Die Kandidatenliste – Chemikalien, die sofort ersetzt werden müssen

Nur solche Stoffe, die in der EU als "besonders besorgiserregend" eingestuft werden, können im Rahmen des Zulassungsverfahrens von REACH verboten oder in ihrer Verwendung eingeschränkt werden. Auch die Verbraucherauskunftsrechte gelten nur für diese Stoffe, die in der sogenannten "Kandidatenliste" geführt werden. Derzeit werden lediglich 73 Stoffe auf der Kandidatenliste geführt. Der aktuelle Stand kann jeweils auf den Internetseiten der ECHA eingesehen werden.

Schätzungen gehen davon aus, dass bis zu 2.500 Stoffe als besonders gefährlich eingestuft werden müssen. Es ist daher wichtig, dass die bisherige Kandidatenliste möglichst bald um weitere besonders gefährliche Stoffe ergänzt wird.
 
Zivilgesellschaftliche Organisationen haben dafür bereits fundierte Vorschläge unterbreitet:

 

Logo: REACH S.I.N.-Liste (Substitute it now)

Das Internationale Chemikaliensekretariat (ChemSec) hat gemeinsam mit weiteren Umwelt- und Gesundheitsverbänden eine Liste besonders gefährlicher Stoffe veröffentlicht, die häufig in Alltagsprodukten verwendet werden und daher sofort ersetzt werden sollten. Die "S.I.N.-Liste" steht für "substitute it now" also "jetzt ersetzen".

Mehr Informationen über die S.I.N.-Liste (auf Englisch)

 

Logo: European Trade Union Confederation

Auch der Europäische Gewerkschaftsbund hat eine Liste von Stoffen zusammengestellt, die kurzfristig ersetzt werden müssen, da sie maßgeblich zur Belastung mit Chemikalien am Arbeitsplatz beitragen.

Mehr über die "Trade Union Priority List" (auf Englisch)

Bei den von ChemSec und dem Europäischen Gewerkschaftsbund zusammengestellten Listen wurden die offiziell in REACH festegelegten Kriterien zur Bestimmung besonders besorgniserregender Stoffe zugrunde gelegt. Es handelt sich also ausschließlich um Stoffe, die nach REACH früher oder später Teil des Zulassungs- oder Beschränkungsverfahren werden müssen.

Es ist Aufgabe der EU-Mitgliedstaaten, Vorschläge für die Erweiterung der Kandidatenliste bei der Chemikalienagentur ECHA einzubringen. Dabei können sie auf die Vorarbeiten von ChemSec und dem Europäischen Gewerkschaftsbund zurückgreifen. Von der Bundesregierung erwarten wir, ihrer Aufgabe stärker als bisher nachzukommen und mehr Stoffe vorzuschlagen.