Das bisherige europäische Chemikalienrecht konnte Mensch und Umwelt nicht ausreichend schützen. Denn nur die Stoffe, die erstmals nach 1981 vermarktet wurden (sogenannte "Neustoffe"), mussten bislang auf ihre Umwelt- und Gesundheitsfolgen getestet werden. Die Mehrheit der ca. 100.000 in der EU verwendeten Chemikalien (ca. 96 Prozent) wurde hingegen nie auf ihre Sicherheit geprüft. Einige dieser Stoffe reichern sich in der Umwelt an oder stehen im Verdacht, Krebs zu erregen, die Gene oder die Fruchtbarkeit zu schädigen oder das Hormonsystem zu stören. Trotzdem finden sich diese Stoffe in Produkten wieder, mit denen wir ständig in Berührung kommen.
Dank REACH muss die Industrie nun erstmals Daten über die Umwelt- und Gesundheitsfolgen von etwa 30.000 Chemikalien vorlegen. Stoffe, die sich in der Umwelt und im Körper anreichern, werden zukünftig verboten, wenn es sicherere Alternativen gibt. Auch die Informationsrechte der Verbraucher werden durch REACH gestärkt. Allerdings hat die Industrie durch ihre intensive Lobby-Arbeit dafür gesorgt, dass REACH im Laufe der Verhandlungen deutlich geschwächt wurde. So werden einige gefährliche Stoffe weiterhin erlaubt sein, obwohl sie Krebs erregen können, das Erbgut schädigen, die Fruchtbarkeit beeinträchtigen oder hormonell wirksam sind.
Wir haben die Umsetzung von REACH seit 2007 kritisch begleitet und immer weiter über gefährliche Stoffe in Alltagsprodukten informiert. So wird die Liste besonders besorgniserregender Stoffe nach und nach immer weiter aufgefüllt. Allerdings schreitet dieser Prozess viel zu langsam voran. Für einige Stoffe der Liste läuft nun aktuell der Zulassungsprozess der REACH-Verordnung an. Dieser umfasst die Hauptschritte Ermittlung und Priorisierung von Stoffen durch europäische Behörden, den Antrag auf Zulassung durch die Industrie und die Erteilung der Zulassung durch die Europäische Kommission.
Ende November 2010 wurde die erste Registrierungsphase abgeschlossen. Es wurden Stoffe mit mehr als 1.000 Tonnen Produktions- oder Importmenge pro Jahr erfasst. Zwei Drittel der hierfür eingereichten Registrierungsdossiers sind unvollständig. 2012 werden verschiedene Aspekte von REACH überprüft und eventuell überarbeitet. Es beginnt der sogenannte REACH Review.