Anti-Atom-Bewegung

Bonn 1979, Foto: CC BY SA Hans Weingartz/wikicommons
Bonn 1977

Schon lange vor den großen westdeutschen Anti-Atom-Demonstrationen in den 1970er Jahren stießen die ersten Pläne für die "friedliche Nutzung der Kernenergie" in der Bevölkerung auf Skepsis und Ablehnung. Denn im oppositionellen Protest gegen die Stationierung US-amerikanischer Atombomben in der Bundesrepublik bezweifelten viele – zu Recht – die Trennbarkeit militärischer und ziviler Atomenergienutzung.

Seit 1975 kam der Bau des AKW Whyl bundesweit in die Schlagzeilen, als bis zu 20.000 Menschen den Bauplatz besetzten und schließlich durch einen groß angelegten Polizeieinsatz geräumt wurden.

Die 80er und 90er Jahre

Brokdorf 1981, Foto: CC BY SA Hans Weingartz/wikicommons
Brokdorf 1981

In den 1980er Jahren stand die im bayerischen Wackersdorf geplante Wiederaufbereitungsanlage im Mittelpunkt der Anti-Atom-Proteste. Der BUND und zahlreiche Bürgerinitiativen, kirchliche Gruppen und Kommunen setzten auf friedlichen und fröhlichen Widerstand während die Staatsmacht Wackersdorf in ein Heerlager von Polizei und Bundesgrenzschutz verwandelte. In seltener Eintracht fanden hier Demonstrationen von bis zu 80.000 Menschen statt - aufgebrachte Bevölkerung sowie AktivistInnen aus dem ganzen Bundesgebiet. Alle christlichen Festen wurden von nun an am Bauzaun von Wackersdorf gefeiert.

Rund 881.000 Einwendungen von BürgerInnen gingen ein, und auch die zuständige Landratsbehörde verweigerte dem Projekt die Baugenehmigung, bis das Land Bayern die Zuständigkeit an sich zog. 1989 kam für den bis dahin schon 10 Milliarden Mark teuren Bau schließlich das Aus.

In der ehemaligen DDR kam ein stärkerer Anti-Atom-Protest erst nach dem Reaktorunglück von Tschernobyl auf und konzentrierte sich vor allem auf den AKW-Bau in Stendal. Das Ministerium für Staatsicherheit, in dessen Unterlagen regelmäßig vom "Staatsauftrag 'Kernenergie'" die Rede war, versuchte mit verschiedenen Mitteln, die vor allem aus Kirchenkreisen laut werdende Kritik an der Atomkraft zu verhindern.

Seit 1995 gibt es insbesondere fortgesetzte Proteste und Großdemonstrationen gegen die Atommülltransporte nach Gorleben und Lubmin.

Nach dem "Atomkonsens" im Jahr 2002

Gorleben 1996, Foto: CC BY SA Father of Hendrike/wikicommons
Gorleben 1996
Großdemo "Fukuschima mahnt" 2011, Foto: Jörg Farys/dieprojektoren
Großdemo "Fukushima mahnt" 2011

Mit dem 2002 beschlossenen Atomkonsens der rot-grünen Regierung konnte der gesellschaftliche Konflikt um die Kernenergie besänftigt werden. Viele Menschen vertrauten der Vereinbarung und zogen sich aus dem Protest zurück.

Kurz vor der Bundestagwahl 2009 begann – gemeinsam vom BUND und zahlreichen anderen Gruppen organisiert – eine Welle von Großdemonstrationen, die die Republik so noch nicht erlebt hat: Immer wieder demonstrierten Zig- und Hundertausende bei Menschenketten, Großdemonstrationen und Blockaden im gesamten Bundesgebiet.

Am 12. März 2011 bildeten 60.000 eine Menschenkette vom AKW Neckarwestheim nach Stuttgart. Am selben Tag wurde Japan Opfer einer verheerenden Naturkatastrophe, eine der tragischen Folgen: eine mehrfache Kernschmelzen im AKW Fukushima.

Als Reaktion auf Ereignisse in Japan gingen am 26. März 2011 in vier Städten mehr als eine Viertelmillion Menschen unter dem Titel "Fukushima mahnt - alle AKWs abschalten" auf die Straße. In mehr als 600 Städten fanden montägliche Mahnwachen statt. Zu Demonstrationenen am 25. Jahrestag der Reaktorkatastrophe von Tschernobyl sowie zum Ende des "Atommoratoriums" kamen erneut mehrere hunderttausend TeilnehmerInnen.



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