11. März 2011: Reaktorkatastrophe in Fukushima-Daiichi

Reaktorgebäude 1 und 2 in Fukushima; CC BY 2.0, kawamoto takuo/flickr
Das AKW Fukushima-Daiichi I

Am 11. März 2011 gegen 14:46 Ortszeit bebte rund 160 Kilometer vor der Ostküste Japans zwei Minuten lang die Erde. Kurze Zeit später erreichten die ersten Wellen den Atomkraftwerks-Komplex Fukushima-Daiichi auf dem Festland. In Folge des Erdbebens sorgten die Notsysteme für eine sofortige Abschaltung, die Notstromaggregate ersetzten die nun fehlende externe Stromversorgung. Dass bereits von dem Erdbeben Schäden an den Reaktoren verursacht worden sind, ist offiziell nicht bestätigt aber sehr wahrscheinlich. Eine Viertelstunde später erreichte ein durch das Erdbeben ausgelöster Tsunami mit 13 bis 15 Meter hohen Wellen das Atomkraftwerk. Die Reaktoren wurden zum Teil mehrere Meter hoch überschwemmt, die Notstromaggregate fielen innerhalb weniger Minuten komplett aus. Aufgrund des Stromausfalls konnten die kurz zuvor abgeschalteten Reaktoren und benachbarte Abklingbecken nicht ausreichen gekühlt werden. Es kam – nach heutigem Kenntnisstand – zur Kernschmelze in den Blöcken 1,2 und 3 sowie zu – vermutlich – Wasserstoffexplosionen in den Blöcken 1 bis 4, die die Gebäude stark beschädigten.

In den folgenden Wochen konnte der Betreiber Tepco (Tokyo Electric Power Company) mit internationaler Unterstützung die Lage insofern unter Kontrolle bringen, als das die Reaktoren und Abklingbecken nun kontinuierlich gekühlt werden. Zwischenzeitlich wurde aus der Not heraus Meereswasser (welches zu Salzablagerungen führt) in die Reaktoren geleitet. Ebenso wurden Feuerwehrlöschfahrzeuge und Wasserwerfer eingesetzt, um die sich immer wieder neu entwickelnde Hitze in den Griff zu bekommen. Radioaktivität tritt nach wie vor aus dem havarierten Kraftwerk aus. 

Folgen für Mensch und Umwelt

Evakuierungszonen um Fukushima-Daiichi: Der Umkreis von 20km ist nicht mehr bewohnbar, Bild: CC BY SA Lincun/wikicommons
Evakuierungszonen um Fukushima-Daiichi: Der Umkreis von 20km ist nicht mehr bewohnbar

Während der Reaktorkatastrophe von Fukushima sind die gesetzlichen Grenzwerte für radioaktives Jod und Caesium im Meereswasser vorübergehend um das 50.000 bis 200.000-fache überschritten worden. In der Folge wurde in Obst, Gemüse und Fleisch aus der Präfektur Fukushima stark erhöhte Radioaktivität nachgewiesen. In einem Radius von dreißig Kilometern mussten alle Anwohner evakuiert werden, 100.000 bis 150.000 Menschen haben das Gebiet verlassen und werden nie wieder in ihre Heimat zurückkehren können. Der Störfall ist auf der INES-Skala mit der höchsten Stufe 7 (Katastrophaler Unfall, bis zum März 2011 nur in Tschernobyl eingetreten).

Die Langzeitfolgen für die Umwelt sind bisher nur schwer abzuschätzen, eine erste Untersuchung haben namhafte Wissenschaftler aus Deutschland vorgestellt: Die Reaktorkatastrophe von Fukushima wird weitreichende Folgen für den Pazifik und die dort vorhandenen Lebensräume haben. Die Messwerte von TEPCO und dem japanischen Wissenschaftsministerium zeigen, daß das Meer um Fukushima hochgradig verseucht ist.  Es ist davon auszugehen, daß sich die radioaktiven Substanzen weiträumig verteilen und in den Nahrungsketten von unten nach oben anreichern werden. Ein großes Problem ist die Kühlung der geschmolzenen Kerne durch Einleitung von Wasser, um noch Schlimmeres zu verhindern: Durch undichte Stellen in den Sicherheitsbehältern und Abklingbecken gelangt kontaminiertes Kühlwasser permanent in die Umwelt. Die Wissenschaftler fordern ein flächendeckendes Netz unabhängiger Meßstationen und epidemiologische Untersuchungen, die Neubewertung von Grenzwerten, sowie den weltweiten Ausstieg aus der Kernenergie.



Jetzt online BUND-Mitglied werden!, © www.photocase.com / mr nico
Jetzt online spenden, © istock.com/johnnorth

Jetzt Fan werden auf www.facebook.com/bund.bundesverband   Folgen Sie uns auch auf www.youtube.com/bundgermany   Folgen Sie uns auch auf www.twitter.com/BUND_net   Abonnieren Sie unseren RSS-Feed

BUND-Forderungen zur Suche eines Atommüll-Lagers

Newsletter "Klima"

Bildergalerie, 11.3.2012

Suche