Der Seeadler – der König der Lüfte

Seeadler gehören zu den größten Greifvögeln Mitteleuropas. Der Anblick dieser imposanten Tiere, deren Flügelspannweite bis 2,5 Meter reicht, ist ein wahres Naturschauspiel.

Seeadler, Foto: Uclax/Wikipedia

Der Seeadler ist an Gewässer gebunden. Er kommt an Küsten, Seen und Flüssen des nördlichen Eurasiens von Grönland bis zum Pazifik vor. In Deutschland bevorzugt der Seeadler die Wald-Seen-Landschaften wie an der Müritz oder in der Oberlausitz. Wie die großen Beutegreifer Wolf oder Bär wurden auch die Seeadler bis ins 20. Jahrhundert hinein von den Menschen stark verfolgt. Vor hundert Jahren galten sie in ganz West- und in weiten Teilen Mitteleuropas als ausgerottet. In Deutschland gab es zu dem Zeitpunkt nur noch einzelne Brutpaare. Durch aktive Schutzmaßnahmen und ein Jagdverbot zeichnete sich in den folgenden Jahrzehnten zunächst eine Erholung der Bestände ab.

Doch der Einsatz von DDT als Insektizid und die damit einhergehende Anreicherung in der Nahrungskette sorgten in der Mitte des zwanzigsten Jahrhunderts für einen erneuten Bestandsrückgang. DDT führte dazu, dass die Schalen der Eier nicht mehr richtig ausgebildet wurden. Seit dem Verbot von DDT in den 70er Jahren konnten sich die Bestände endlich nachhaltig erholen, so dass heute wieder rund 570 Brutpaare in Deutschland zu finden sind.

Der Seeadler wendet bei der Nahrungsbeschaffung verschiedene Strategien an. Auf ihren Sitzwarten in der Nähe von Gewässern warten die Vögel manchmal stundenlang auf Beute. Zum Beutespektrum gehört neben Fischen und Wasservögeln auch Aas. Das Erbeuten von lebenden Säugern, wie Kaninchen oder Feldhasen ist eher die Ausnahme.

Hat sich ein Seeadlerpaar gefunden, so lebt dieses in der Regel in Dauerehe in einem festen Revier, welches gegen fremde Adler heftig verteidigt wird. Bei den Revierkämpfen kann es zu tödlichen Verletzungen kommen. Die Seeadler Mitteleuropas bleiben normalerweise das ganze Jahr in ihren Revieren, während die Vögel aus dem hohen Norden in südlicheren Gebieten überwintern. Die Brut wird in den gewaltigen Adlerhorsten aufgezogen. Diese Horste, aus Ästen und gepolstert mit Gras oder Moos, werden bei uns meist in alten Buchen oder Kiefern angelegt. In baumlosen Gebieten Nordeuropas findet man die riesigen Nester auch in Felswänden. Das Seeadlerpaar zieht bei günstigen Bedingungen jährlich ein bis drei Jungtiere auf.

Neben den natürlichen Todesursachen, wie tödlichen Verletzungen bei Revierkämpfen, sind es heute vor allem durch den Menschen verursachte Einflüsse, welche den Seeadler gefährden. Dabei spielen neben Kollisionen mit Oberleitungen, Zügen und Windrädern vor allem Bleivergiftungen eine große Rolle. Bleivergiftungen sind die häufigste Todesursache von Seeadlern in Deutschland. Die Tiere können Bleipartikel aufnehmen, wenn sie an Kadavern fressen, welche mit Bleimunition geschossen wurden, oder die Innereien von geschossenem Wild aufnehmen, welche von Jägern in der Landschaft zurückgelassen werden. Bleivergiftungen treten hauptsächlich in den Wintermonaten auf, wenn die Seeadler sich vermehrt von Aas ernähren, weil Fische und Wasservögel nicht mehr so leicht verfügbar sind.

Der Schutz des Seeadlers muss trotz steigender Bestandeszahlen konsequent fortgeführt werden. Längst gibt es Alternativen zur Verwendung bleihaltiger Munition und damit allen Anlass zu deren Verbot. Alte und starke Bäume sind nicht nur potentielle Horstbäume für Seeadler, sondern auch wertvolle Biotope für eine Vielzahl anderer Lebewesen. Alte Bäume müssen endlich als wichtiger Bestandteil naturnaher Wälder erhalten und ihr Anteil erhöht werden. Der zunehmende Verlust wertvoller Lebensräume muss gestoppt werden, damit der Seeadler weiter seine Kreise ziehen kann.

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