Die Welt verliert an Farbe: Arten- und Lebensraumschwund überall

Weltweit, am meisten jedoch in den "Hotspots" der Biodiversität, geht die biologische Vielfalt dramatisch zurück. Die natürlichen Prozesse vieler Ökosysteme sind mittlerweile gestört. Die wirtschaftlichen und sozialen Folgen wiegen schwer. Die Ausdehnung der landwirtschaftlich genutzten Flächen zur Deckung des weltweit steigenden Bedarfs an Lebensmitteln und Agrokraftstoffen und der Klimawandel werfen neue Probleme auf.

Hoodia gordonii, Foto: W. Bruenken
Hoodia gordonii wächst in Südafrika und darf nur gehandelt werden, wenn eine naturverträgliche Herkunft nachgewiesen werden kann.

In keiner Datenbank der Welt sind die Ausmaße des Artenschwundes erfasst, denn sie sind schlichtweg unbekannt. 1,6 bis 1,9 Millionen Pflanzen- und Tierarten sind bisher wissenschaftlich beschrieben worden. Schätzungen zufolge sind weitere 1,5 bis 30 Millionen Arten noch nicht entdeckt. Noch ungenauer als die Zahlen über die existierenden Arten sind die Daten über die bedrohten Arten. Viele werden wir nie kennenlernen, da sie vor ihrer Entdeckung bereits ausgestorben sein werden.

Internationale Konvention zur Erhaltung der Biodiversität

Da es internationaler Anstrengungen bedarf, um den Verlust an Pflanzen, Tieren und Lebensräumen aufzuhalten, wurde 1992 auf dem UN-Umweltgipfel in Rio de Janeiro das Übereinkommen über die Biologische Vielfalt (Convention on Biological Diversity, CBD) besiegelt. Dieser Konvention sind bislang 193 Staaten beigetreten, welche sich alle zwei Jahre zur Vertragsstaatenkonferenz (Conference of Parties, COP) zusammenfinden. Auf den Treffen werden Maßnahmen zum Schutz der biologischen Vielfalt und ihrer fairen und nachhaltigen Nutzung festgelegt, die es international umzusetzen gilt. Im Oktober 2010 fand die COP10 im japanischen Nagoya statt, der BUND hat die Konferenz vor Ort kritisch begleitet und eine Bilanz der Beschlüsse von Nagoya gezogen.

2010-Ziel verfehlt – ein Umdenken ist überfällig

Im Jahr 2002 hatten die auf dem Erdgipfel in Johannesburg versammelten Staaten beschlossen, den Rückgang der biologischen Vielfalt bis ins Jahr 2010 signifikant zu verlangsamen. Die europäischen Länder, unter ihnen auch Deutschland, gingen noch einen Schritt weiter: Sie verpflichteten sich, den Verlust der natürlichen Vielfalt bis zum Jahr 2010 zu stoppen. Beide Ziele wurden massiv verfehlt.

Es gilt, endlich die Belange des Biodiversitätsschutzes in alle Politikfelder zu integrieren, insbesondere in die Haushalts- und Wirtschaftsressorts. Andernfalls bleiben Maßnahmen zum Schutz der biologischen Vielfalt angesichts des Ausmaßes der Zerstörung wirkungslos. Vielleicht kann die sogenannte TEEB-Studie zu den ökonomischen Kosten dieser Zerstörung zu dem längst überfälligen Umdenken in diesem Punkt beitragen. Ein weiterer zentraler Schritt zum Erhalt der Biodiversität ist der Abbau umweltschädlicher Subventionen – hier wird viel Geld für die Vernichtung von Natur ausgegeben. Zu beiden Punkten gibt es hoffnungsvolle Beschlüsse aus Nagoya – sie müssen jedoch auch in die Tat umgesetzt werden.

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