Defizite der Biodiversitätsstrategie und Forderungen des BUND
Bund und Länder sind angehalten, zum Schutz der biologischen Vielfalt beizutragen. Wird unsere nationale Strategie dieser Aufgabe gerecht? Was erwartet der BUND von der deutschen Politik? Ein kurzer Überblick:
Der negative Einfluss Deutschlands auf die biologische Vielfalt anderer Länder muss erheblich verringert werden. Doch sollen laut nationaler Strategie auch 2020 nur ein Viertel der eingeführten Naturgüter aus natur- und sozialverträglicher Bewirtschaftung stammen. Drei Viertel dürfen demnach weiter naturschädlich und sozial ungerecht produziert werden.
Die globale Strategie zur Erhaltung der Pflanzen enthält 16 für die Vertragsstaaten verbindliche Ziele, unter anderem, dass 30 Prozent der Landesfläche im Einklang mit der Pflanzenvielfalt bewirtschaftet werden. Diese Strategie wird bisher weder in der nationalen Strategie noch in der bundesdeutschen Praxis aufgegriffen.
Die EU und Deutschland besitzen weltweit vorbildliche Richtlinien (Fauna-Flora-Habitat- und Vogelschutz-Richtlinie), um systematisch Schutzgebiete für bedrohte Lebensräume und Arten einzurichten. Doch viele Bundesländer versuchen dieses Instrumentarium auszuhebeln und für eigene Versäumnisse haftbar zu machen. Stattdessen sollten sie – gemäß der nationalen Strategie – in ihren Schutzgebieten für eine bessere Akzeptanz vor Ort und eine angepasste Bewirtschaftung sorgen.
Ökologischer Verbund: Biotope und Lebensräume müssen wirksam vernetzt und Barrieren aus der Landschaft entfernt werden – über die nationale Strategie hinaus auch an bestehenden Verkehrswegen.
Der BUND fordert, ein Zehntel der Wälder aus der Bewirtschaftung zu nehmen. Das Strategiepapier sieht nur fünf Prozent vor, plant aber Regeln für die Forstwirtschaft im Waldgesetz zu verankern.
Die Intensivierung der Landwirtschaft ist hauptschuldig für den Artenrückgang in Deutschland. Die Standards bei der Bewirtschaftung müssen ökologisiert, Stoffeinträge drastisch verringert und die Vielfalt der Pflanzen und Tiere auf Wiesen, Weiden und Äckern erhalten werden. Die nationale Strategie geht hier längst nicht weit genug.
Der Beitrag der Biodiversität zur Begrenzung des Klimawandels muss stärker honoriert werden. Die Bundesregierung plant den Abbau der letzten deutschen Moore (wichtige CO2-Speicher) erst ab 2015 zu reduzieren – statt ihn sofort zu stoppen.
Der Anbau von Biomasse und andere Schritte zu mehr Klimaschutz dürfen nicht zu Lasten der Natur oder der Nahrungsmittelproduktion gehen. Das Strategiepapier fordert Konzepte hierfür, enthält aber keine klaren Kriterien.
Die EU-Wasserrahmenrichtlinie muss so umgesetzt werden, dass Gewässer wieder frei fließen können und sich Bäche und Flüsse bei Hochwasser in ihren Auen ausbreiten können. Das fordert auch die nationale Strategie.
Selbst wenn es einige Fortschritte gibt und die nationale Biodiversitätsstrategie umgesetzt würde: Sie genügt bei Weitem nicht, um ihre eigenen und die international fixierten Ziele zu erreichen und den Rückgang der biologischen Vielfalt bis 2010 aufzuhalten. Hierzu bedarf es in Deutschland sowie in anderen Ländern noch erheblicher Anstrengungen.