Interview

PD DR. Josef Settele, UFZ Halle
PD DR. Josef Settele, UFZ

Abenteuer Faltertage 2008 bestätigt: Falter sind empfindlich


Viele Schmetterlingszähler berichten uns, sie hätten in diesem Jahr deutlich weniger Schmetterlinge beobachtet als in den Jahren zuvor. Uns interessierte, ob sich dieser Eindruck aus wissenschaftlicher Sicht bestätigen lässt. Dazu befragten wir PD Dr. Josef Settele, Schmetterlingsexperte am Zentrum für Umweltforschung (UFZ). Seit 2005 betreut er mit seinen Kollegen das vom BUND unterstützte
Tagfaltermonitoring.


Herr Dr. Settele, in den letzten Monaten haben wir viele Zuschriften bekommen, in denen uns Menschen aus ganz Deutschland besorgt mitteilen, sie hätten in diesem Jahr fast gar keine Falter gesehen. Können Sie als Schmetterlingsexperte diesen Eindruck bestätigen?


In diesem Frühjahr waren in der Tat wesentlich weniger Tiere zu beobachten als im gleichen Zeitraum der vorhergehenden Jahre. Zum Beispiel wurden bis Anfang Juni der Admiral und der Kleine Perlmutterfalter 10mal seltener beobachtet als im selben Zeitraum des letzten Jahres. Eine Auswertung für den weiteren Jahresverlauf liegt leider noch nicht vor. Die Rückmeldungen der Zähler deuten jedoch darauf hin, dass es auch im Sommer eher weniger Schmetterlinge zu beobachten gab und Arten wie Kleiner Fuchs und Distelfalter kaum gesichtet wurden

Sofern es in diesem Jahr tatsächlich weniger Falter gibt, worin liegen aus Ihrer Sicht die Ursachen?

Im Frühjahr 2007 war es sehr warm, deshalb wurden in dieser Zeit auch sehr viele Falter beobachtet. Auf den warmen Frühling folgte ein eher verhaltener Sommer, und genau hier liegt der Grund für die geringeren Zahlen in diesem Jahr. Denn viele Schmetterlingsarten legen ihre Eier im Sommer oder Herbst ab. Aus ihnen entwickeln sich erst im Folgejahr die erwachsenen Falter. Zudem war es in diesem Frühjahr vor allem in Norddeutschland sehr trocken, was zu einem Mangel an Nahrungs- und Nektarpflanzen geführt haben dürfte.

Viele Menschen berichten uns, es hätte in ihrer Kindheit sehr viel mehr Schmetterlinge gegeben? Stimmt es, dass die Zahl der Falter vor 50 Jahren viel höher war?

Dazu können wir fachlich nichts sagen, da uns aus dieser Zeit keine aussagekräftigen Daten vorliegen. Allerdings ist es meist so, dass man als Kind mehr Zeit im Freien verbringt. Dann ist die Chance, einen Schmetterling zu beobachten natürlich wesentlich höher. Vielleicht sagen die Kinder, die sich heute noch viel in der Natur aufhalten, später einmal dasselbe, wenn sie berufstätig sind und den Tag im Büro oder in der Fabrik verbringen. Zu diesem Eindruck passt übrigens auch die Feststellung vieler Falterzähler, die im Rahmen des Monitorings relativ oft hinaus gehen, dass es doch noch eine ganze Menge Falter gibt.

Wir danken für das Interview.



Jetzt online BUND-Mitglied werden!, © www.photocase.com / mr nico
Jetzt online spenden, © istock.com/johnnorth

Jetzt Fan werden auf www.facebook.com/bund.bundesverband   Folgen Sie uns auch auf www.youtube.com/bundgermany   Folgen Sie uns auch auf www.twitter.com/BUND_net   Abonnieren Sie unseren RSS-Feed

Newsletter "Biodiversität"

Willi Wanstschrecke

Der BUND Bingen nahm die Landesgartenschau zum Anlass, auf den Verlust vieler Schmetterlingsarten aufmerksam zu machen und legte einen besonders schmetterlingsfreundlichen Mustergarten an.

Broschüre "Schmetterlinge schützen"

Suche