutzter Fläche (Ackerflächen, Dauergrünland und Dauerkulturen) der Erde.

Die Angaben stammen von der international agierenden Lobbyagentur ISAAA (dem International Service for the Acquisition of Agri-Biotech Applications). Die ISAAA und der von ihr jährlich herausgegebene Bericht werden von der Gentech-Industrie finanziert. Unabhängige Statistiken zum Anbau von gentechnisch veränderten Pflanzen stehen bisher nicht zur Verfügung.

84 Prozent aller gentechnisch veränderten Kulturen wachsen in Nord- und Südamerika. Die Äcker der EU hingegen sind bisher weitgehend frei von Gentech-Anbau.

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Welche gentechnisch veränderten Pflanzen gibt es?

Anteil der verschiedenen Gentech-Pflanzen; Quelle: ISAAA 2011
Anteil der verschiedenen Gentech-Pflanzen; Quelle: ISAAA 2011

Der kommerzielle weltweite Anbau beschränkt sich hauptsächlich auf vier Pflanzenarten: Soja, Mais, Baumwolle und Raps. Bei rund der Hälfte aller gentechnisch veränderten Pflanzen handelt es sich um RoundupReady-Soja des US-Konzerns Monsanto. Unsere Studie, die der BUND gemeinsam mit Friends of the Earth Europe in Auftrag gegeben hat, zeigt die Gefahren für Umwelt und Gesundheit.

Studie RoundupReady-Soja, Dezember 2007

Eigenschaften von Gentech-Pflanzen

Rund 61 Prozent aller gentechnisch veränderten Pflanzen sind gegenüber Herbiziden tolerant, etwa 17 Prozent gegenüber Insektiziden und etwa 22 Prozent zeichnen sich durch beide Eigenschaften, sowohl Herbizidtoleranz als auch Insektenresistenz, aus.

Herbizidtolerante Pflanzen überstehen die Anwendung eines Totalherbizids, d.h. im Gegensatz zu allen anderen Pflanzen auf dem Acker sterben sie nicht ab, wenn sie mit Unkrautvernichtungsmitteln in Kontakt kommen.

Als Synonym für Herbizidtoleranz wird oft Herbizidresistenz verwendet. Eine Herbizidresistenz würde einen andauernd hundertprozentigen Wirkungsgrad bedeuten. Jedoch überstehen die Pflanzen nur eine bestimmte Dosis des Herbizids. Ist die gespritzte Menge zu hoch, sterben sie ab. Die Gentech-Unternehmen wollen daher Pflanzen entwickeln, die möglichst hohe Mengen an Spritzmitteln vertragen. "Wir haben angefangen unser Saatgut so zu verändern, dass es mehr Herbizide verträgt" ( Hugh Grant, Chef des US-Unternehmens Monsanto, Quelle: Pressedatenbank, 22.01.09, S. 21 aus "Die Zeit")

Insektenresistente Pflanzen sind gentechnisch so verändert, dass sie in jedem Teil der Pflanze ein Gift produzieren, das Insekten tötet, die von ihnen fressen. Auf dem Markt befinden sich bisher Bt-Pflanzen, die während der gesamten Vegetationsperiode in jeder ihrer Zellen das Gift des Bacillus thuringiensis (Bt) bilden. Die so genannten Bt-Pflanzen sind tödlich für alle Insekten, die von ihnen fressen.

Herbizidtolerante und insektenresistente Pflanzen sind eine Kombination von verschiedenen Eigenschaften. Sie sind tolerant gegen ein oder mehrere Herbizide und produzieren verschiedene insektengiftige Bt-Toxine.

 

Welche Rolle spielt Gentechnik in der Landwirtschaft?


Tabelle:
Ackerfläche im Verhältnis zur Gentech-Anbaufläche mit den jeweils verwendeten Pflanzen in den Hauptanbauländern im Jahr 2010, Quelle: Anbaufläche und angebaute Pflanzen aus ISAAA-Bericht 2011; Ackerfläche von FAOSTAT Stand: 2009, Zugriff am 22. November 2011

Land und Rang               Gentech-Pflanzen
auf Mio. ha
gesamte Ackerfläche
in Mio. ha
angebaute Gentech-Pflanzen
1. USA 66,8 162,8 Soja, Mais, Baumwolle, Raps, Kürbis, Luzerne, Papaya, Zuckerrübe
2. Brasilien 25,4 61,2 Soja, Mais, Baumwolle
3. Argentinien 22,9 31 Soja, Mais, Baumwolle
4. Indien 9,4 157,9 Baumwolle
5. Kanada 8,8 45,1 Raps, Mais, Soja, Zuckerrübe
6. China 3,5 110 Baumwolle, Papaya, Pappeln, Tomaten, Paprika
7. Paraguay 2,6 3,8 Soja
8. Pakistan 2,4 20,4 Baumwolle
9. Südafrika 2,2 114,4 Mais, Soja, Baumwolle
10. Uruguay 1,1 1,9 Soja, Mais
11. Bolivien 0,9 3,7 Soja
12. Australien 0,7 47,2 Baumwolle, Raps
13. Philippinen 0,5 5,4 Mais
14. Myanmar 0,3 11 Baumwolle
15. Burkina Faso 0,3 5,9 Baumwolle
16. Spanien 0,1 12,5 Mais
17. Mexiko 0,1 25,1 Baumwolle, Soja

Nach fünfzehn Jahren kommerzieller Nutzung gentechnisch veränderter Pflanzen liegt ihr weltweiter Anteil an der landwirtschaftlichen Nutzfläche bei 3,1 Prozent. Bezogen auf die weltweite Ackerfläche von circa 1,4 Milliarden Hektar sind das ungefähr 10,6 Prozent.



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Forscher mit Reagenzglas, Foto: www.bilderbox.com

Die Studie belegt: Das Hauptinteresse an der Gentechnik kommt aus der agrochemischen Industrie. Die Heilsversprechen der Gentechnik-Konzerne sind unrealistisch.

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