Zukunft ohne Gift: Fakten und Hintergründe

Im Sommer 2010 hat der BUND mit der Aktion "Kitas unter der Lupe - Zukunft ohne Gift" begonnen, um auf die Belastung von Kleinkindern durch Schadstoffe aufmerksam zu machen. Kindertagesstätten konnten Staubproben aus ihren Einrichtungen kostenlos durch ein Labor auf Weichmacher testen lassen.

Zukunft ohne Gift: Kitas stärker als Durchschnittshaushalt mit Weichmachern belastet

Bis Ende August 2011 haben sich bundesweit rund 200 Kitas an der Aktion beteiligt. Die BUND-Analysen zeigen: Kitas sind überdurchschnittlich hoch mit hormonellen Schadstoffen belastet. Im Hausstaub aller Einrichtungen wurden Phthalate (Weichmacher) nachgewiesen – teilweise in sehr hohen Konzentrationen. Die gefundenen Weichmacher greifen in das Hormonsystem ein und stehen u.a. im Verdacht, Unfruchtbarkeit hervorzurufen. Kleinkinder sind durch diese Stoffe besonders gefährdet, da das Hormonsystem die körperliche Entwicklung steuert.

Als Quelle für die Belastung kommen in erster Linie Einrichtungsgegenstände aus Weich-PVC in Frage. Der BUND fordert daher von Verbraucherschutzministerin Ilse Aigner, die Verwendung der gefundenen Phthalate in Produkten, die im Umfeld von Kindern eingesetzt werden, zu verbieten. Hierzu zählen z.B. PVC-Bodenbeläge, Vinyltapeten, Turnmatten, Matratzenbezüge, Sportbälle, Möbel mit Kunstlederbezügen und Spielzeuge aus Weichkunststoff. Hier geht's direkt zur Aktion "Zukunft ohne Gift"

Hintergrundpapier "Zukunft ohne Gift" mit detaillierten Analyseergebnissen herunterladen

Wo werden die Chemikalien eingesetzt und wie hoch ist die Belastung?

Schadstoffe wie die als Weichmacher dienenden Phthalate, bromierte Flammschutzmittel und Bisphenol A kommen in vielen Alltagsprodukten vor: in Babyflaschen, in Spielzeug, in Teppichen und Bodenbelägen. Laut Umweltbundesamt lässt sich insbesondere das Phthalat DEHP (Dienthylhexylphthalat) im Blut und Urin von praktisch allen Kindern nachweisen. Die Belastung einiger Kinder ist dabei so hoch, dass gesundheitliche Schäden nicht mehr ausgeschlossen werden können.

Welche Folgen hat die Belastung für Kinder?

Die genannten Stoffe wirken ähnlich wie Hormone im Körper. Sie greifen in das empfindliche Hormonsystem ein, das alle Stoffwechselvorgänge im Körper steuert. Eine Vielzahl von Erkrankungen und Störungen wird mit ihnen in Verbindung gebracht: Bei Jungen kann die Belastung mit hormonellen Chemikalien zu Missbildungen der Geschlechtsorgane und zu Unfruchtbarkeit führen, bei Mädchen kann eine verfrühte Pubertät sowie im späteren Alter Brustkrebs die Folge sein. Auch Allergien, Asthma und Diabetes - Krankheiten, die in den vergangenen Jahrzehnten verstärkt aufgetreten sind - können im Zusammenhang mit der Belastung durch hormonelle Stoffe im Kleinkindalter stehen.

Wie nehmen Kinder die Chemikalien auf?

  • über die Nahrung (wenn diese beispielsweise in PVC-haltigen Plastikdosen oder Verpackungen aufbewahrt wurde)
  • durch direkten Hautkontakt mit belasteten Gegenständen
  • durch das Einatmen von Staub, der Ausdünstungen enthält.

Wie können Kinder geschützt werden?

Der Einsatz von PVC sollte überall dort, wo sich Kinder aufhalten, vermieden werden. Spielzeug, Kindergeschirr, Boden- und Wandbeläge sollten aus PVC-freiem Material sein. In anderen Kunststoffen werden diese Weichmacher praktisch nicht eingesetzt. Wo möglich sollten Spielzeuge und andere Gegenstände aus Weich-PVC entsorgt und durch ungiftige Alternativen ersetzt werden. Mehr...



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Expertenmeinung

"Die hohe Belastung der Kitas mit Weichmachern ist inakzeptabel. Kleinkinder befinden sich noch in der Entwicklung und reagieren deshalb besonders empfindlich auf hormonelle Schadstoffe. Deshalb müssen im Umfeld von Kindern die Belastungen mit diesen Chemikalien schnellstens minimiert werden."

Prof. Dr. Ibrahim Chahoud, Institut für Klinische Pharmakologie und Toxikologie, Charité Berlin

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Ist Ihre Kita belastet?

Kinderschuhe in Regal mit Lupe. Foto: © Gerhard Wellmann / PIXELIO, Montage: BUND.
© Gerhard Wellmann / PIXELIO
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