Kommunen auf dem Weg zur Pestizidfreiheit

Städte und Gemeinden setzen Pestizide häufig ein, um Straßen und Wege frei von Kräutern und Gräsern zu halten – je nach Standpunkt wird der unerwünschte Bewuchs als "Unkraut", "Wildkraut" oder "Beikraut" bezeichnet. Die Pestizide gelangen dann oft in Gewässer oder die Kläranlage. Das muss nicht so sein!

Bisher haben sich über zehn bundesdeutsche Kommunen per Gemeinderats-, Stadtrat- oder Verwaltungsbeschluss entschieden ihre Grünflächen ohne Pestizide zu bewirtschaften. Der BUND unterstützt diese Aktivitäten und hat deshalb einen Ratgeber "Die pestizidfreie Kommune" erarbeitet. In ihm wird das "Grundkonzept" einer pestizidfreien Kommune erläutert. Ebenso werden die wichtigsten pestizidfreien deutschen Kommunen vorgestellt. Die Broschüre kann heruntergeladen oder über den BUNDladen portofrei bestellt werden.

Bildleiste: verändertes Schönheitsideal - kommunale Wege und Plätze mit Wildkrautbewuchs. Fotos: Emweltberodung Lëtzebuerg
Neues Schönheitsideal für Kommunen: Wildkräuter tolerieren. Fotos: Emweltberodung Lëtzebuerg

BUND-Fachtagung im Umweltbundesamt

Der BUND hat im Juni 2015 zusammen mit dem Umweltbundesamt eine Fachtagung "Die pestizidfreie Kommune" durchgeführt. Ziel der Veranstaltung war es, mehr Kommunen vom pestizidfreien "Wirtschaften" zu überzeugen. VertreterInnen von Kommunen, Umweltverbänden und Umweltverwaltungen diskutierten an zwei Tagen Ansätze, Lösungsmöglichkeiten, aber auch  Probleme bei der pestizidfreien Gestaltung von Kommunen.

Pestizid-Alternativen für Kommunen: neues Schönheitsideal und Wildkraut-Bürsten

Eine Möglichkeit, im kommunalen Bereich auf giftige Pestizide zu verzichten, besteht darin, das Thema "Wildkrautbewuchs" schon bei der Planung von versiegelten Flächen zu berücksichtigen. Eine weitere Alternative scheint ganz einfach, bedarf aber immer einer Menge Überzeugungsarbeit: ein verändertes "Schönheitsideal" für Straßen, Wege und Plätze.

Wie "ordentlich" muss eine Fläche aussehen? Davon hängt im Wesentlichen der Einsatz von Pestiziden ab. Wege mit fließenden Übergängen statt schnurgeraden Kanten, Gräser und Kräuter auf öffentlichen Flächen. Ein Mix aus intensiver und extensiver Pflege kann schön aussehen, den Erlebniswert steigern und einen Beitrag zu mehr innerstädtischer Biodiversität darstellen.

Die Stadt Saarbrücken etwa geht diesen Weg und kommt seit über 20 Jahren ohne Pestizide aus. Auch hier wird allerdings nicht jeder Wildkrautbewuchs toleriert. Doch statt Pestiziden werden bei Bedarf mechanische Verfahren wie Mähen, Handarbeit oder spezielle Wildkrautbürstenmaschinen eingesetzt.

Thermische und mechanische Methoden zur Wildkrautbekämpfung

Es geht auch ohne Pestizide: Arbeiter schiebt Gerät zur mechanischen Wildkrautbeseitigung, Foto: AS-Motor
Es geht auch ohne Pestizide: mechanische Wildkrautbeseitigung mit der "Wildkraut-Hex"

Unerwünschte Pflanzen auf und an Wegen, Plätzen und Straßen können durch starke Hitzeeinwirkung abgetötet werden. Neben Abflamm- und Infrarot­ge­räten gibt es dazu auch Maschinen, die mit heißem Schaum oder heißem Dampf arbeiten. Alle thermischen Lösungen haben allerdings einen hohen Energiebedarf, außerdem sind die Geräte teuer.

Auch deshalb verwenden mehr Kommunen mecha­nische Verfahren. Verschiedene Hersteller bieten eine Reihe von Systemen dafür an, etwa Kehrmaschinen mit speziellen Radialbesen mit härteren Borsten aus Kunststoff oder Metall, Fugenkratzer, Absaugsysteme, Mähgeräte und Freischneider. Generell gilt bei der mechanischen Wildkraut-Entfernung: je früher, desto besser. Da mit feiner Erde ein Saatbeet entsteht, muss regelmäßig gereinigt und instandgehalten werden.

Grundsätzlich bringt eine enge Abstimmung zwischen Planung, Bau und Pflegeverantwortlichen das größte Pestizid-Einsparpotenzial für Kommunen.

Mehr Informationen



Ratgeber "Pestizidfreie Kommune"

Flyer "Frösche & Co. retten"

Suche