Häufig gestellte Fragen zur biologischen Vielfalt

Ist das Aussterben und die Neuentstehung von Tier- und Pflanzenarten nicht ein natürlicher Prozess?

Tier- und Pflanzenarten können auch ohne menschlichen Einfluss aussterben. Der Mensch sorgt heute jedoch für das Aussterben von viel mehr Arten, als dies natürlicherweise geschehen würde. Ausgenommen sind Katastrophen. Eine solche Katastrophe gab es am Ende der Kreidezeit. Zahlreiche Tier- und Pflanzengruppen starben damals aus, darunter auch die Dinosaurier.

Ist der Mensch wirklich für den Verlust der Artenvielfalt verantwortlich?

Ja! Kein anderes Lebewesen hat bisher einen so großen Einfluss auf seinen Lebensraum ausgeübt. Der Mensch zerstört großflächig Lebensräume, beutet Tier- und Pflanzenbestände aus, verschmutzt Boden, Wasser und Luft. Er beeinflusst mit seinen Aktivitäten sogar weltweit das Klima. Diese Veränderungen geschehen so rasch, dass den Arten keine Zeit bleibt, sich an die neuen Lebensbedingungen anzupassen. Somit sterben sie aus. Gemäß der Roten Liste der IUCN sind nachweislich bereits 784 Tier- und Pflanzenarten ausgestorben. Wenn nicht rasch Maßnahmen getroffen werden, folgen weitere Arten. Deutschland gehört zu den Ländern mit dem höchsten Anteil an Tier- und Pflanzenarten auf der Roten Liste.

Das größte Artensterben geschieht in den Tropen – warum engagiert sich der BUND nur in Deutschland?

Der verschwenderische Lebensstil in den Industrienationen, auch in Deutschland, trägt in hohem Maße zum Artensterben auch in den Tropen bei: So zerstören Soja- und Palmölplantagen wertvolle tropische Lebensräume, um Viehfutter, Waschmittel und Kosmetika und Biodiesel herzustellen. Wir müssen in Deutschland nachhaltiger wirtschaften. Und wir dürfen auch im eigenen Land nicht unsere Vielfalt zerstören.

Für Deutschland sind etwa 45.000 Tierarten beschrieben. Mehr als 1.000 Arten sind in Deutschland zurzeit stark bedroht und 200 bis 300 Arten werden wahrscheinlich bis zum Ende des Jahrhunderts aussterben. Aber nicht nur der Artenrückgang ist erschreckend – auch bei den Rassen und Sorten unserer Nutztiere und -pflanzen ist der Verlust rasant: Wurden Anfang des 20. Jahrhunderts beispielsweise noch rund 20 verschiedene Rinderrassen gehalten, sind es heute nur noch vier. Und außerdem: Warum sollte Afrika Elefanten schützen, wenn in Bayern der erste Bär abgeschossen wird, der sich wieder blicken ließ?

Richtig ist, dass Umweltverbände auch international aktiv sein müssen, um international erfolgreich Einfluss zu nehmen und damit viel für die Umwelt zu erreichen. Der BUND ist deshalb Mitglied bei Friends of the Earth, einem internationalen Umweltschutznetzwerk. Zusammen mit unseren Mitstreitern aus vielen Ländern kämpfen wir für den Erhalt der weltweiten Biodiversität mit Aktionen und Kampagnen. Wir mischen uns in politische Entscheidungen auf EU- oder globaler Ebene ein. Wir setzen uns mit international agierenden Umweltsündern auseinander.

Sterben die Arten hauptsächlich wegen des Klimawandels?

Nein, Hauptursachen des Rückgangs der biologischen Vielfalt in Deutschland und Europa sind die Zerstörung der natürlichen Lebensräume. Durch Intensivierung und Düngung von landwirtschaftlichen Flächen, durch die Zerstückelung, Überbauung und Zersiedelung der Landschaft sowie durch eine zunehmende Umweltverschmutzung. Giftige Chemikalien zerstören die Nahrungsgrundlagen: Pestizide und andere Gifte reichern sich in den Nahrungsnetzen an und schädigen vor allem diejenigen Arten, die am Ende der Nahrungsketten stehen. Der Klimawandel ist eine zusätzliche Gefahr für die Biodiversität.



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