Pestizide − eine Gefahr für die biologische Vielfalt

Die Natur unseres Planeten ist in großer Gefahr: Nicht nur in den "fernen" Regenwäldern Südamerikas oder den uns fremden Lebensbedingungen des ewigen Eises. Auch bei uns "zu Hause" ist ein drastischer Rückgang der Biodiversität festzustellen. Tiere und Pflanzen, ganze Lebensräume sind vom Aussterben bedroht oder bereits unwiederbringlich verloren gegangen.

Blütenreiche Feuchtwiesen, Foto: © Dieter Kaiser / PIXELIO
Blütenreiche Feuchtwiesen − Pestizide bedrohen diesen Lebensraum, © Dieter Kaiser / PIXELIO

Weltweit geht die Artenvielfalt zurück, die natürliche Aussterberate ist um das 100- bis 1000-fache angestiegen, alleine zwischen 1970 und 2000 ist die Artenvielfalt um rund 40 Prozent zurückgegangen. In Mitteleuropa ist die Ackerlandschaft vom Artensterben besonders betroffen, der Mensch zerstört die natürlichen Lebensgrundlagen in einem unbeschreiblichen Tempo: Zwei Drittel aller Arten sind in Europa bestandsgefährdet. In Deutschland sind 70 Prozent der natürlichen Lebensräume bestandsgefährdet, zwei Drittel der Amphibien- und Reptilienarten als gefährdet eingestuft oder vom Aussterben bedroht, 30 Prozent der Farne und Blütenpflanzen sind bestandsgefährdet. Ebenso stehen zwei Drittel der Tier- und Pflanzenarten des Offenlandes auf den Roten Listen der bedrohten Arten.

Nachhaltige Landwirtschaft zum Schutz der biologischen Vielfalt

In Deutschland ist für die Erhaltung der biologischen Vielfalt insbesondere die Art und Weise der praktizierten Landwirtschaft ausschlaggebend, fast die Hälfte der Landesfläche ist Agrarfläche (Europäische Union: 43 Prozent). Die nationale Biodiversitätsstrategie trägt dieser Bedeutung Rechnung, Ziele zur Erhöhung des Anteils an Grünland oder Streuobstwiesen wurden vereinbart. Die Zusagen aber werden nicht eingehalten.

Die Landwirtschaft in der Bundesrepublik muss, um einen signifikanten Beitrag zur Sicherung der Biodiversität zu leisten, im Rahmen einer Agrarwende weg von der intensiven Landwirtschaft hin zu einer nachhaltigen extensiven Landwirtschaft transformiert werden. Dies beinhaltet eine umfassende Veränderung der Art zu wirtschaften, speziell aber den Stopp des Einsatzes von chemisch-synthetischen Pestiziden.

"Pflanzenschutzmittel" mit Nebenwirkungen

Pestizide wirken sich in vielfacher Hinsicht auf Lebensräume, Pflanzen und Tiere aus. Direkte Folgen sind tödliche Auswirkungen auf vermeintliche Schädlinge – aber auch "Kollateralschäden" an anderen Tieren und Pflanzen. Die Reduktion des Vorkommens einzelner Arten wirkt sich indirekt über die Nahrungskette auf andere Lebewesen aus und nimmt ihnen die Lebensgrundlage. Gleichzeitig schaffen Pestizide Formen der Landwirtschaft, die natürliche Lebensräume zerstören: Monokulturen, enge Fruchtfolgen oder nicht heimische Früchte zerstören das eingespielte Gleichgewicht.

Es ist nicht einfach, den Einfluss von Pestiziden auf die biologische Vielfalt aus dem Bündel an Einflussfaktoren herauszufiltern. Dass dieser Einfluss groß ist, wurde in einer 2010 veröffentlichten, europaweiten Studie deutlich: Von dreizehn untersuchten Faktoren der landwirtschaftlichen Intensivierung hatte der Gebrauch von Insektiziden und Fungiziden die schädlichsten Auswirkungen auf die Biodiversität. Die Artenvielfalt in Europa kann also nur erhalten werden, wenn die Verwendung von Spritzmitteln in großen Teilen der Landwirtschaft auf ein Minimum beschränkt wird. (Geiger F. u.a. 2010: "Persistent negative effects of pesticides on biodiversity and biological control potential on European farmland")

Roundup: Razzia mit Glyphosat

In der Bundesrepublikwird das Totalherbizid Roundup mit dem Wirkstoff Glyphosat mittlerweile im Rahmen der pfluglosen Bodenbearbeitung fast flächendeckend eingesetzt. In vielen Bundesländern fördert man den Roundup-Einsatz über Agrarumweltmaßnahmen (siehe Kleine Anfragen aus dem Freistaat Sachsen). Ein Beispiel aus der Uckermark verdeutlicht die Brisanz des Pestizideinsatzes in der Landwirtschaft: In Stabeshöhe bei Boitzenburg erstatte im Juni 2011 eine Bürgerin Anzeige gegen eine drohende Umweltverseuchung durch den exzessiven Anbau von Mais. 

Lesen Sie auf den nachfolgenden Seiten über die Auswirkungen des Pestizideinsatzes auf Lebensräume und ihre Bewohner.



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